Montag, 6. Dezember 2021
26.10.2021 17:46
Wolf

Wegen Wolf: «Wie weiter mit Weidewirtschaft»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat den Verein zum Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren zu einem Gespräch über den künftigen Umgang mit dem Wolf im ländlichen Raum eingeladen. Der Verein hat dazu mehrere Fragen aufgelistet, die der Bund beantworten soll. Der Verein sieht die Alpwirtschaft ohne griffige Massnahmen in Gefahr.

Die Wolfspopulation in der Schweiz nimmt laufend zu. Der Bestand wird auf über 130 Tiere geschätzt. Mittlerweile haben sich 13 Rudel gebildet.

«Lage ist ausser Kontrolle»

Und die Wölfe sorgen für zahlreiche Konflikte mit Nutztierhaltern, denn die Raubtiere greifen immer mehr Schafe, Ziegen, Esel, Kälber und Rinder an. Gemäss jüngsten Recherchen von sind in diesem Alpsommer gesamthaft 625 Schafe, 36 Ziegen und 18 Kälber/Rinder getötet worden.

Die Nutztierhalter sind alarmiert. Sie fordern eine raschere Regulation von schadensstiftenden Wölfen. «Die Lage in den Kantonen Graubünden, Wallis oder Waadt geriet im vergangenen Weidesommer vollends ausser Kontrolle», schreibt der Verein zum Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren. Die Angriffe erfolgten mittlerweile  zu allen Tages- und Nachtzeiten, heisst es weiter. Die Folge seien davon seien unter anderem notfallmässige Abalpungen.

Rechtliche Möglichkeiten ausgeschöpft

Zwar gibt es nun zahlreiche parlamentarische Vorstösse, die eine rasche Anpassung des Jagdgesetzes fordern, unter anderem die Regulation des Wolfsbestandes. Doch die politischen Mühlen langsam. Für den Verein zu langsam. «Zeit, die die Weidetierhalter in den stark betroffenen Regionen nicht haben. Sie brauchen Perspektiven für den kommenden Sommer», warnt der Verein.

Deshalb gelangten Vertreter an Simonetta Sommaruga. Diese teilte mit, dass der rechtliche Handlungsspielraum weitgehend ausgeschöpft ist. Die Umweltministerin wird Vertreter des Vereins zu einem persönlichen Gespräch empfangen.

«Irreversible Folgen»

Im Vorfeld dieser Aussprache hat der Verein Schweiz für den Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren eine Liste mit dem aus seiner Sicht drängendsten Probleme zusammengestellt, die für den Fortbestand der Weidewirtschaft zentral sind.

Der Verein warnt, dass weitere Alpsommer ohne Massnahmen zu «irreversiblen» Folgen bei der flächendeckenden Bewirtschaftung, Offenhaltung und Pflege der Weidegebiete führen werden. «Ohne Möglichkeit und die Perspektive, die weiter massiv zunehmenden Wolfsangriffe im kommenden Sommer wirkungsvoll einzudämmen, werden die betroffenen Berggebiete in kurzer Zeit ausbluten», so die mahnenden Worte des Vereins.

Fragen an das Bundesamt für Umwelt (Bafu):

Sofortmassnahmen für Alpsommer

  • Koordination und generelle Organisation der kantonalen Dienststellen (Wildhut, Dienststelle für Landwirtschaft, Dienststelle für Jagd und Fischerei, Herdenschutz): Ist das BAFU mit der Arbeit der Kantone zufrieden?
  • Für die kommende Alpsaison müssen rasch Massnahmen zum besseren Schutz der Weidetiere ergriffen werden. Wird seitens BAFU an Vorschlägen gearbeitet? Gibt es eine Task-Force mit Vertretern aus den am stärksten betroffenen Kantonen Graubünden, Wallis und Waadt? Falls nicht, warum nicht?
  • Vermehrt werden Nutztiere in von Hirten bewachten Nutztierherden tagsüber in nächster Nähe von Alphütten gerissen. Der momentane Handlungsspielraum bei solchen Situationen ist nicht vorhanden. Unterstützt das BAFU die Forderung nach der in Frankreich seit Jahren praktizierten und umgesetzten «tir de défense»? Unterstützt das BAFU die Bewaffnung von Hirten?
  • Die Wolfspräsenz nimmt auch um und in den Siedlungsgebieten stetig zu. Analog wächst die Verunsicherung in der Bevölkerung. Unterstützt das BAFU deshalb die Forderung, dass im Siedlungsgebiet eine Nulltoleranz für Grossraubtiere gelten muss? Kann das BAFU die Sicherheit der Bevölkerung zu jedem Zeitpunkt gewährleisten?
  • Für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung braucht es praktische Erkenntnisse zur Auswirkung der präventiven Regulierung auf nicht schützbaren Weidegebieten. Das BAFU wäre in der Lage, solche Projekte zu initiieren. Plant das BAFU solche Projekte? Falls nicht, warum nicht?

Gesetzliche Rahmenbedingungen

  • Die Abschusskriterien in Gebieten mit umsetzbarem Herdenschutz sind definiert. Nach dem ersten Schaden ohne Massnahmen führen 25 Risse zum Abschuss. Bei Folgeschäden mit Schutzmassnahmen führen 10 Risse zum Abschluss. Gelten in nicht schützbaren Alpperimetern ebenfalls 10 Risse als Abschusskriterium?
  • Rund 60 % der Alpgebiete im Kanton Wallis beispielsweise gelten gemäss einer Studie als nicht oder sehr schwer schützbar. Wie will der Bund mittelfristig mit diesen Alpen umgehen? Hat das BAFU den Überblick, welche Gebiete der Schweiz als schützbar und welche als nicht schützbar gelten?
  • Das BAFU ist verpflichtet, gemäss den gesetzlichen Vorgaben Gesuche für die Regulierung vom Wölfen zu genehmigen. Innerhalb der Vorgaben besteht jedoch einen Ermessensspielraum. Wer entscheidet, wie dieser Spielraum genutzt wird? Müsste dieser Spielraum nicht zum Schutz der Weidetierhaltung genutzt werden, zumal der Wolf nicht mehr vom Aussterben bedroht ist? Wie lange dauert ein Verfahren für eine Abschussbewilligung?
  • Der Verein zum Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren zeigt in seinem Grossraubtierkonzept auf, wie die Koexistenz von Weidetierhaltung und Wölfen funktionieren kann. Das Konzept hat zusammenfassend das Ziel, Gebiete zu definieren, in welchen Wölfe oder Rudel geduldet sind und in welchen unerwünscht. Hat das BAFU Überlegungen in diese Richtung gemacht? Falls nicht, warum?
  • Ist das BAFU bereit konstruktiv an der Forderung nach einer schlanken und raschen Anpassung des Jagdgesetzes im Bereich der präventiven Bestandesregulierung von Wölfen mitzuwirken?

Weitere offene Punkte

  • Ist sich das BAFU bewusst, dass die Verfassung den Schutz des Eigentums garantiert, mit der aktuellen Grossraubtierpolitik jedoch eine indirekte Enteignung der Alpeigentümer und die Entwertung der Weidegebiete stattfindet? Wer übernimmt für diese Entwicklung die Verantwortung?
  • Organisiert das BAFU eine europäische Konferenz zur Klärung der Hybriden-Frage?
  • Erneuert der Bundesrat den Antrag aus dem Jahr 2018 an die Ständige Kommission der Berner Konvention, den Schutzstatus des Wolfes im Vertrag von streng geschützt auf geschützt zu ändern? Falls nicht, warum?
Mehr zum Thema
Tiere

Ziegen die vor dem 1. Januar 2020 geboren wurden, müssen nicht mehr nachmarkiert werden. - Rahel BergerBeim Nachmarkieren von ausgewachsenen Ziegen kommt es nämlich häufig zu Entzündungen im Bereich der…

Tiere

Der Branchenverband Meat & Livestock Australia (MLA) geht in seiner aktuellen Prognose davon aus, dass zum Zähltermin am 30. Juni 2021 rund 70,60 Millionen Schafe gehalten wurden. - zvg In Australien ist nach langen Dürrephasen…

Tiere

Ein Umdenken und rasches Handeln im Umgang mit Grossraubtieren sei zwingend nötig, fordern die Verbände. - Andreas Schmid Der Schweizerische Schafzuchtverband (SSZV) und der Schweizerische Ziegenzuchtverband (SZZV) schlagen Alarm. Wegen…

Tiere

Warum der Zwergziegenbock derart misshandelt und dort deponiert wurde, ist Gegenstand laufender Untersuchungen. - Karina Cubillo Ein Spaziergänger hat am Samstag in einem Wald in Hochfelden ZH eine enthauptete Zwergziege…

16 Responses

  1. Simonettochen wirds machen wie immer: Sie „nimmt die Gefühle sehr ernst“ – und das wars denn dann auch!! Die Älpler werden so doch verarscht nach Strich und Faden. Simonettchen nimmt nur Druck aus dem Kessel – und macht einfach weiter. Wie üblich in der Politik, weil sich die Volksvertreter im Rausch ihrer Macht (man schwurbelt von Veranwortungsbewusstsein, oder Handlungskompetenz oder juristische Vorgaben oder blabla) nur noch an ihrer Ideoligie orientieren

  2. Die Nutztiere werden in der Schweiz zum Verzehr gezüchtet und gehalten: Nutztier-Schlachtungen Wolf 679 : Schlachtungen Mensch 76’000’000 (geschlachtete Wildtiere „zur Regulation“ und importierte Tierkadaver nicht eingerechnet). Darum erschliesst mir die Aussage „Schutz der Weidetiere“ nicht ganz. Sind es vorallem finanzielle Interessen, Empathie mit den Nutztieren kann es ja nicht sein, die uns unsere Nutztiere vor dem Wolf schützen wollen. Kann mir dies mal sachlich jemand erklären?

  3. @Ayax Was ist schlecht an finanziellen Interessen?
    Die Besitzer der Alpen nutzen ihren Besitz um einen Ertrag zu erwirtschaften und Kosten zu decken. Ayax arbeitet um seine Kosten zu decken.

  4. @Ayax das ist ganz einfach: Die Mehrheit der Bevölkerung will nun mal Fleisch essen und das muss irgendwo produziert werden. Was findest du nun besser Fleisch aus ganzjähriger Stallhaltung oder Fleisch von Tieren die ihr Futter zum Teil selber auf der Weide geholt haben? Oder kannst du es etwa nicht akzeptieren das nicht alle Leute Vegetarier sind und du ihnen nicht eine Fleischlose Ernährung aufzwingen kannst?

  5. 150 wölfe heute, er verdoppelt sich in 3jahren, 280 tausend pro jahr kostet ein wolf den Steuerzahler. 800 kg fleisch frisst einer pro jahr, mensch 47 kg . Nutztiere sind Vegetarier, Landwirtschaft ernährt 50% der schweizer machen die grossten biodiwärsität und okoflächen sowie stromproduzenten. Euch ist der wolf mehr wert als die Landwirtschaft mit ihren Nutztiere, so was nennt man wohlstandskranke.

  6. Man sollte mehr Bilder von gerissenen und verletzten Tieren durch den Wolf in den allen Zeitungen abbilden ( nicht nur in Bauernzeitungen ) .

  7. Bergbauern und Bauern welche ihre Schafe auf eine Alp bringen weden mit etwa 14,3 Mio subventioniert. Ohne diese Gelder wäre rentable Schafhaltung unmöglich. Jedes Jahr sterben in den Bergen etwa 4200 Schafe ohne Wolfseinwirkung (Abstürze, Krankheiten oder im Herbst vergessen etc) Diese Tatsachen alleine geben dem Wolf, der sehr viel Positives bringt seine Berechtigung. Er gehört in unsere Natur

  8. Dolder : im öffentlichen raum und sobald sie unterwegs sind befinden sie sich im subventionierten System. Ihr Aufenthalt unterwegs benützen sie immer subventionierten Gebieten. Also ist die schafhaltung ein klags gegenüber ihrem subventions gebrauch . Jeden tag sterben 195 menschen in der schweiz also warum sollen den Nutztiere nicht sterben . Aber ob man von einem raubtier zerrissen wird ist genau so tragisch wie sie von einem atemtäter oder mörder zerstückelt werden und landwirte ernähren sie

  9. Super und danke für die Erläuterungen zum brisanten Thema Wolf. Es stimmt, ich ernähre mich vor allem pflanzlich aber ich will keineswegs jemandem eine fleischlose Ernährung aufzwingen. Jeder soll sich so ernähren, wie es für ihn stimmt, mit allen positiven und negativen Folgen für ihn und seine Umgebung. Ich bin auf unserem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen und habe alle Aspekte der Nutztierhaltung mit erlebt.

  10. Eine Natur, in die der Wolf gehören würde, gibt es bei uns gar nicht mehr. Berechnungen, von Versicherungen, ( Quelle Axa ) , ergeben jährlich, über 50 Millionen Franken, Sachschäden, verursacht durch Wildtiere. Wer kann da in unserem dichten Strassen – und Schienennetz und den vielen Berg- und Passtrassen, und all den Bergbahnen im Alpenraum, noch von Natur reden? Den Wolf befürworten und auf diese Dinge nicht verzichten? Einen artgerechten Lebensraum , für den Wolf, nicht in der Schweiz.

  11. Nutztiere werden weltweit der menschlichen Ernährung, zugeführt, sei das durch Milch, Eier oder Fleischproduktion

    Jedes durch den Wolf gerissene Nutztier, ist eines zu viel.

    Subventionen werden in vilen anderen Bereichen ( Industrie, Bildung, Forschung und Entwicklung, in viel höheren Beträgen, als in der Landwirtschaft ausgerichtet. Nur spricht man dort, von Fördergeldern

    Jede Tierbewegung, auch Alpauffahrt und Abfahrt, sind durch das Veterinäramt, in der Tierverkehrsdadenbank registriert.

  12. @ Max Dolder: Was bringt uns denn der Wolf für einen Nutzen? Er hilft mit den Wildbestand zu dezimieren und das war es dann schon bald, kein vergleich zu dem was Nutztiere auf jenen Flächen produzieren welche durch den Wolf in Gefahr sind. Ist Dir bewusst das die Artenvielfalt stark abnimmt wen Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden, insbesonders jene im Berggebiet? Mit dem Schutz einer Art werden viele andere verdrängt und Du sagst er gehört zu unserer Natur?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE