24.02.2013 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Bienengift
Abstimmung über Neonikotinoid-Verbot verschoben
Die EU-Mitgliedstaaten werden voraussichtlich frühestens im März über eine Beschränkung von potentiell bienengiftigen Saatgutbeizmitteln entscheiden. Das bestätigte die Europäische Kommission am vergangenen Freitag auf Anfrage.

Ursprünglich war eine Abstimmung im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit (SCoFCAH) bereits an diesem Montag anvisiert. Es bestehe jedoch weiterer Abstimmungsbedarf mit den Mitgliedstaaten, erklärte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg.

Die Brüsseler Behörde will die Verwendung der Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam als Saatgutbeizmittel, Granulat und Blattanwendung ab dem 1. Juli 2013 stark einschränken. Der Einsatz soll für Kulturen, die potentiell als Bienenweide dienen oder bei deren Saatgut eine besonders hohe Abriebgefahr der Beize besteht, untersagt werden. Die Anwendung in Mais-, Raps- und Sonnenblumenbeständen wäre gemäß einem ersten Entwurf ebenso verboten wie für zahlreiche Gartenbauprodukte von Erdbeeren über Kohl bis Zwiebeln. In Deutschland ist die die Beizung von Mais- und Getreidesaatgut mit Neonikotinoiden verboten, nicht jedoch von Raps. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling, kritisierte die Verschiebung der Ausschussabstimmung als Einknicken vor den betroffenen Herstellern.

Wichtige Nutztiere

„Man duckt sich weg, nur weil Konzerne wie Bayer und Syngenta angekündigt haben, gegen ein Verbot klagen zu wollen und mit leeren Drohungen operieren“, so Häusling. Die Pestizide dieser Stoffgruppe seien verantwortlich für ein Massensterben unter den Bienen, das etwa im Oberrheingraben 2008 Tausenden von Bienenvölkern das Leben gekostet habe. Bienen seien nach Kühen und Schweinen das drittwichtigste Nutztier der Landwirtschaft. Ihr Schutz sei geradezu überlebenswichtig. Im Sinne eines vorsorgenden Umweltschutzes müsse man nicht erst auf den letzten Beweis warten, um die Mittel zu verbieten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe ausreichende Fakten vorgelegt, so Häusling. Das Unternehmen Syngenta hatte der EFSA hingegen fundamentale Fehler vorgeworfen.

Ernteausfälle in Polen befürchtet

Unterdessen trifft das geplante Verbot auf Widerstand in Polen. Experten und Bauernverbände befürchten drastische Auswirkungen für die heimischen Bauern. „Das würde Ernteausfälle von 20 % bis 30 % bedeuten“, heißt es in einem Bericht des Instituts für Pflanzenschutz, aus dem die Zeitung „Dziennik“ zitierte. Der einseitige Verzicht auf diese Mittel schränke die Möglichkeiten zum Pflanzenschutz erheblich ein, denn in Polen seien davon rund 80 % der eingesetzten Pflanzenschutzmittel betroffen. „Dziennik“ spricht deshalb von einem „ökologischen Kreuzzug“, den Brüssel gegen die Landwirte veranstalte. Andere Zeitungen titelten: „Die Europäische Union verwüstet polnische Felder.“ Positiv auf die Absichten der EU-Kommission reagierte dagegen der Verband der Bienenzüchter. Dessen Vorsitzender Tadeusz Sabat sagte zu Journalisten, Neonikotinoide führten zu einer schleichenden Vergiftung der Bienen. Bauern sollten seiner Ansicht nach nicht protestieren, weil die 1,25 Millionen in Polen beheimateten Bienenvölker für die Befruchtung von Pflanzen notwendig seien.

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