Freitag, 22. Januar 2021
11.09.2012 10:18
Natur

Liste der 100 am stärksten bedrohten Arten veröffentlicht

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Von: sda/dapd

Die hundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten der Erde haben Forscher jetzt erstmals auf einer Liste zusammengefasst. Auf ihr stehen so bekannte Tiere wie das Java- und das Sumatra-Nashorn, aber auch Pflanzen, von denen nur noch eine Handvoll Exemplare existiert.

Dazu gehören etwa die chinesische Baishan-Tanne oder ein nur in  Grossbritannien vorkommender Baumpilz. Von vielen dieser Arten ist  nicht einmal bekannt, wie viele Exemplare noch existieren, wie die  Forscher der International Union for the Conservation of Nature  (IUCN) in ihrem jetzt veröffentlichten Bericht erklären.

«Alle hier gelisteten Arten sind einzigartig und unersetzlich,  wenn sie verschwinden, kann kein Geld der Welt sie zurückholen»,  erklärt Co-Autorin Ellen Butcher von der Zoological Society of  London (ZSL). Die IUCN gibt auch jährlich die Rote Liste gefährdeter  Arten heraus.

Noch bestehe die Chance, die bedrohten Arten zu retten – wenn man  sofort handele, betonen die Forscher. Erfolgsgeschichten wie das  Przewalski-Pferd oder der Buckelwal zeigten, dass gezielte  Massnahmen Arten vor dem fast schon sicheren Aussterben retten  können. Das aber erfordere ein Umdenken. Die Gesellschaft müsse  begreifen, dass auch vermeintlich nutzlose Arten ein Existenzrecht  besässen.

«Die Spendergemeinschaft und der Artenschutz tendieren immer mehr  zu einer ’Was kann die Natur für uns tun’-Haltung», sagt Jonathan  Baillie, Direktor für Artenschutz bei der ZSL. Arten und Lebensräume  würden immer stärker danach bewertet, welchen Nutzen sie für den  Menschen hätten. Das mache es immer schwerer, die am stärksten  bedrohten und oft vermeintlich nutzlosen Arten zu schützen.

Vom Zwergfaultier bis zum Riffbarsch

Zusammengestellt wurde die Liste der 100 am meisten bedrohten  Pflanzen, Tiere und Pilzarten von mehr als 8000 Wissenschaftlern der  IUCN. Auf ihr stehen Arten aus 48 Ländern. Zu den Säugetieren in der  Liste gehören das Zwergfaultier Bradypus pygmaeus, das nur noch auf  einer kleinen Insel vor der Küste von Panama vorkommt, der in China  lebende Hainan-Gibbon (Nomascus hainanus), von dem nur noch weniger  als 20 Exemplare existieren, oder die als asiatisches Einhorn  bekannte Saola-Antilope (Pseudoryx nghetinhensis).

Neben vielen Fröschen und Kröten finden sich auch Reptilien,  Fische und Vögel auf der Liste, wie die Indische Riesentrappe  (Ardeotis nigriceps).

Zerstörte Lebensräume und Klimawandel

Nahezu alle auf der Liste stehenden Arten seien durch den  Menschen in Gefahr geraten, berichten die Forscher. Meist wurde ihr  Lebensraum zerstört, indem beispielsweise der Wald gerodet, ein  Fluss aufgestaut oder Feuchtgebiete trockengelegt wurden.

Einige Arten werden jedoch auch bereits als Opfer des  Klimawandels gelistet, wie der Galapagos-Riffbarsch, von dem nicht  bekannt ist, ob es überhaupt noch lebende Exemplare gibt. Auch für  die nur auf einer Insel der Seychellen vorkommende Schneckenart  Moominia willii geben die Wissenschaftler als Hauptbedrohung den  Klimawandel und die Verdrängung durch invasive Arten an.

«Diese 100 Arten sprechen für sich: Sie sind schön, faszinierend,  einzigartig und ungewöhnlich», kommentiert John G. Robinson von der  Science Wildlife Conservation Society die jetzt veröffentlichte  Liste. Jede dieser Arten sei Ausdruck der Vielfalt der Natur und  repräsentiere eine evolutionäre Lösung für ganz spezielle  Umweltbedingungen. «Wir schulden es uns selbst und ihnen, auf diesem  Planeten Raum für sie alle zu finden», sagt Robinson.

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