17.04.2018 09:51
Quelle: schweizerbauer.ch -
Bern
Bern: Neuer Verein bekämpft Wolf
Am Montagabend ist in Thun BE der «Verein zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern» gegründet worden. Grossrat Thomas Knutti ist zu dessen Präsident gewählt worden. schweizerbauer.ch präsentiert die wichtigsten Entscheidungen und Ansprachen des Abends:

19:44 Uhr: Die Wolfs- und Luchsgegner strömen aus dem ganzen Kanton Bern in Scharen in die Alte Reithalle auf dem Expo-Areal in Thun BE. Aus dem Haslital ist ein vollbesetzter Bus eingetroffen.

19:46: Auf der Bühne sitzen:
Jakob Rösti, Heimberg
Christian Ueltschi, Oberwil i. S.
Beatrice Gygax, Tschingel
Ramona Graber, Horrenbach
Thomas Knutti, Grossrat
Samuel Graber, Grossrat
Andreas Aebi, Nationalrat
Georges Schnydrig, Visp

20:15: Insgesamt werden 408 Anwesende von den Stimmenzählern gezählt. Das sind fast viermal mehr Personen, als vor zwei Wochen zur Mitgliederversammlung des Berner Bauernverbands am selben Ort zusammenströmten.

20:17: Tagungspräsident Samuel Graber erzählt, was in den letzten Monaten gelaufen ist. «Was alles um den Wolf herum geschehen ist, wisst ihr wohl alle», sagt der Grossrat. Am 27. November habe in der Alten Reithalle eine stark besuchte Versammlung stattgefunden. Anschliessend wurde eine Arbeitsgruppe gebildet. Die hat den Anschluss an den Berner Bauernverband und an die Waldwirtschaft geprüft. Man sei aber zum Schluss gekommen, dass es am besten sei, einen eigenständigen Verein zu gründen. 

20:20: Thomas Knutti stellt die Statuten vor. Er zählt die Kantone auf, in denen es bereits ähnliche Sektionen der Schweizerischen Vereinigung für einen Lebensraum ohne Grossraubtiere gibt. Das Ziel sei es, nun eine Berner Sektion zu gründen. 

20:30 Der Vereinsgründung wird ohne Gegenstimme und ohne Enthaltung genehmigt. 

20:32: Georges Schnydrig, Co-Präsident des Vereins Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere, richtet sich an die Versammlung. Er betont die Bedeutung von Co-Präsident Germano Mattei und von Felix Jauch. «Unsere Bewegung besteht aus Vereinen in verschiedenen Kantonen. Graubünden und Wallis standen am Anfang. Wir stellen fest, dass wir eine Stimme bekommen haben. Wir sind uns einig, dass Schweiz nicht geeignet für Grossraubtiere ist. Die Schweiz hat keinen Platz», so Schnydrig. Die Politik und die Kantone hätten lange geschlafen und ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Auch für Tourismus und Freizeitgestaltung seien die Grossraubtiere ein Problem, nicht nur für die Landwirtschaft.

20.35: Schnydrig liefert einen kurzen Überblick über die politische Situation. Derzeit sei die Anpassung des Jagdgesetzes in der Umweltkommission (UREK) des Ständerates. «So wie es aussieht, werden wir gewisse Verbesserungen haben. Während gewisser Zeit soll der Wolf jagdbar gemacht werden», erklärt der Walliser. Das reiche natürlich nicht. Was den Austritt aus der Berner Konvention betreffe, in welcher der Wolf als geschützte Art definiert ist, so spiele der Bundesrat immer noch auf Zeit, hält er fest. 

20.38: Aktuell gebe es in der Schweiz 30 bis 40 Wölfe, 1 bis 3 Bären und zahlreiche Luchse. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) wünsche sich in der Schweiz 15-20 Rudel, was in etwa 300 Wölfen entspreche. «Und wir können uns der Wölfe jetzt schon nicht wehren», gab Schnydrig zu bedenken. Dass jetzt auch im Kanton Bern eine Sektion gegründet werde, sei ein starkes Zeichen. Der Kanton Bern habe politisch Einfluss, vielleicht mehr als andere Kantone. «Ich bin tief beeindruckt vom grossen Aufmarsch und von den Leuten, die das hier im Kanton an die Hand genommen», hält Schnydrig fest. Es habe sich viel bewegt in den letzten Jahren. Die Grossraubtiere würden zunehmend auch in die Mitte der Schweiz ein Thema und blieben so nicht mehr ein Problem der sogenannten Randregionen. «Im Kanton Wallis hat es im Jahr 2016 ganze 180 Risse von Nutztieren gegeben, das ist kein Zustand», macht er klar.

20:42: Es kommt zur Wahl des Präsidenten. Samuel Graber sagt: «Für eine schlagkräftige Organisation braucht es einen Präsidenten, der nicht umfällt, der nach vorne zu treten und seine Meinung deutlich zu sagen wagt, der zu ihr steht» Er schlägt Thomas Knutti vor. Einstimmig wird der Oberländer gewählt. 

