12.06.2013 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Pferde
38 Prozent der Pferde dürfen nicht mehr geschlachtet werden
Seit 2011 müssen alle Pferde bei der Tierverkehrsdatenbank (TVD) registriert werden und erhalten einen Pferdepass. 38 Prozent haben ihre Pferde als Heimtiere registriert. Diese Tiere dürfen nicht mehr geschlachtet werden.

Auch wenn sie nicht mehr oft als Zugtiere in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, halten viele Bauern Pferde. So auch Alexandra und Markus Schiffmann aus Steffisburg BE. Am 4. Juni wollten sie ihre 23-jährige Haflinger-Stute Amanda schlachten lassen. «Sie hat Wasser auf dem Herz und auf der Lunge», berichtet Alexandra Schiffmann. Am Tag vor dem Schlachttermin kontrollierte der Tierarzt das Pferd ordnungsgemäss. Und er wollte wissen, ob es als Heim- oder als Nutztier angemeldet sei. Denn Pferde, die als Heimtiere registriert seien, dürfe man nicht mehr schlachten.

Schwere Konsequenzen

Es zeigte sich, dass Schiffmanns  ihre Pferde auf Agate.ch als Heimtiere angemeldet hatten. Sie seien sich in dem Moment nicht bewusst gewesen, was das bedeuten würde. «Wir brauchen unsere Pferde nicht in der Landwirtschaft und haben sie deshalb als Heimtiere angemeldet, ohne die Konsequenzen zu kennen», sagt Markus Schiffmann. Er könne nicht verstehen, dass man einen schweren Haflinger nicht mehr schlachten dürfe.

Zum einen sei Pferdefleisch in der Schweiz Mangelware. «Zum anderen leistet man sich dann den Luxus, einen Teil der einheimischen Pferde ins Loch zu schlagen», stört er sich. Zwar hätte jeder Pferdebesitzer bis zehn Tage nach der Erstanmeldung einen Kleber bekommen sollen, mit dem man die Anmeldung hätte ummelden können: «Doch wir haben nie einen solchen Kleber gesehen.»

Erst im November

2011 seien die entsprechenden Kleber für die vorangegangenen Monate erst ab November verschickt worden, räumt Jürg Guggisberg von der Betreiberin Identitas ein. Man habe dies getan, als man gemerkt habe, dass es Probleme und Missverständnisse geben könnte.

«Für zwei von Schiffmanns Pferden, die am 4. Januar 2011 registriert worden sind, wurden Ende Jahr am 21. Dezember die Kleber verschickt», so Guggisberg. Für das Pferd hingegen, welches am 11. April 2011 registriert worden sei, habe Identitas fälschlicherweise nie einen Kleber verschickt. Für dieses Pferd würden Schiffmanns jetzt in den nächsten zehn Tagen doch noch einen Kleber erhalten und können es danach wieder als Nutztier registrieren.

38 % sind als Heimtiere angemeldet

Nicht nur Schiffmanns, sondern auch viele andere Pferdehalter haben laut Guggisberg ihre Tiere als Heimtiere gemeldet: «Von den mittlerweile rund 93'000 bei Agate registrierten Pferden sind 38% als Heimtiere registriert und dürfen demnach nicht geschlachtet werden.» Er betont, dass das Schlachtungsverbot für Heimtiere in der Tierarzneimittelverordnung geregelt sei und dies eigentlich schon seit Längerem.

«Bei einem Heimtier ist der Tierarzt freier bei der Medikamentierung, und es muss kein Behandlungsjournal geführt werden. Auf der anderen Seite kann ein Heimtier nicht mehr als Nutztier angemeldet und geschlachtet werden», fügt er an. Bei der Erstregistrierung könne ein Pferd als Nutz- oder Heimtier angemeldet werden. Später sei es nur noch möglich, ein Nutztier neu als Heimtier anzumelden, aber nicht umgekehrt.

Etwas sei aber ganz wichtig: «Ein Fohlen ist bei der Geburt immer ein Nutztier. Dies auch, wenn es ein Nachfahre einer als Heimtier registrierten Mutter ist.» Wenn ein Besitzer ein Fohlen als Heimtier registriert haben möchte, müsse er dieses immer aktiv vom Nutztier zum Heimtier ummelden.

Hintertüre geschlossen

Was passiert aber, wenn erst im Schlachthof festgestellt wird, dass ein Pferd nicht als Nutz-, sondern als Heimtier registriert ist? Der Helpdesk von Agate habe bisher die Auskunft gegeben, dass solche Pferde noch geschlachtet werden dürften, räumt Guggisberg ein. «Vertiefte Abklärungen mit dem Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) haben ergeben, dass weder das kantonale Veterinäramt noch das BVet die Kompetenz haben, unmittelbar vor der Schlachtung aus einem Heimtier wieder ein Nutztier zu machen. Unser Helpdesk erteilt deshalb neu die Auskunft, dass ein Heimtier nicht geschlachtet werden kann», betont Guggisberg.

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