15.12.2012 08:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dpa
Insekten
25'000 Arten auf 6'000 Hektaren - Riesige Artenvielfalt auf kleinstem Raum
Zwei Jahre lang krochen Forscher - darunter ein Genfer Biologe - über den Urwald-Boden, besuchten mit Kränen und Helium-Ballonen die Baumkronen. Sie entdeckten die höchste Vielfalt an Gliederfüssern der Welt, der artenreichsten Tiergruppe des Globus.

Bereits auf einem Hektar Tropenwald kämen 60 Prozent der in solchen Ökosystemen heimischen Insekten- und Spinnenarten vor, schreiben die Forscher im US-Fachblatt «Science». Sie berechneten, dass im untersuchten 6000 Hektar grossen Regenwald rund 25'000 Arten von Gliederfüssern (Arthropoden) leben.

Regionen mit reicher Pflanzenvielfalt schützen

«Für jede Art von Gefässpflanze, Vogel oder Säugetier im Wald finden sich je 20, 83 respektive 312 Gliederfüsserarten», sagte Yves Basset vom Smithsonian Tropical Research Institute (STRI) in Panama in einer Mitteilung des STRI. «Wenn wir die Vielfalt des Lebens schützen wollen, sollten wir über den Schutz der Arthropoden nachdenken», sagte Mitautor Tomas Roslin von der Universität  Helsinki.

Die Resultate legen nahe, dass dies einfacher ist als gedacht: Da schon eine Hektare über die Hälfte aller Arten enthält, müsse man nicht riesige Areale durchforsten, um ihre Vielfalt abzuschätzen, sagte Roslin. Da die Vielfalt der Pflanzen und der Gliederfüssler zusammenhängt, genüge es zudem, Regionen mit reicher Pflanzenvielfalt zu schützen.

Voller Einsatz der Spezialisten

Über 100 Wissenschaftler unter Leitung des STRI hatten zwischen 2003 und 2005 im San Lorenzo Nationalpark in Panama zwölf 400 Quadratmeter grosse Flächen intensiv untersucht. Sie stellten Fallen und legten Köder für Bodentiere, und wagten sich mit Baukränen, Kletterseilen oder aufblasbaren Plattformen in die Baumkronen.

Es dauerte Jahre, um die dabei gefangenen 130'000 Individuen, die zu 6000 Arten gehören, zu beschreiben. Einer der Spezialisten ist der Genfer Biologe Philippe Cuénoud, ein Kenner der Gruppe der Staubläuse (Psocoptera). Er fand rund 100 Arten dieser nur 1-2 Millimeter kleinen Insekten, die in den Tropen auf Baumrinde, in Europa auch auf altem Karton oder Büchern leben.

Zusammenhängende Gebiete schützen

Es wäre allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass wegen der hohen Artendichte kleinere Regenwaldgebiete zum Schutz der Tiere ausreichten, sagte Jürgen Schmidl von der Universität Erlangen-Nürnberg der Nachrichtenagentur dpa. Das Forschungsprojekt habe vielmehr gezeigt, dass nur grosse zusammenhängende Regenwaldgebiete die Vielfalt sicherten.

«Am problematischsten ist es, Regenwaldgebiet etwa mit Strassen, breiten Trassen oder Waldrodungen zu durchschneiden, wie es in Tropenwaldgebieten oft für die Viehhaltung oder den Soja-Anbau geschieht», sagt er. Dies gefährde durch Isolation der verbleibenden Waldteile die Vielfalt der Arten.

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