5.08.2019 18:08
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Frankreich
Bauern wegen Bären verärgert
Entlang der Grenzregion zwischen Frankreich und Spanien verhärten sich die Fronten zwischen Bärenschützern und Bärengegnern. Die Bären reissen Schafe der Bauern. Nun haben die Landwirte demonstriert. -> Mit Video

Im südfranzösischen Toulouse versammelten sich am Montag Schafszüchter, Bauern und besorgte Bürger, berichtet der TV-Sender «Euronews». Sie sind über die Bären in den Pyrenäen verärgert.

Schäfer blockierten Aussiedlung

«Wir sind wütend», lautete die Botschaft. Die Wiederansiedlung der Bären wurde im Jahre 1996 gestartet. Zuvor hatten Jäger den gesamten Bestand vernichtet. Anschliessend wurde Tiere aus Slowenien in die Pyrenäen gebracht.

Das Fass zum Überlaufen brachte die Aussetzung von zwei Bären im vergangenen Oktober. Rund 150 Bauern und Schäfer blockierten zuvor die Zufahrtsstrassen ins Aspe-Tal. Die siebenjährige Claverina und die achtjährige Sorita wurde in der Folge mit dem Helikopter ins Tal geflogen.

Respektlosigkeit gegenüber Berggebiet

Am Tag nach der Auswilderung versammelten sich etwa 100 aufgebrachte Tierhalter und Jäger, um symbolisch auf einem Marsch Bären und Wölfe nach Spanien zu vertreiben. Die französischen Bauern und dutzende Gemeindevertreter fühlten sich verschaukelt. Die Auswilderung sei eine Respektlosigkeit und eine «Demonstration der Verachtung» gegenüber den Menschen der Berggebiete. Rund 100 Bürgermeister aus der Region verlangten zudem Garantien über den Schutz der Viehherden und ein Ende der Auswilderungen.

Bär riss mehrere Schafe

Im Mai 2019 verschärfte sich die Situation. Bärin Goiat riss während drei Wochen im spanischen Gebiet Nutztiere. Die Behörden im französischen Département Hautes-Pyrénées machen sie für mindestens drei tödliche Attacken verantwortlich. Medienberichten zufolge tötete sie mehrere Schafe, ein Schwein und eine Stute. Die Bärin wurde 2016 von Slowenien in die Pyrenäen umgesiedelt. In der Folge wurde das Raubtier mit Böllern und Gummigeschossen vergrämt.

Bis 50 Bären

In den vergangenen Tagen haben die Bauern ihren Unmut kundgetan. Nicolas Bengoechea betreut in der Grenzregion eine Herde auf der französischen Seite. Die spanischen und französischen Schäfer tauschen sich untereinander aus. «Die Angriffe der Bärin auf der spanischen Seite beunruhigt uns. Es reicht, dass die Bärin die Grenze überquert und schon ist sie bei uns», sagt Bengoechea zu «Euronews».

Bauern und Schafhalter werden bei einem Riss finanziell entschädigt. Doch die Wut köchelt trotzdem immer wieder hoch. 2017 floss in den Pyrenäen Geld an Besitzer von 798 Nutztieren und 25 Bienenstöcken. Unter anderem waren in dem Jahr 200 Schafe bei einer Bärenattacke in den Tod gestürzt. Gemäss Schätzungen leben zwischen 43 und 50 Bären in den Pyrenäen.

«Bären müssen weg»

Dass sich die Gemüter bei den Bauern beruhigen werden, ist unwahrscheinlich. Die Botschaft beim Protestzug von Montag war unmissverständlich: Die Demonstrierenden fordern die Entfernung der Bären. Der Staat habe das Problem mit den Bären geschaffen, sagen Züchter gegenüber der Zeitung «L’independant». Es liege nun an ihm, Schutzmassnahmen zu ergreifen, damit sich das Raubtier nicht den Nutztieren nähere, fordern sie. 

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