Sonntag, 29. Januar 2023
29.11.2022 16:14
Raubtiere

Wolf: Schutzstatus nicht zurückgestuft

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Von: blu

Der Wolf bleibt bei der Berner Konvention «streng geschützt». Der Antrag der Schweiz auf eine Herabstufung des Schutzstatus ist am Dienstag an der Jahrestagung des Übereinkommens in Strassburg (F) abgelehnt worden. Die Schweizer Naturschutzorganisationen begrüssen dies.

Aktuell leben in der Schweiz laut Kora, der Stiftung für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, 19 Wolfsrudel. Insgesamt streifen 180 bis 200 Wölfe durchs Land. Und die Population dürfte weiter zunehmen.

«Kein Grund, Status zu senken»

Die Schweiz wollte den Wolf von der Liste der «streng geschützten Tierarten» streichen und in die Liste der «geschützten Tierarten» aufnehmen. Von den 30 Stimmberechtigten des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention sprachen sich nur sechs für den Schweizer Antrag aus. Dies sagte Friedrich Wulf, Projektleiter «Internationale Biodiversitätspolitik» bei Pro Natura, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Wulf war bei der Jahrestagung in Strassburg anwesend.

Der nun in Strassburg vorgelegte Bericht habe Klarheit geschaffen und gezeigt, dass es keinen Grund gebe, den Schutzstatus der Art zu senken, stellt Pro Natura fest, die sich ebenso wie der WWF Schweiz, Bird Life Schweiz und die Gruppe Wolf Schweiz über den Entscheid freut.

Bafu beantragte Herabstufung

Bereits im März 2022 wollte Candinas vom Bundesrat wissen, was er unternimmt, um eine Rückstufung Schutzstatus des Wolfes von «streng geschützt» auf «geschützt» zu erreichen. Der Bundesrat antwortete damals, dass das zuständige Bundesamt für Umwelt (Bafu) sich für die Traktandierung des Antrags engagiere.

Am 26. September wollte Candinas in der Fragestunde wissen, wie weit das Bafu die Arbeiten vorwärts getrieben hat. «Wird die Rückstufung des Schutzstatus des Wolfes von ‘streng geschützt’ auf ‘geschützt’ an der nächsten Sitzung des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention vom November 2022 traktandiert?», lautete die Frage des Bündners.

Der Bundesrat beantwortete die Frage mit Ja: «Das Bafu hat sich dafür eingesetzt, dass dem Ständigen Ausschuss in seiner Sitzung vom 29. November bis 2. Dezember 2022 eine aktuelle Bewertung der IUCN-Experten zum Erhaltungszustand des Wolfs in Europa vorgelegt wird. Zudem wurde seitens Bafu beantragt, dass der Antrag der Schweiz zur Rückstufung des Schutzstatus des Wolfs an dieser Sitzung traktandiert wird.» Der Antrag der Schweiz wurde für die Novembersitzung 2022 traktandiert.

In den vergangenen Jahren hat sich die Schweiz bereits mehrere Male für eine Rückstufung eingesetzt, bisher erfolglos. 2018 verlangte die Schweiz eine Herabstufung. Die Bearbeitung war jedoch vertagt worden. Die Kommission wollte bessere Daten zu den Wolfspopulationen abwarten. Nun hat sie sich gegen Senkung des Schutzes ausgesprochen. Dies aufgrund eines Berichts.

Bestände in den Alpen potenziell gefährdet

Laut dem Gutachten gab es 2021 mindestens 153 Wölfe in der Schweiz. Die Wölfe auf dem europäischen Kontinent würden in drei Populationen unterteilt, erklärte Wulf. Demnach gelten zwei als «nicht gefährdet», sechs sind potenziell gefährdet und eine ist stark gefährdet. Die Wölfe in der Schweiz gehören zur zweiten Kategorie.

Eine Lockerung des europäischen Schutzstatus des Wolfes würde den Ergebnissen des ausführlichen Berichts widersprechen, der am Dienstag im Auftrag des Europarates vorgelegt wurde, so die Berner Konvention. Der Bericht stellt fest, dass die Bestände in den Alpen weiterhin potenziell gefährdet sind.

Wolf streng geschützt

In den meisten europäischen Ländern ist der Wolf zudem durch die «Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen, wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume» rechtlich geschützt. Er wird in Anhang II gelistet und zählt damit zu den «streng geschützten» Tierarten. Für dort gelistete Arten ist das Fangen, Halten und Töten sowie die Beschädigung oder Zerstörung von Brut- oder Raststätten zu verbieten

Das Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, die sogenannte Berner Konvention, wurde 1979 in der Bundeshauptstadt unterzeichnet und von 44 Ländern, darunter die Schweiz sowie der Europäischen Union ratifiziert.

Berner Konvention

Die Berner Konvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag des Europarates über den Schutz europäischer wildlebender Tiere und Pflanzen aus dem Jahr 1979. Ziel des Übereinkommens ist es, wildlebende Pflanzen und Tiere sowie ihre natürlichen Lebensräume, insbesondere die Arten und Lebensräume, deren Erhaltung die Zusammenarbeit mehrerer Staaten erfordert, zu erhalten und eine solche Zusammenarbeit zu fördern.

Das Übereinkommen enthält drei Anhänge in denen verschiedene Arten gelistet sind:

  • Anhang 1 enthält circa 700 streng geschützte Pflanzenarten. Diese dürfen nicht beschädigt oder entnommen werden.
  • Der Anhang 2 (-> Wolf derzeit) beinhaltet die streng geschützten Tierarten. Für die circa 710 dort gelisteten Arten gelten strenge Artenschutzvorschriften. Sie dürfen nicht gefangen, getötet, gestört oder gar gehandelt werden.
  • In Anhang 3 (-> Antrag der Schweiz) sind die geschützten Tierarten aufgelistet. Diese Arten sind schutzbedürftig, dürfen aber unter gewissen Umständen bejagt oder genutzt werden.
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4 Responses

  1. Tragisch dieser Entscheid. So urteilen nur Leute die , die Probleme nicht sehen( wollen!)
    Die Lage eskaliert zunehmends in den betroffenen Gebieten und dieUmweltverbände feiern diesen Entscheid ausgiebig.
    Irgendwann kehrt es wieder, hoffe dass bis dar nicht schon alles kaputt gemacht worden ist.

  2. Der wolf war nicht mehr wildlebend! Er wurde europaweit erfolgreich gezüchtet, in tiergehegen und tierparks gehalten und dann legal öffentlich und illegal unentdeckt in ausgesuchten Territorien freigelassen! Die Bedeutung wildlebend heißt aber ohne menschlichen Einfluss die Entwicklungen der fauna und flora beobachten!

  3. Nein nein, über 1’000 tote Tiere in diesem Jahr sind auf der kleinen Fläche der Schweiz (Konzentration der Schäden vorwiegend auf den Alpenraum) absolut kein gewichtiger Grund, den Schutzstatus zu ändern… Ironie aus!
    Solche Aussagen sind extrem realitätsfern, wenn man sieht, wie die betroffenen Tiere und Tierhalter unter den laufend zunehmenden Rissen leiden!!! Ich schreibe aus Eigenerfahrung.

  4. 30 lüt tüend das entschaida,??? lächerlich.
    De wolf hett bis jetzt nur schäda agrichtet und das überall , nit nur id ch.raubtiere hend do nüt suacha.mier müend umbedingt reagiera bevor es schpot isch
    Bis amol öppis passiert de gsehmer ob dia 30 lüt vo de Berner konvention au verantwortig übernehmet

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