2.12.2017 17:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Tierschutz
«Auch kastrierte Katzen fangen Mäuse»
Hansuli Huber ist Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes (STS).Im Interview erklärt er, wieso die Kastration von Katzen wichtig ist auch auf Bauernhöfen und inwiefern Landwirte dabei unterstützt werden.

«Schweizer Bauer»: Zurzeit werden Stimmen gesammelt für die Petition «Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen in der Schweiz». Wie sieht die aktuelle Katzensituation in der Schweiz aus?
Hansuli Huber: In der Schweiz gibt es mehr als 100'000 herrenlose Katzen, um die sich niemand kümmert und die sich unkontrolliert vermehren. Für den Grossteil der Katzenhalter ist das Kastrieren oder zumindest die gezielte Fortpflanzung heute eine Selbstverständlichkeit. Und man weiss, dass der Spruch «Kastrierte Katzen mausen nicht mehr» ein Vorurteil ist, das überhaupt nicht stimmt. Trotzdem gibt es immer noch unverantwortliche Katzenhalter, die sich weder um Gesundheit und Wohlergehen ihrer Tiere noch um deren Fortpflanzung kümmern. Man lässt sie sich ins Blaue hinein vermehren und kümmert sich nicht um die Tiere. Leider gibt es derartige Zeitgenossen auch noch auf einigen Bauernhöfen. Ein weiteres Problem sind verwilderte Kolonien von nicht kastrierten Katzen in Schrebergärten, auf Campingplätzen und Industriebrachen.  

Was sind die Auswirkungen, wenn sich Katzen ungehindert vermehren?
Katzen können heute bis zu dreimal jährlich Junge bringen. Unkastrierte Katzen vermehren sich rasant schnell. Es leben dann zu viele Katzen auf zu engem Raum.  Das führt zu Revierkämpfen und Verletzungen. Krankheiten und Parasiten breiten sich aus. Rangniedrige Tiere wandern ab, suchen sich andere Bauernhöfe oder verwildern. Wenn sie verwildern, respektive nicht gepflegt werden, ist ihre Gesundheit angeschlagen und sie können auch Krankheiten und Seuchen übertragen. Es ist ein grosses Tierschutzproblem.

Nach wie vor sind auf Bauernhöfen grosse halbwilde Katzenpopulationen anzutreffen, was ist die Gefahr vom solchen Katzenbeständen?
Der Schweizer Tierschutz hat ein gemeinsames Merkblatt mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband herausgebracht, das genau auf die Problematiken mit solchen Populationen eingeht. Kranke Katzen können auch für andere Bauernhoftiere zum Problem werden. Zecken und Flöhe werden auf den Hofhund oder gar auf Menschen übertragen. Die Hygienefragen und die Übertragungsgefahr von Krankheiten sind nicht zu unterschätzen.

Was kann ein Landwirt tun, der auf seinem Betrieb viele halbwilde Katzen hat?
Wenn einem der Katzenbestand über den Kopf wächst, kann sich der Landwirt auf der Homepage katzenelend.ch informieren oder sich direkt an die nächste Sektion des STS wendet. Das Töten ist keine Lösung, sondern das Kastrieren und das Sanieren. Dabei helfen die STS-Tierschutzvereine vor Ort, auch finanziell. 

Mit was für Kosten muss ein Landwirt rechnen, der sich entschliesst, die Katzensituation auf dem Betrieb zu verbessern?
Wir gehen davon aus, dass sich jeder Landwirt das Kastrieren von zwei bis drei Katzen leisten kann. Bei grösseren Beständen, wo zum Beispiel auch fremde Katzen eingewandert sind, hilft der Tierschutz gerne. Es wird dann mit dem Bauern abgemacht, wer wie viel übernimmt. Klar ist auch, dass die Tierärzte bei den STS-Aktionen Rabatt geben.

Es gibt Landwirte, die sich für die Katzensituation auf ihrem Betrieb schämen oder vielleicht auch Angst haben, sich an den Tierschutz zu wenden. Müssen Landwirte mit Konsequenzen rechnen?
Nein, wir kämpfen zwar für den Schutz der Tiere, aber wir sind keine Moralapostel. Wir wollen den Tieren ein besseres Leben ermöglichen, und das kommt dann auch dem Bauernbetrieb zugute. Deshalb können sich alle, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, bei uns melden.

Was geschieht mit den überzähligen Katzen?
Eine Katze, die wieder gesund wird und lebensfroh ist, soll man nicht töten. Wer aus eigener Schuld nichts gemacht hat, muss dann halt auch die Konsequenzen tragen. Man kann aber mit Tierschutzvereinen auch reden, wenn man Tiere ins Tierheim abgeben möchte.

Was geschieht mit Katzen, die an Krankheiten wie der Katzenseuche leiden?
Hierzu bedarf es einer tierärztlichen Diagnose, und der Tierarzt wird dann als Fachmann auch über das weitere Vorgehen bestimmen.

Wann führt man am besten eine Kastrationsaktion durch?
Jetzt. Der beste Zeitraum für eine Kastrationsaktion ist Oktober bis März, da die Katzen dann keine Jungen haben.

Hier geht es zur Petition

 Hier geht es zum gemeinsamen Flyer des STS und dem Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverband

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