25.08.2020 12:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Hirtler
Uri
Älpler wegen Wolf angefeindet
Der Bauernverband Uri lud zum Medientermin «Herdenschutz vor Grossraubtieren». Verbandspräsident Loretz Wendelin kritisiert die Wolfs-Berichterstattung in den Medien. Diese provoziere negative Kommentare.

Rund eine Stunde dauert der steile Aufstieg von der Bergstation der Seilbahn Wannelen bis zu den Schafen im Wanneler Butzli (2000 m ü.M.). Hier oben hielt der Bauernverband Uri seine Medienkonferenz ab. 

Schwarz-Weiss-Denken

Nur zwölf Urner Schafalpen gelten als geschützt, zum Beispiel Schafalpen im Isenthal. Der Grossteil der Urner Schafalpen wird mit 50 bis 100 Schafen bestossen, ist klein strukturiert und gilt als ungeschützt. «Auch zu diesen Tieren wird geschaut, die Älpler unternehmen grosse Anstrengungen. Unterstützt werden sie dabei vom Amt für Landwirtschaft, vom Bauernverband, vom Herdenschutz und von der Wildhut», sagt Wendelin Loretz, Präsident des Bauernverbands Uri, der die enge Zusammenarbeit und den Austausch sehr schätzt.

Passiere ein Wolfsriss, würden die Medien jedoch nur zwischen geschützten und nicht geschützten Alpen unterscheiden. Ein Schwarz-Weiss-Denken, das Wendelin Loretz ärgert: «Diese Form von Berichterstattung provoziert leider zahlreiche negative Kommentare in den sozialen Netzwerken.» Die Älpler würden mit Äusserungen wie «Schaut zu euren Schafen! Setzt endlich den Herdenschutz um», in ein schlechtes Licht gerückt.

Das Möglichste tun

«Wir machen alles, was möglich ist», sagt der 30-jährige Älpler und Biobauer Max Müller. «Wir bewirtschaften die Alp im Koppelweidesystem. So haben die Tiere auf den fünf Weidegebieten ein gutes Futterangebot und immer frisches Gras.» Entsprechend gross ist aber der Aufwand beim Hagen. 2,3 Kilometer Hag setzen Max Müller und sein Vater jeden Alpsommer. 

Zweimal wöchentlich steigen sie zu den Schafen, treiben sie sie zusammen, zählen sie sie, geben sie ihnen Salz und Brot, kontrollieren sie den Gesundheitszustand und behandeln sie hinkende oder durch Steinschlag verletzte Tiere. «Wir bemühen uns sehr um gesunde Tiere, denn jede Krankheit wie Moderhinke, Parasitenbefall oder Gamsblindheit bedeutet auch Aufwand», erklärt Max Müller.

Seit acht Jahren sind auch zwei Lamas Teil der Herde. «Mit unserer Tierhaltung, den Kontrollgängen, den Lamas und dem Hagen tun wir das Bestmögliche für einen funktionellen Herdenschutz.» Trotz des grossen Aufwands gilt diese Alp offiziell als ungeschützt. 

Gebiet teils zu felsig

«Nur, wenn Herden mit Hirten und Hunden bewacht werden und wenn das ganze Weidegebiet vollständig eingezäunt ist, gelten sie als geschützt», sagt Jörg Haller, Herdenschutzberater. «Eine Alp wie die Schafalp Wannelen wolfssicher zu schützen, ist unmöglich, obwohl der Älpler alles Machbare unternimmt. Zu unzugänglich, steil und felsig ist das Gelände.»

«Seit 2013 ist der Herdenschutz in der eidgenössischen Jagdverordnung geregelt und Aufgabe der Kantone», sagt Damian Gisler, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft. 2014/15 wurde mit einer kantonalen Alpplanung die Datengrundlage geschaffen, um Herdenschutzmassnahmen zu planen und umzusetzen. 

Dabei wurde proaktiv auf praktisch allen Urner Schafalpen eine einzelbetriebliche Herdenschutzberatung durchgeführt. Eine weitere Dienstleistung ist der SMS-Warndienst bei Sichtungen oder Übergriffen durch Grossraubtiere. Diese Meldung wird aber durch die Wildhut ausgelöst, die immer als erste vor Ort ist. Zurzeit arbeitet die Agridea mit verschiedenen Kantonen, auch mit dem Kanton Uri, an der Tier- und Weideüberwachung mit Alptrackern. 

Revidiertes Jagdgesetz

Das revidierte Gesetz, das am 27.September 2020 zur Abstimmung kommt, erlaubt den Kantonen unter bestimmten Bedingungen, Wolfsrudel vorausschauend zu regulieren. Damit hat das Parlament auf die wachsende Zahl von Wölfen reagiert. Der Wolf bleibt aber auch mit dem revidierten Jagdgesetz eine geschützte Tierart und darf nicht gejagt werden. Die Rudel bleiben erhalten. 

Nicht zulässig wäre gemäss Bundesrat beispielsweise der Wolfsabschuss, wenn sich die Rudel fernab von Siedlungen oder Schafherden aufhalten. Generell müssten die Kantone gegenüber dem Bund vorgängig begründen, weshalb Abschüsse erforderlich seien. Dabei müssten sie die Verhältnismässigkeit wahren. Weiter sind die Kantone in Gebieten mit Wolfsrudeln verpflichtet, die Bauern über Massnahmen zum Schutz von Herden informieren. Ziel der Regulierung sei es, dass die Rudel ihre natürliche Scheu behalten und Siedlungen fernbleiben.

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