Donnerstag, 28. Januar 2021
04.11.2012 10:31
USA

Megasturm «Sandy» wirbelte auch Vogelwelt durcheinander

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Von: sda/Reuters

Sie sind unter den ersten, die sich nach dem Megasturm «Sandy» wieder ins Freie trauen. Im verwüsteten Manhattan bauen sie ihre Stative auf und mustern eingehend die Ufer des Hudson oder die Bäume und Wiesen der umliegenden Parks: Vogelbeobachter.

«Sandy» – eine Mischung aus Tropensturm aus dem Süden und Winterwinden aus dem Norden – wirbelte auch die Vogelwelt auf dem Ozean durcheinander. Über Tausende von Kilometern wurden manche Vögel vom Sturm verweht, in Gefilde, wo sie zuvor nie gesehen worden waren.

Völlig erschöpft wurden viele Gefiederte in der US-Metropole an Land geblasen. Und deshalb liest sich die Liste der inmitten von New York beobachteten Vögel wie ein Who-is-Who der offenen Weltmeere. Gesichtet wurden etwa ein Wellenläufer und die nur starengrosse Sturmschwalbe.

Arten, die man sonst nie zusammen sieht

Dieser Vogel lebt gewöhnlich auf hoher See und geht nur zum Brüten an entlegenen Felsatollen an Land. Er gehört zu den grössten Raritäten, von denen Ornithologe Andrew Farnsworth von der Cornell Universität berichtet. «Der Sturm hat Arten zusammengewirbelt, die man niemals sonst zusammen sehen kann», sagt er.

Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen der Beobachter wurde ein sonst in der Karibik heimischer Rotschnabel-Tropikvogel gesichtet.  Der schneeweisse Vogel wurde nach seinem wahrscheinlich viele Tausende Kilometer langen Irrflug erschöpft in New Jersey aufgegriffen und in ein Tierhospital gebracht.

Unweit davon hatte sich eine Art aus der komplett entgegengesetzten Richtung verflogen: Eine arktische Rosenmöwe begeisterte die Birdwatcher-Gemeinde bei Ithaca im Bundesstaat New York. «Derselbe Sturm, der den arktischen Vogel hergebracht hat, wehte uns auch den Vogel aus der Karibik heran», staunt Ornithologe Farnsworth.

Unzählige verenden unbemerkt

Was die Vogelbegeisterten freut, ist nur eine Seite der Medaille oder auch die Spitze des Eisbergs: Denn auf jeden gesichteten seltenen Vogel nach einem Sturm kommen ungezählte, die ums Leben kommen und unbemerkt im Meer versinken.

In der Geschichte der Ornithologie sind zahlreiche solcher Massensterben bei Unwettern dokumentiert. Das bekannteste dürfte der Tod von nicht weniger als 1,6 Millionen Spornammern sein. Die ziehenden Singvögel starben im März 1904 in einem Schneesturm in Minnesota und Iowa.

Überqueren Zugvögel ein Gebiet mit schlechter Sichtbarkeit, sei ihre natürliche Reaktion, zu landen. «Über dem Meer endet das oft tödlich», sagt Ian Newton, Ornithologe an der Universität Oxford, der Nachrichtenagentur Reuters. Der Forscher erwartet durch den Klimawandel eine weitere Zunahme heftiger Stürme, «mit häufigeren und dramatischeren Konsequenzen für ganze Vogelpopulationen».

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