Freitag, 20. Mai 2022
06.05.2022 17:00
Wolf

Sechs gerissene Tiere pro Wolf

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Von: blu/sda

Pro Wolf sind im vergangenen Jahr sechs Nutztiere gerissen worden. Gemäss der Gruppe Wolf Schweiz ist somit der Erfolg eines einzelnen Wolfes deutlich gesunken. Für die Organisation ist auch klar: Ohne starken Herdenschutz werden in der Schweiz keine Schafe mehr gesömmert werden können.

148 Wölfe rissen im letzten Jahr 853 Nutztiere. Um die Jahrtausendwende hätten sechs Wölfe noch zweihundert Tiere gerissen, teilte die Gruppe Wolf Schweiz am Freitag mit.

Rückgang von 80% pro Wolf

Dies obschon die Anzahl Nutztiere stabil geblieben sei. «Zwanzig Mal mehr Wölfe verursachen also lediglich viermal mehr Risse. Dies bedeutet einen Rückgang der Risse von rund 80% pro Wolf», schreibt die Organisation.

Die positive Bilanz führte die Gruppe auf den ausgebauten Herdenschutz zurück. In der Schweiz seien zuletzt 250 Herdenschutzhunde und dutzende Kilometer wolfsabweisende Zäune eingesetzt worden. «Diese Massnahmen zeigen offenkundig eine erhebliche Wirkung», heisst es weiter.

Der Rückgang bei den Rissen pro Wolf führt die Gruppe Wolf auf den verstärkten Herdenschutz zurück.
Gruppe Wolf Schweiz

Regulierung nur bei Massnahmen

Die Gruppe Wolf Schweiz bietet nach eigenen Angaben Hand für eine pragmatische Regulierung des Wolfes, wenn zuvor Herdenschutzmassnahmen getroffen wurden. Sie betonte, dass eine Regulierung keinen Herdenschutz darstelle.

Für die Gebirgskantone haben die Kosten der Herdenschutzmassnahmen eine volkswirtschaftliche Obergrenze. Wird diese überschritten, sollen solche Alpen als somit nicht zumutbar schützbar erklärt werden. «Grundsätzlich ist auf Rindviehalpen kein Herdenschutz möglich. Die einzig wirksame Massnahme bildet die spezielle Einzäunung bei Geburten (sogenannte Abkalbekoppel). Auch Rindviehalpen sind somit nicht zumutbar schützbar», so die Kantone.

«Versetzt Alpen den Todesstoss»

Die Gruppe Wolf Schweiz sieht das nicht so. «Schlüssel zur Vermeidung von Schäden ist und bleibt der Herdenschutz», heisst es in der Mitteilung. Mit der Einstufung als nicht schützbar könnten Kantone zwar mehr Abschüsse erwirken, da diese Risse für Abschussbewilligungen angerechnet werden können. «Letztlich versetzt diese Einstufung als nicht schützbar den betroffenen Alpen jedoch den Todesstoss, denn ohne Herdenschutz werden diese Alpen durch die steigenden Wolfsbestände einem Druck ausgesetzt, den sie langfristig nicht standhalten werden», warnt die Gruppe Wolf.

Eine Kleinviehsömmerung ohne gut ausgebauten Herdenschutz werde es nicht mehr geben. «Soll die Alpung von Schafen und Ziegen auch in Zukunft möglich sein, müssen die vielen wirtschaftlich heute nicht schützbaren Alpen künftig schützbar gemacht werde», schreibt die Gruppe. Nur so könnten die betroffenen Alpen erhalten werden. «Verstärkter Herdenschutz ist keine Übergangslösung, sondern die neue Realität», lautet das Fazit der Gruppe Wolf.

Offener Brief an Sommaruga

Der Verein Schweiz zum Schutz der ländlichen Lebensräumen vor Grossraubtieren berichtete am Freitag seinerseits, dass im diesem Jahr bereits im Kanton Tessin 50 Nutztiere und im Kanton Wallis 30 Tiere von Wölfen gerissen worden seien.

In einem offenen Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga bat der Verein, die Abschussbewilligungen für Wölfe «unbürokratisch» zu erteilen. Auch forderte der Verein den Bundesrat dazu auf, Wolfsrudel in der Nähe von Siedlungsgebieten «zielführend zu regulieren».

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7 Responses

  1. Recht durchsichtig die Statistik der Gruppe Wolf. Je mehr Wölfe desto weniger getötete Tiere pro Wolf. Mit dieser Meinung wollen sie eine Bestandesregulierung durch die Bejagung des Wolfes verhindern. Den immensen Aufwand für den Schutz der Herden, die Schäden durch Verluste an Zucht- und Jungtieren bleibt an den Besitzern hängen. Entschädigt werden nur noch vorhandene Risse. Folgeschäden durch Früh- und Totgeburten bei gehetzten und leicht verletzten Mutterschafen sind nicht gedeckt.

  2. Frau Gesine Otten sagt auf Wolfinfo Aktuell 85, ab Minute 5:10, dass die Agridea festgestellt hat, dass im Tessin auf mehr als 70% der „Almen“ die sogenannten „Herdenschutzmassnahmen“ nicht anwendbar sind!

  3. Bejagung hat einen deutlichen Anstieg der Risse zur Folge, das belegt die Praxis in Frankreich einrücklich. Will man seine Tiere schützen, ist der einzig gangbare Weg vernüfntiger und richtiger Herdenschutz. Dieser Mehraufwand wird auch vergütet.

  4. Lieber Angelo,
    Der Alpsommer steht vor der Türe, künde deine Arbeitsstelle und hilf mit auf den Alpweiden Herdenschutzzäune zu erstellen.

  5. Herr Steccanella
    Was für reine Art Schutz würden sie denn vorschlagen?
    Hütehunde sind schwierig weil die oft Wanderer erschrecken und das dann weitere Probleme nach sich zieht.
    Zäune ziehn auf der Alp ist nahezu unmöglich und vor Hirten schrecken die Wölfe schon lange nicht mehr zurück.
    Also was würden sie vorschlagen?
    Dem Wolf weiterhin alles durchgehn lassen und hoffen dass er eines Tages einem grünen Politiker das Filet raus beisst, damit endlich ein Umdenken statt findet, oder was?

    1. Wölfe gehen dem Menschen aus dem Weg die Zehnen im Film mit dem Wolf der den Menschen Jagen ist Total unwirklich dargestellt!

  6. Vielleicht ist es an der Zeit die nicht Jagenden Tieren dem Wald zu überlassen! Ich hab früher als Kind viel mehr Rehe gesehen als heute. Die Gier der Jagenden Menschen muss nach Wild…

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