Freitag, 26. Februar 2021
21.12.2019 10:47
Südkorea

Ein Hund für 100’000 Franken

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Von: sda

Der Tod eines Tiers ist für Besitzer schmerzvoll. Eine Firma in Südkorea verspricht Abhilfe, indem sie eine lebende Kopie aus Gewebe des gestorbenen Tiers herstellt. Die Nachrichtenagentur dpa hat einen Klon besucht.

Wenn Simone und Sven J. aus Sachsen von ihren beiden Hunden namens Marlon erzählen, schwingen Trauer und Freude gleichermassen mit. Beide Gefühle lassen sich in diesem Fall nicht trennen, genauso wenig wie man die beiden Englischen Bulldoggen isoliert voneinander betrachten kann. Denn ohne die eine hätte es die andere nicht gegeben. 

Geboren in Forschungslabor 

Der 15 Monate alte Welpe Marlon ist Deutschlands erster Klon-Hund und kam am 11. September 2018 in einem Forschungslabor in Südkoreas Hauptstadt Seoul zur Welt. Sein Lebensspender war ein gutes halbes Jahr zuvor gestorben, als man ihm bei einer Routine-OP ein zu starkes Narkosemittel verabreichte.

Der Tod Marlons sei für die Familie ein Schock gewesen, sagt der 49 Jahre alte Sven J. Schliesslich habe seine Frau das Tier von klein auf gepflegt. «Marlon habe ich nur übernommen, weil er eingeschläfert werden sollte. Das konnte ich nicht zulassen, ich wollte es versuchen», erzählt Ehefrau Simone. 

Enges Familienmitglied

Die 47-Jährige gab dem Hundebaby vier Wochen lang Antibiotika, wärmte es wie ein Kleinkind an ihrem Bauch. «Ich habe ihn bemuddelt», beschreibt sie auf Sächsisch ihre Fürsorge. Als die siebte Woche geschafft war, habe sich der Zustand des Tieres gebessert. «Das Fieber ging runter. Es ist doch klar, dass Marlon ein enges Familienmitglied wurde.»

Er blieb es vier Jahre lang und hätte es bei einem normalen Hundeleben noch lange bleiben können. Doch dann folgte eine OP mit tödlichem Ausgang. 

Ein Sportwagen kostet auch so viel

Die J.s hielten Familienrat, informierten sich im Internet über eine Möglichkeit, Marlon weiterleben zu lassen, obwohl er tot war. Bei der südkoreanischen Firma Sooam Biotech Research Foundation, einem weltweit führenden Unternehmen für kommerzielles Hunde-Klonen, wurden sie fündig. Wenn man einmal eine solche Entscheidung getroffen hat, sei alles eine Frage der Zeit, sagt Sven J. Dann hat man maximal fünf Tage, um eine Gewebeprobe zum Institut des Tiermediziners und Klonpioniers Hwang Woo Suk zu bringen.

Beim Klonen entnehmen die südkoreanischen Forscher das Erbgut aus einer Körperzelle des Spenderhundes und übertragen es in eine Eizelle, aus der zuvor der Zellkern entfernt wurde. Der im Labor erzeugte Embryo wird dann in die Gebärmutter eines anderen Tieres eingepflanzt, das ihn austrägt. Das hat seinen Preis. Ein Kunde muss dafür 100’000 Dollar hinlegen. Sven J. ärgert sich darüber, dass sich anonyme Kritik im Internet vor allem an der Summe entzündete: «Wer sich einen Sportwagen für dieses Geld leistet, wird am Ende noch gefeiert.» Es solle jedem überlassen bleiben, wofür er sein Geld ausgibt.

Frisch verstorben ist am billigsten

An dem Grundpreis hat sich seit dem vergangenen Jahr nichts geändert. Er könne aber höher ausfallen, falls die eingereichten Zellen mehr Arbeit erforderten, sagt eine Sprecherin von Sooam. Viele Kunden würden sich erst melden, nachdem ihr Haustier gestorben sei. «In diesem Fall zählt jede Stunde, da die Zellen sehr schnell schlecht werden.»

Inzwischen hat sich die Aufregung um Deutschlands ersten Klon-Hund gelegt. Wegen des Trubels will die Familie lieber anonym bleiben. Seit April dieses Jahres lebt der neue Marlon in Mittelsachsen. «Er hat sich sehr gut eingelebt», berichtet Sven J. Er selbst wäre schon zufrieden, wenn der Hund «50 oder 60 Prozent des alten Marlon» hätte: «Er hat aber 100 Prozent. Wir hätten nicht für möglich gehalten, dass sein Verhalten und sein Charakter identisch sein könnten.» Nur die Farbgebung sei an einer Stelle anders. Der Klon hat einen braunen Fleck über einem Auge, das Original trug ihn auf dem Kopf. 

Sven J. beschreibt den neuen Marlon als so anhänglich, wie es der alte nach seiner Leidensgeschichte als Hundebaby auch war. «Wir können uns kaum mal drehen, da ist er schon wieder an unserer Seite.»

Botschafter auch für Schweizer Interessenten

Inzwischen ist Familie J. offizieller Partner von Sooam und damit Bindeglied zu Menschen im deutschsprachigen Raum, die ihr Tier gleichfalls kopieren lassen wollen. «Wir machen das unentgeltlich und möchten nur Leuten helfen, die in die gleiche Situation geraten wie wir. Das Problem ist ja, dass man nicht viel Zeit für die Entscheidung hat», sagt Simone J. Wenn Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Sooam nachfragen, bekommen sie dort den Kontakt zu Familie J., um Einzelheiten nachzufragen.

Seit Gründung der Firma im Jahr 2006 bis heute wurden laut Sooam 1435 Hunde von dem Unternehmen erfolgreich geklont. Die Zahl der Kunden, die sich für das Klonen ihres Haustiers entscheiden, ist stabil. Doch die Anfragen seien etwas zurückgegangen. «Der wichtigste Grund dafür ist, dass neue Unternehmen in den USA und China in den Markt eingetreten sind», sagt die Sprecherin. 

Inzwischen gibt es einen zweiten Klon-Hund in Deutschland. Sein Wohnort bleibt genau wie der von Marlon geheim, um Aufregung zu vermeiden. Ab kommender Woche will Familie J. eine Website zu dem Thema schalten. Die Adresse lautet www.tierklonhilfe.de.

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