19.02.2013 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Bei Gefahr lässt Erdmännchen-Chefin Untergeordneten Vortritt
Kommt eine Gruppe Erdmännchen an eine gefährliche Stelle, so lässt die Chefin einem untergeordneten Artgenossen den Vortritt: Er soll erst mal testen, ob man da lebend durchkommt. Erst am Schluss überquert auch das dominante Weibchen die Gefahrenstelle.

Forschende von Universität und ETH Zürich haben dieses Verhalten in der Natur beobachtet und mit einem Computermodell untermauert, wie Uni und ETH am Montag mitteilten. Das egoistisch wirkende Vorschicken anderer ist für die Erhaltung der gesamten Gruppe und damit für die Arterhaltung von entscheidender Wichtigkeit: Das dominante Weibchen allein ist für die Fortpflanzung zuständig.

Anführerin folgte am Schluss

In einem Tierreservat in der Kalahari im südlichen Afrika beobachteten die Forschenden mehrere Gruppen von Erdmännchen. Das Reservat und damit die Lebensräume der Tiere werden von einer vielbefahrenen Strasse durchschnitten. Wollen sie von einem zum anderen Bau, so müssen die Erdmännchen die Strasse überqueren.

Die Forschenden konnten nun beobachten, dass fast jedes Mal das ranghöchste Weibchen die Führung an ein rangtieferes Tier abgab, sobald die Gruppe am Strassenrand ankam. Die «Vorhut» überquerte die Strasse. Ging alles gut, folgten die übrigen Gruppenmitglieder. Die Anführerin folgte ganz am Schluss.

Stärkeres Wahrnehmen von Risiken

Aus den Beobachtungen und den Studien am Computermodell schliessen die Forschenden, dass das dominante Weibchen, das die Verantwortung für die ganze Gruppe trägt, Risiken stärker wahrnimmt, als untergeordnete Tiere. Ob die Erdmännchen die Strasse wegen der Autos als gefährlich einstufen, oder ob ihnen die grosse offene Strecke ohne Deckungsmöglichkeit Angst macht, konnten sie nicht klären.

Mit ihrer Arbeit wollten Verhaltensbiologe Simon Townsend von der Uni Zürich und Systemforscher Nicolas Perony von der ETH Zürich herausfinden, wie sich wildlebende Erdmännchen gegenüber menschgemachten Risiken verhalten. Die Studienergebnisse weckten die Hoffnung, dass Wildtiere «bis zu einem gewissen Grad» mit solchen Veränderungen zurecht kämen, so die Mitteilung.

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