Freitag, 3. Dezember 2021
13.09.2015 10:47
Bär und Wolf

«Wer sagt, Wölfe seien keine Gefahr für Kinder, lügt»

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Von: Lucas Huber

Eine Schweiz ohne Grossraubtiere, das ist das Ziel des gleichnamigen Vereins. Er will den Anliegen der Landwirtschaft auf nationaler Ebene zum Durchbruch verhelfen. Am Donnerstag wurde er gegründet.

Im Juni berichtete die «Südostschweiz», dass mit dem Weisstannental (St.Gallen) und dem Unterengadin erste Schafalpen wegen der Wölfe nicht mehr bestossen würden. In der Augstbodenregion und im Turtmanntal (Wallis) wurden die Schafe frühzeitig von der Alp genommen. «Und die Schutzmassnahmen wie Behirtung, Herdenschutzhunde und Elektrozäune versagen», erklärte Germano Mattei am Donnerstag an der Medienorientierung anlässlich der Gründung jenes Vereins, der sich dagegen zur Wehr setzen will.

«Betrifft ganze Schweiz»

Dieser Verein heisst «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere», und Mattei ist dessen Co-Präsident. Der Verein will den Anliegen von Landwirtschaft, Jagd und Tourismus mehr Beachtung verschaffen. «Das ist unser oberstes Ziel», so Georges Schnydrig, der andere Co-Präsident. Bär, Fuchs, Luchs und Goldschakal würden sich in der Schweiz immer weiter ausbreiten. Das sei kein Problem der Berg- und Randregionen: «Es betrifft die ganze Schweiz.» Mit der Gründung einher geht folgerichtig auch der Aufruf an die Bundesverwaltung, die vorhandenen Parlamentsbeschlüsse in die Tat umzusetzen.

Schnydrig fordert eine Änderung des Jagdgesetzes, eine ganzjährige Jagbarkeit der Grossraubtiere und den Austritt aus den Berner Konventionen. «Wir wollen der Bevölkerung aufzeigen, dass ein Zusammenleben von Zivilisation und Grossraubtieren nicht möglich ist», sagte er.

Schalenwild vertrieben

Mitglieder des Vereins sind kantonale und regionale Vereine zum Schutz vor Grossraubtieren aus Freiburg, Graubünden, St.Gallen, dem Tessin, der Waadt und dem Wallis. Im Wallis hätten sich innerhalb der vergangenen Wochen über 1500 Neumitglieder gefunden, «was beweist, dass der Handlungsbedarf in den betroffenen Regionen gross ist», erklärte Schnydrig, der auch Walliser Grossrat ist. Er schätzt die Schadensumme pro Wolf auf 250000 Franken.

Heute leben rund 30Wölfe in der Schweiz, bis in ein paar Jahren, rechnen die Initianten vor, werde der Bestand auf 300 Tiere steigen. Im bündnerischen Calandagebiet, wo sich der Wolf besonders wohlfühlt, sei der Bestand an Schalenwild massiv geschrumpft, rechnete Vorstandsmitglied Hermann Plump vor. «Entweder wurden sie gerissen, oder sie haben das Weite gesucht.» Für ihn ist klar: Die Präsenz der Wölfe verunsichert die Bevölkerung nicht nur; sie spaltet sie auch.

Gefahr für Kinder

Nicht zuletzt darum überraschen Schlachtrufe wie «Stopp dem Massaker» oder «Wir brauchen diese Schlächter nicht» kaum. Diesem Treiben, liest sich in der Medienmitteilung zur Vereinsgründung, müsse ein Ende gesetzt werden. Das sieht auch Professor Eirik Granqvist so. Der Finne, beschrieben als Experte für die Morphologie von Wölfen, ist überzeugt, dass dem Wolf in Mitteleuropa Einhalt zu bieten ist. «Weil es kaum richtige Wölfe sind», erklärte er gestern: «In Mitteleuropa gibt es fast keine Wölfe mehr, lediglich diese hässlichen Mischlinge.»

Granqvist meint damit Hybriden, Mischlinge aus Wolf und Hund, und die seien alles andere als schützenswert. Der ursprüngliche europäische Wolf, Canis lupus lupus, komme derweil kaum noch vor. Für ihn stellt der Wolf nicht nur eine Gefahr für die Schafherden auf den Alpen, sondern auch für die Menschen dar: «Wer sagt, Wölfe seien keine Gefahr für Kinder,  lügt.» Der Verein will nun die Kräfte der einzelnen kantonalen Vereine bündeln und auf nationaler Ebene für den Schutz der Grossraubtiere ankämpfen.

http://www.atsenzagp.ch

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