Sonntag, 29. November 2020
09.07.2020 13:20
Graubünden

Wegen Wolf: Wanderwege gesperrt?

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In der Surselva gibt es mehrere Wolfsrudel. Weil Kühe auf die Raubtiere aggressiv reagieren könnten, ziehen einige Gemeinde in Betracht, Wanderwege zu sperren. So sollen Unfälle mit Mutterkühen unterbunden werden.

Im Bündner Oberland streifen mehrere Wölfe umher. Sie sorgen immer wieder für Unmut unter der Bevölkerung, insbesondere bei den Bauern. 

Bauern wandten sich an Bundespräsidentin

In den vergangenen Wochen haben Landwirte beobachtet, dass die Mutterkühe seit der Präsenz der Wölfe unruhiger sind. Die Tiere würden wegen das an den Tag gelegten Abwehrverhaltens aggressiver, warnen sie. Die Landwirte aus der Region haben sich in einem offenen Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gewandt. 

Mehrere Wochen später hat sie den Bauern in einem Schreiben geantwortet. Sie nehme die Sorgen der Landwirte sehr ernst. Sie hat das Schreiben der Landwirte an das Bundesamt für Umwelt (Bafu) weitergeleitet. «Das Bafu hat sich bei der Beratungsstelle für die Landwirtschaft (BUL) über die bestehenden Instrumente zur Lösung solcher Probleme erkundigt. Die Arbeitsgruppe «Rindvieh und Grossraubtiere» nimmt sich gezielt der Bündner Probleme an», versprach die Bundespräsidentin.

Gemeinde wollen keine Unfälle

Die Gemeinden in der Surselva wollen aber nicht so lange warten. Sie erwägen, einzelne Wander- und Bikewege zu sperren, berichtet Radio SRF. Die Behörden befürchten, dass durch Wölfe verunsicherte Kuhherden für die Menschen eine Gefahr darstellen könnten.

«Wir wollen einfach nicht, dass es zu Unfällen kommt», sagt Duri Blumenthal, Gemeindepräsident von Lumnezia, zu SRF. Sollten sich die Kühe aggressiv verhalten, würde die Gemeinde mit Warntafeln darauf aufmerksam machen. «Wir leisten aber nicht Polizeidienst», so Blumenthal.

Bisher wurden noch keine Wanderwege gesperrt. Doch nun sind auch Tourismusorganisationen besorgt. Sie hoffen, dass keine Sperrungen geben wird. «Wir wissen um die Wolfsproblematik. Das ist ein Problem für die Landwirtschaft und somit auch für den Tourismus», sagt Kevin Brunold von Surselva Tourismus zu SRF. 

Der Tourismus stehe hinter den Bauern. Dass wegen Sperrungen oder Warntafeln weniger Gäste anreisen, befürchtet Brunold aber nicht. 

Auffällig viele Risse

Mario Cavigelli sagte Anfang Juni zur Nachrichtenagentur sda, dass gezielte Wolfsübergriffe auf Rinder im Kanton nicht dokumentiert seien. Er betonte jedoch, in der Surselva sei es seit Frühling zu auffällig vielen Rissen auf Kleinvieh gekommen. 46 Schafrisse seien gezählt worden. 16 davon seien in geschützten Herden erfolgt.

Herdenschutzhunde können zwar das Kleinvieh bis zu einem gewissen Grad vor hungrigen Wölfen beschützen. Beim Rindvieh sind die Hunde wegen der schwierigen Integration in die Herde wenig wirkungsvoll, teilte der Kanton Graubünden Anfang Juni mit. Das Problem liegt im erhöhten Abwehrverhalten, wenn Rinder Wölfe wittern.

Für die Sicherheit des Alppersonals sowie von Wanderern gibt es Checklisten und Empfehlungen der nationalen Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Wegen der neuen Situation mit den Rindern bedürfen diese Grundlagen einer Aufarbeitung. Ein Projekt «Mutterkuh und Grossraubtiere» sei aufgegleist worden, hiess es. Die Arbeitsgruppe mit Vertretern aus unterschiedlichen Sektoren wie Landwirtschaft, Jagd, Umwelt und Viehhaltern nahm die Arbeit unlängst auf.

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