Montag, 28. November 2022
14.10.2012 07:49
Wildtiere

Hirschhaltung boomt – Diese bleibt aber eine Nische

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Von: Jonas Ingold, lid

Letztes Jahr wurden in der Schweiz doppelt so viele Hirsche gehalten wie noch vor zehn Jahren. Die Haltung der Wildtiere boomt, ist aber nach wie vor eine Nischen-produktion.

Mehr als 11’000 Dam-, Rot- und Sikahirsche wurden 2011 in Schweizer Gehegen gehalten. Das ist im Zehnjahresvergleich beinahe eine Verdoppelung. Trotzdem ist die Hirschhaltung nur für wenige Landwirte ein Haupterwerb. Meist ist sie nur einer von mehreren Betriebszweigen, vor allem bei Bauern, die eine neue Verdienstmöglichkeit suchen, und für manche Halter auch nicht mehr als ein Hobby.

Die Hirschhaltung ist nach wie vor eine Nische, was auch ein Vergleich mit anderen Nutztieren zeigt: In der Schweiz wurden 2011 mehr als 1,5 Millionen Schweine, 1,7 Millionen Stück Rindvieh, 424’000 Schafe und 83’000 Ziegen gehalten. Die Anzahl Hirsche nimmt sich da bescheiden aus.

Hirsch bleibt Wildtier

Als landwirtschaftliches Nutztier anerkannt wurde der Hirsch bereits 1993. Im Gegensatz zu anderen Nutztieren gilt er aber als Wildtier, was administrative Hürden mit sich bringt und eine besondere Wildtierhaltungsbewilligung zur Bedingung für jeden Züchter macht.

Um diese zu erhalten, muss jeder Interessierte einen Kurs belegen und einen Sachkundenachweis erlangen. Zudem werden das Gehege und der Stall von einem Wildhüter inspiziert, bevor die Bewilligung für eine Anzahl Hirsche erteilt wird.

Wenig Arbeit, hohe Investition

Die Hirschhaltung ist nicht allzu arbeitsintensiv. Eine Ausnahme davon bildet die Setzzeit, in der die Hirschkälber möglichst schnell markiert werden müssen, weil die Tiere auch in Gefangenschaft ihre Scheu nicht ablegen und schon nach ein paar Tagen nicht mehr erwischt werden können. Jeder Hirschjahrgang wird mit einer bestimmten Farbe markiert, damit das Alter der Tiere leicht erkannt werden kann. Mit 15 bis 16 Monaten werden die schlachtreifen Tiere geschossen.

Auch wenn die Haltung selbst nicht besonders zeitintensiv ist, erfordert sie zu Beginn einige Investitionen in die Infrastruktur. So ist neben dem Erhalt der Bewilligung die Errichtung eines zwei Meter hohen Zaunes Voraussetzung. Sonst wären die Fluchttiere schnell ausgerissen. Der fest installierte Zaun kostet schnell ein paar zehntausend Franken.

Absatzkanal selbst suchen

Zudem muss der Züchter die Tiere meist selbst vermarkten. Teils über Verkauf vom Hof, durch Lieferung an lokale Metzgereien oder direkt an die Gastronomie. Um in den Detailhandel zu gelangen, ist Schweizer Hirschfleisch im Vergleich zu Importware zu teuer.

Nach wie vor wird denn auch der überwiegende Teil des in der Schweiz konsumierten Wildfleisches importiert. Das Hirschfleisch kommt meist aus dem fernen Neuseeland.

Drei Hirschgattungen werden gehalten

Die grosse Mehrheit der in der Schweiz gehaltenen Hirsche sind Damhirsche. Gehalten werden auch Rothirsche, diese kommen im Gegensatz zum Damhirsch in der Schweiz auch freilebend vor. Ebenfalls in Schweizer Gehegen anzutreffen sind Sikahirsche. Diese ursprünglich in Asien vorkommende Gattung hat sich mittlerweile weltweit ausgedehnt und kommt auch an einzelnen Orten in der Schweiz vor.

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