15.03.2017 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bienen
Antibiotika-Einsatz schadet Bienen
Ein Zuviel an bestimmten Antibiotika kann Bienen schaden. US-Forscher haben festgestellt, dass nach einer fünftägigen Behandlung mit dem gängigen Breitband-Antibiotikum Tetracyclin nur etwa halb so viele Bienen die Tage darauf überlebten wie bei unbehandelten Tieren.

Der Einsatz von Antibiotika in Bienenstöcken in den USA könnte ein Faktor beim Bienensterben der vergangenen Jahre sein, vermuten die Wissenschaftler um Nancy Moran von der University of Austin. Die Forscher schreiben in «PLOS Biology», dass das Tetracyclin bei den Bienen vermutlich bestimmte Darmbakterien abtötet, die vor potenziell schädlichen Serratia-Darmbakterien schützen. Deren Zahl war bei den behandelten Bienen erhöht.

Sirup mit und ohne Antibiotika

Die Wissenschaftler hatten mehrere Hundert Bienen aus den Bienenstöcken der Universität entweder mit antibiotikahaltigem Sirup oder einfachem Zuckersirup gefüttert. Nach fünf Tagen wurden die mit Farbpunkten markierten Tiere wieder in die Stöcke auf dem Dach eines Uni-Gebäudes zurückgebracht.

Von den Zuckersirup-Bienen waren nach drei Tagen noch zwei Drittel am Leben, von den Antibiotika-Bienen nur ein Drittel. Der Darminhalt der gestorbenen Tiere wurde untersucht. «Unsere Studie legt nahe, dass eine Störung des Mikrobioms im Darm von Bienen ein Faktor ist, möglicherweise einer von mehreren, um die Bienen anfälliger für ihren Niedergang und den Zusammenbruch ihrer Kolonie zu machen», erklärt Moran.

Gesunde Darmflora bietet Schutz

Bei Bienen wie auch beim Menschen helfen in einer gesunden Darmflora schützende Bakterien nicht nur bei der Aufnahme von Nährstoffen, sondern auch dabei, Gifte oder Krankheitserreger unschädlich zu machen.

Serratia-Bakterien können - in seltenen Fällen - auch bei immunschwachen Menschen und Frühgeborenen Infektionen auslösen. Die Forscher vermuten darum, dass ein Zuviel an Antibiotika bei ihnen möglicherweise ebenfalls das Erkrankungsrisiko erhöhen könnte. «Wir legen Leuten nicht nahe, dass sie keine Antibiotika mehr nutzen sollen. Antibiotika retten Leben. Aber wir müssen vorsichtig sein, wie wir sie einsetzen», betont Moran.

In der Schweiz verboten

In den USA präparieren viele professionelle Imker ihre Bienenstöcke mehrmals jährlich mit Tetracyclinen, um die Larven vor einer weit verbreiteten Infektionskrankheit, der Amerikanischen Faulbrut, zu schützen. In der Schweiz und der EU ist der Einsatz von Antibiotika in der Imkerei verboten.

In der Vergangenheit kamen Bienen in der Schweiz mitunter mit Antibiotika in Kontakt, weil Obstbauern das Antibiotikum Streptomycin gegen den Feuerbrand einsetzten. Allerdings ist auch dieser Einsatz seit Anfang 2016 nicht mehr erlaubt. In vielen Ländern weltweit wurde im vergangenen Jahrzehnt ein mehr oder weniger starkes Bienensterben beobachtet.

Die genauen Gründe sind noch unklar, vermutet wird ein Zusammenhang mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Viruskrankheiten, der Ausbreitung der Varroa-Milbe und einem geringen Ernährungswert bestimmter Nutzpflanzen. Die massive Verwendung von Antibiotika könnte ein weiterer Faktor sein, mutmassen die Autoren der aktuellen Studie.

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