6.02.2020 16:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Tierschutz
10,7 Millionen Tiere für Versuche
Ein neuer EU-Bericht gibt erstmals einen Gesamtüberblick über die in Europa für Forschungszwecke verwendeten Tiere. Demnach wurden 2017 in der EU 10,7 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet. Zudem wurden 12,6 Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke gezüchtet und getötet, aber nicht in Tierversuchen verwendet. Dazu zählen etwa jene, die zur Erhaltung genetisch veränderter Tierstämme notwendig sind.

Der Bericht für die Jahre 2015 bis 2017 soll die jährlichen Tierversuchsstatistiken ergänzen. Mit ihm will die EU-Kommission die Transparenz verbessern. Er umfasst u.a. Informationen über die in den einzelnen Mitgliedsstaaten für Tierversuche zuständigen Behörden, Ausbildung und Schulungen von mit Tierversuchen befassten Personen, Genehmigung und Ablehnung von beantragten Projekten, Inspektionen von Tierversuchseinrichtungen und eben auch Daten über «alle anderen Tiere», die in den Jahresstatistiken nicht erfasst werden.

Der EU-Bericht umfasst nämlich auch die Anzahl Tiere, die gezüchtet und getötet, aber nicht in Tierversuchen verwendet wurden. Einem Teil dieser Tiere wurden beispielsweise Organe oder Gewebe für Zelllinien oder Organoide entnommen. Andere dienten der Schaffung oder Erhaltung genetisch veränderter Tierstämme.

«Das sind gesunde Zebrafische oder Mäuse, die dazu da sind, dass man zu dem Zeitpunkt, an dem man einen Tierversuch braucht, Nachkommen hat, und die ohne Schmerzen oder Beeinträchtigungen leben», erklärte der Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Jürgen Knoblich, gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

Teil der Qualitätssicherung

Solche Tiere würden zudem benötigt, um etwa ihren genetischen und biologischen Hintergrund genau zu kennen. Das erhöhe die wissenschaftliche Qualität und Zuverlässigkeit der Ergebnisse. «Damit kann man das Schlimmste vermeiden, nämlich dass man einen Tierversuch wiederholen muss», so Knoblich.

Für viele Versuche werden auch eine bestimmte Anzahl von Tieren eines Geschlechts oder eines gewissen Alters benötigt. Dafür muss eine grössere Anzahl Tiere gezüchtet werden.

In der EU und der Schweiz laufen zahlreiche Projekte mit dem Ziel, Tierversuche zu reduzieren und wenn möglich zu ersetzen. Zusammengefasst werden diese Bemühungen unter dem «3R-Prinzip», für Englisch: «reduce, refine, replace».

In der Schweiz ist die Zahl der für Tierversuche eingesetzten Tiere rückläufig. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wurden 2018 586'643 Tiere dafür eingesetzt, fast 28'000 weniger als 2017. Das entspricht einem Rückgang von 4,6 Prozent.

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