Donnerstag, 1. Dezember 2022
20.09.2022 11:23
Raubtiere

Gebirgskantone wollen maximal 17 Wolfsrudel

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu/sda

Mehr Geld vom Bund für den Herdenschutz sowie eine Begrenzung der Schweizer Wolfspopulation auf 17 Rudel: Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone hat am Dienstag ein Umdenken im Umgang mit dem Wolf gefordert.

Aktuell leben in der Schweiz laut Kora, der Stiftung für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, 19 Wolfsrudel. Insgesamt streiften 180 Wölfe durchs Land.

1000 Schafe und Rinder gerissen

Die Gebirgskantone befürchten, dass der Bestand weiterhin «exponentiell» zunimmt. In den letzten drei Jahren habe er sich bereits verdoppelt, hiess es in der Mitteilung. In den Kantonen Wallis, Graubünden, Glarus, Tessin und Uri seien 2022 insgesamt schon 1000 Schafe und Rinder gerissen worden. Die Kantone fordern, dass Rahmenbedingungen für die Rückkehr des Wolfs geschaffen werden, die zu einer tragfähigen Koexistenz zwischen Wolf, Mensch und Nutztieren im Alpenraum führen.

Analog der Steinwildpopulation solle der Wolfsbestand deshalb «aktiv reguliert» werden, wie aus der Mitteilung der Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) hervorgeht. Die Kantone beziehen sich auf zwei Studien der Beratungsunternehmung für die Alpwirtschaft Büro Alpe und das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU).

Abschlusspläne pro Kanton

Die Studie des IWJ schlägt die RKGK vor, dass die Zahl der Wölfe oder Wolfsrudel wie beim Steinbock überwacht und aktiv gesteuert wird. Als Grundlage dafür sollen die Wolfsbestände in der Schweiz systematisch erfasst werden und Bestandsentwicklungen modelliert werden.

Basierend auf diesen Daten soll der Bund Abschusspläne pro Kanton erlassen. «Dies um Konflikte mit dem Menschen und dessen Nutztieren zu reduzieren und die Wolfsbestände in einer Grössenordnung zu halten, die das Überleben des Wolfes gewährleistet und für die betroffene Bevölkerung akzeptabel ist», heisst es in der Mitteilung weiter. Bei der Überwachung und dem Management soll der Bund die Kantone unterstützen.

Als Zielgrösse formulierten die Gebirgskantone 17 Rudel. Es sei die aus früheren Studien hervorgegangene Mindestgrösse der Wolfspopulation, um die Arterhaltung des Wolfs in den Alpen zu gewährleisten, hiess es in der Mitteilung. Weil diese Studien auf alten Daten beruhen, betrachtet die RKGK diesen Bestand derzeit lediglich als Richtschnur. «Sie sollte nicht angehoben werden, so lange nicht neuere, wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen», heisst es in der Mitteilung.

«Aufwendig, aber zielführend»

Die Studie der Beratungsunternehmung für die Alpwirtschaft Büro Alpe hat eine Studie zum Herdenschutz verfasst. «Ein nachhaltiger Herdenschutz auf Alpbetrieben bedarf klarer Richtlinien dazu, welche Flächen und Alpweiden mit zumutbarem Aufwand geschützt werden können», schreibt das Büro Alpe in seiner Studie.

Um die Alpwirtschaften besser zu schützen, verlangen die Bergkantone zudem mehr Geld vom Bund für den «personell und finanziell» aufwendigen Herdenschutz. Zudem sollen die Schutzkonzepte konkret auf die einzelnen Alpbetriebe abgestimmt sein. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für das Alppersonal verbessert werden und die Aufwände für den Herdenschutz sollen in einem ausgebauten Beitragssystem berücksichtigt werden. Das sei zwar «administrativ aufwendig, aber zielführend». 

Aufgrund der hohen Kosten soll der Bund unterstützend mitwirken. «Wobei dies nicht zulasten des Agrarbudgets gehen darf», halten die Gebirgskantone fest.

RKGK

Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) ist im Jahre 1981 gegründet worden. Heute gehören ihr die Regierungen der Kantone Uri, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Appenzell Innerrhoden, Graubünden, Tessin und Wallis an. Anfänglich beschränkte sich der Zweck der RKGK auf die Koordination von Fragen im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung. Inzwischen ist der Zweck der RKGK ausgeweitet worden. Heute strebt sie die gemeinsame Vertretung aller gebirgsspezifischer Anliegen und Interessen im In- und Ausland an. Hierzu gehören insbesondere die Themen Raumordnung/Tourismus, Energie, Finanzen, Verkehr und Aussenpolitik.

Die Fläche der acht in der RKGK zusammengeschlossenen Kantone entspricht einem Anteil von 43,3% an der Gesamtfläche der Schweiz. In den RKGK-Kantonen leben rund 1,1 Million Personen oder 13% der Schweizer Bevölkerung.

Mehr zum Thema
Tiere

pixabay Durch die Unterscheidung der Zelltypen in der Milch können laut Genetics GmbH Infektionen rund 20% häufiger identifiziert werden. Die neue DSCC-Analysetechnik (Differenzial Somatic Cell Count) bestimmt die Zelltypen Makrophagen…

Tiere

Frank Rindlisbacher (l.) und J.W. Tolkamp präsentieren derzeit an der Agrama die Kuhtoilette.Leonie Hart Die Rindlisbacher AG mit Sitz in Obergerlafingen SO stellt auf der diesjährigen Agrama die sogenannte «Kuhtoilette»…

Tiere

Kanton Freiburg In der öffentlichen Debatte wird häufig ein negativer Zusammenhang zwischen der Betriebs- respektive Herdengrösse und dem Tierwohl vermutet. Das ergab zuletzt laut dem «Elite-Magazin» online eine Umfrage der…

Tiere

Eine Galtkuhration enthält ausreichend Energie, Protein und Faserkomponenten. So werden Pansengesundheit und die Pansenzotten bestmöglich erhalten. Multiforsa Die Galtphasenfütterung ist die Königsdisziplin. Bei den Galtkühen werden die Weichen für den…

2 Responses

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE