Samstag, 28. November 2020
24.07.2020 09:50
Graubünden

Weiteres Wolfsrudel in Graubünden

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Von: blu

Im Kanton Graubünden hat sich ein weiteres Wolfsrudel gebildet. Das Revier umfasst das Gebiet rund um Sedrun. Das neue Rudel erhielt die Bezeichnung Stagias-Rudel. Das ist das sechste Wolfsrudel im Kanton.

Die grosse Wolfspräsenz rund um Sedrun und Disentis deutete schon länger darauf hin, dass sich in dieser Region ein weiteres Wolfsrudel bilden wird, heisst es in der Mitteilung des Kantons.

4 Rudel auf der Surselva

In der Nähe von Sedrun wurde drei Jungtiere beobachtet. Das Revier des neuen Rudels umfasst das Gebiet Sursassiala. Es erstreckt sich über die Gemeindegebiete Tujetsch, Disentis/Muster und Medel (Lucmagn).

Mit dem neuen Rudel sind nun zusammen mit dem Morobbia-Rudel an der Kantonsgrenze zum Tessin sechs Rudel bestätigt, welche ihre Streifgebiete im Kanton Graubünden haben. Vier der Rudel haben sich auf der Surselva niedergelassen.

Auch andere Rudel mit Nachwuchs

Auch andere Rudel in Graubünden haben Nachwuchs. Am Heinzenberg, rund um den Glaspass konnten sowohl Schafhirtinnen als auch die Wildhut des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden mehrere Male Rufe von Wolfswelpen hören. Wie viele Jungtiere das Beverin-Rudel (Surselva) hat, ist noch unklar.

Beim Ringelspitz-Rudel bei Ilanz (Surselva) konnte die Wildhut zwei erwachsene Wölfe mit fünf Jungwölfen beobachten. Es lasse sich aber nicht ausschliessen, dass mehr als fünf Welpen zum Rudel gehörten, heisst es weiter. 

40 Wölfe in Graubünden

Auch bei Obersaxen (Surselva) gibt es Hinweise, dass das Valgronda-Rudel erneut Nachwuchs erhalten hat. Ein Nachweis der Anzahl Welpen fehlt. Keine Informationen gibt es über die Situation beim Calanda-Rudel. «Es ist nach wie vor nicht klar, ob neue Leittiere das Rudel übernommen haben und ob diese Nachwuchs produziert haben», schreibt der Kanton. 

Ebenfalls ist noch nicht bekannt, ob es in weiteren Regionen des Kantons Graubünden zu neuen Rudelbildungen mit Nachwuchs gekommen ist. Insgesamt leben im Kanton Graubünden 35 bis 40 Wölfe. 2019 kamen insgesamt 17 Jungwölfe zur Welt. Zudem gab es im vergangenen Jahr 711 Wolfsbeobachtungen.

Wölfe stärker spürbar

Der Bündner Jagdinspektor Adrian Arquint sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, es sei absehbar gewesen, dass die Wolfspopulation wachse. Die Wolfspräsenz sei dadurch noch stärker spürbar, was die Arbeit für alle Beteiligten nicht einfacher mache. Sorgen bereiten dem Jagdinspektor vor allem so genannte verhaltensauffällige Tiere. Das sind Wölfe, die Schutzvorrichtungen überspringen, sich häufig Siedlungen näheren und sich zu stark an den Menschen gewöhnen. Dadurch würden die Wölfe ihre natürliche Scheu verlieren.

Mit dem neuen Bündner Rudel sind schweizweit total neun Rudelbildungen gezählt worden. Zwei Rudel halten sich auf im Wallis, eines durchstreift den Waadtländer Jura. Vermutet wird, dass aktuell rund 80 Wölfe in der Schweiz leben.

Bauern wandten sich an Bundespräsidentin

In den vergangenen Wochen und Monaten haben Landwirte beobachtet, dass die Mutterkühe seit der Präsenz der Wölfe unruhiger sind. Die Tiere würden wegen das an den Tag gelegten Abwehrverhaltens aggressiver, warnen sie. Die Landwirte aus der Region haben sich in einem offenen Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gewandt. 

Mehrere Wochen später hat sie den Bauern in einem Schreiben geantwortet. Sie nehme die Sorgen der Landwirte sehr ernst. Sie hat das Schreiben der Landwirte an das Bundesamt für Umwelt (Bafu) weitergeleitet. «Das Bafu hat sich bei der Beratungsstelle für die Landwirtschaft (BUL) über die bestehenden Instrumente zur Lösung solcher Probleme erkundigt. Die Arbeitsgruppe «Rindvieh und Grossraubtiere» nimmt sich gezielt der Bündner Probleme an», versprach die Bundespräsidentin.

Gemeinde wollen keine Unfälle

Die Gemeinden in der Surselva wollen aber nicht so lange warten. Sie erwägen, einzelne Wander- und Bikewege zu sperren, berichtete Radio SRF Anfang Juli. Die Behörden befürchten, dass durch Wölfe verunsicherte Kuhherden für die Menschen eine Gefahr darstellen könnten. «Wir wollen einfach nicht, dass es zu Unfällen kommt», sagte Duri Blumenthal, Gemeindepräsident von Lumnezia, zu SRF. Sollten sich die Kühe aggressiv verhalten, würde die Gemeinde mit Warntafeln darauf aufmerksam machen. «Wir leisten aber nicht Polizeidienst», so Blumenthal.

Bisher wurden noch keine Wanderwege gesperrt. Doch nun sind auch Tourismusorganisationen besorgt. Sie hoffen, dass keine Sperrungen geben wird. «Wir wissen um die Wolfsproblematik. Das ist ein Problem für die Landwirtschaft und somit auch für den Tourismus», sagte Kevin Brunold von Surselva Tourismus zu SRF.

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