9.12.2013 11:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fische
Wässrige Tierschutzregeln für Fische
An einer Tagung stellte der Schweizer Tierschutz seine Analyse der Fischhaltung in Aquakulturen vor. Er ortet Handlungsbedarf bei den Vorschriften und wünscht sich eine Bewilligungspflicht für Haltungssysteme.

Herr und Frau Schweizer essen gerne Fisch. Da die Weltmeere immer weniger davon hergeben, stammt dieser zunehmend aus Aquakulturen. Laut Schätzungen der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) werden mittlerweile jährlich 64 Mio. Tonnen Speisefisch in Fischfarmen produziert. Aus Wildfang stammen dem gegenüber 90 Mio. Tonnen.

Aquakulturen gibt es auch hierzulande immer häufiger. Die Fischhaltung in Aussen- oder Innenanlagen, in Teichen, Kreislaufsystemen oder Becken ist auch für die Landwirtschaft interessant. Doch hat der Fisch beim Bauern eigentlich nichts zu suchen, denn noch immer gelten Fische als Wildtiere. Sie können gewerblich nur mit einer Bewilligung  und nur in der Gewerbezone gehalten werden.

Je nach Fischart

Derzeit laufen Bestrebungen, das zu ändern und dem Fisch den Status eines Nutztieres zu verleihen. «Dann aber müssen auch endlich die Haltungsanforderungen für Speisefische klar definiert werden», findet Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz STS. Der STS hat letztes Jahr im Auftrag von Coop eine Tierschutzanalyse und eine Literaturstudie zum Thema Tierwohl in Nutzfischzuchten durchgeführt.

Die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen aus Sicht des STS hat Wehrli Ende November vorgestellt: «Es hat sich gezeigt, dass die Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung je nach Fischart sehr unterschiedlich sind.» Zwar sei die Domestikation etwa beim Tilapia, der Regenbogenforelle, dem Lachs oder dem Karpfen fortgeschritten, sodass sich all diese Arten an ein Leben in Anlagen anpassen konnten.

Grundsätzlich, beteuert Wehrli, habe der STS nichts gegen den Konsum und die kommerzielle Haltung von Fischen – falls die Bedingungen geregelt würden. Und hier liege der Knackpunkt: «Die gesetzlichen Standards für die Nutzfischhaltung sind in der Schweiz völlig ungenügend.»

Zwei Forderungen

Wehrli vermutet, dass die Behörden vom Boom der Fischhaltung überrumpelt wurden und es verpasst haben, rechtzeitig zu reagieren. «Dabei gibt es bei der Fischhaltung verschiedene Bereiche, die dringend geregelt werden müssten.» So etwa die Haltungsbedingungen, die Haltungsdichten und die Fütterung. Minimale Haltungs- und Managementvorschriften gebe es derzeit nur für die kommerzielle Produktion von Forellen und Karpfen.

Diese beschränkten sich auf einige Parameter zur Wasserqualität. «Sie geben keine Auskunft über eine tiergerechte Grösse und die Gestaltung der Haltungseinrichtung», bemängelt sie, «folglich gibt es auch keine standardisierten und erprobten Haltungssysteme, die bei der Bewilligung neuer Anlagen vorgeschrieben werden könnten.»

Der STS hat deshalb zwei Hauptforderungen aufgestellt:

 

  • Der Bund muss seinen Kompetenzzentren vorschreiben, dass sie Fischhaltungssysteme auf Tierwohl  und Praxistauglichkeit überprüfen müssen – oder er muss externe Stellen damit beauftragen.
  • Der Bund muss detaillierte, konkrete und artspezifische Haltungs- und Schutzvorschriften für sämtliche in der Schweiz gehaltenen Nutzfischarten erlassen.


Fisch in Aquakulturen – Die geltenden Vorschriften

Die allgemeinen Tierhaltungsvorschriften gelten auch für Fische. Da sie gemäss Gesetz Wildtiere sind, treten für Aquakulturen die Bestimmungen zur gewerbsmässigen Wildtierhaltung in Kraft. Gewerbsmässige Fischanlagen sind bewilligungspflichtig. Für Forellen- und Karpfenartige (90% der Aquakulturfische in der Schweiz sind Regenbogen- oder Bachforellen) gibt es zudem Mindestanforderungen an Besatzdichte und Wasserqualität. Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) erarbeitet eine Amtsverordnung über das Töten von Tieren, in der auch Fische ihren Platz finden.

Zudem sollen gewisse Angaben zur Haltung von Fischen in der kommenden BVet-Verordnung über die Haltung von Wildtieren präzisiert werden. Im Rahmen der amtlichen Kontrollen in der Primärproduktion werden ab 2014 auch Aquakulturbetriebe kontrolliert und dabei Tierschutzaspekte überprüft. Das BVet hat ein Kontrollhandbuch und eine Checkliste zur Kontrolle von Aquakulturanlagen erarbeitet. Sie enthalten auch ein Kapitel zum Tierschutz. sum

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