20:45 Nun übernimmt Thomas Knutti. Er wisse, dass das Präsidium eine schwierige Aufgabe werde. «Wir wollen nicht zurückhaltend, aber auch keine Haudegengruppe sein», so Knutti. Man werde nicht darum herumkommen, das Kind beim Namen zu nennen. Es könne nicht so weitergehen. «Gerade über Ostern gab es wieder verschiedene Risse von Schafen durch den Wolf. Wir müssen Druck machen in Bern», sagte der SVP-Grossrat aus Weissenburg im Simmental. 

20:54: Jetzt wird das Leitbild der Vereinigung für das erste Jahr vorgestellt. «Im Jahr 2017 wurden im Kanton Bern gegen 100 Schafe (und andere Nutztiere) Wölfen gerissen. Dies sagte mit der Jagdinspektor von Auge zu Auge bei Besprechung. Ich war deshalb erstaunt, dass er letzte Woche in der Zeitung «Bund» sagte, der Kanton habe Kenntnis von nur 21 Schafrissen durch den Wolf», sagte Knutti «Da fragt sich, wer populistisch ist», fährt er fort.  

Der Verein will sich folgenden Themen annehmen:
- Älpler brauchen dringend eine telefonisch erreichbare kantonale Anlaufstelle, um Nutztierrisse zu melden. 
- Nutztierhalter benötigen Unterstützung. Bei einem Riss muss sofort eine geeignete Person auf Platz kommen, um die vielfach noch lebenden Tiere von den Qualen zu erlösen.
- Via DNA-Analysen müssen Hybriden definiert und ausgeschieden werden.
- Wenn der Wolf als «Schadwolf» erkannt wird, muss ein Abschuss sofort möglich sein.
- Der Bevölkerung soll mit Standaktionen die Problematik der Grossraubtiere für die Nutztierhalter aufzeigen.
- Die viel zu hohe Luchsdichte muss aufgezeigt werden. Der Luchsbestand muss reduziert werden. 
- Auf eidgenössischer Ebene muss die Regulierung von Grossraubtieren geregelt werden.
- Die kantonalen und eidgenössischen Fachstellen werden regelmässig über unsere Tätigkeiten informiert.

Der neu gegründete Verein ist über die Homepage www.schutz-der-wild-und-nutztiere.ch erreichbar. 

20:59: Die Versammlung verabschiedet eine Resolution zu Handen des Bundesrates. Thomas Knutti liest sie vor. Aus dem Inhalt: Das Grundproblem der flächendeckenden Ausbreitung der Grossraubtiere sei zum Schutz der Wild- und Nutztiere sofort an die Hand zu nehmen. Die Kantone bräuchten mehr Entscheidungskompetenzen und sollen selbst entscheiden können, wie viele Wölfe und Luchse im Kantonsgebiet geduldet werden. Die Einfuhr und die Freilassung von Grossraubtieren sowie die Förderung des Grossraubtierbestandes sollen verboten werden. Als Fazit ist unter anderem notiert: «Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind in erster Linie die Bergland- und Alpwirtschaftsbetriebe. Unter der schützenden Hand des Bundes bedrohen Grossraubtiere Kulturwerte im Schweizer Berggebiet!» Das Mass des Erträglichen sei überschritten. Die Resolution wird von der Versammlung genehmigt.

21:03: Voten aus dem Publikum

21.04: Werner Mani aus Diemtigtal: «Die Beamten können viel verdienen an Wolf. Wieviel geben die Kantone Bern oder Wallis aus für die Raubtiere, die wir nicht mögen?»

Georges Schnydrig antwortet: «Im Wallis waren es 2015 ganze 3000 Arbeitsstunden. Das sind Hunderttausende Franken Steuergelder. Wir haben mal nachgerechnet: 1 Wolf kostet den Steuerzahler locker 100'000 bis 200'000 Franken.» 

21.06: Grossrat Samuel Krähenbühl: «Es ist erhebend, wie viele Leute nach Thun gekommen sind. Aber ich möchte in Erinnerung rufen: Draussen ist es wieder kalt. Wir müssen viele überzeugen, jeder Anwesende hier muss Überzeugungsarbeit leisten. Wir müssen sagen, wofür wir sind: Wir sind vor allem für den Schutz von Wild- und Nutztieren und nicht in erster Linie gegen die Grossraubtiere. Wir wollen, dass das Berggebiet leben kann. Wir sind Tierschützer, wir wollen, dass Schafe nicht leiden müssen», macht der SVP-Politiker aus Unterlangenegg BE deutlich. Er wünscht dem Verein alles Gute.  

21.09: Grossrat Andreas Burren: «Ich konnte einen Anlass mit dem Jagdinspektor organisieren. Dieser spricht zum Thema: Wieviel Platz hat es noch für den Wolf? Es solle aber nicht allzu politisch werden.» Knutti sagt: «Wir können wohl nicht verhindern, dass es politisch wird!»  

21.11: Alfred Chervet, Bergvogt der Alp Inner-Iselten, sagt: «Ich möchte, dass die Vereinigung sich auch für den Schutz von Rinderhirten einsetzt.» Chervet denkt an Rinderhirt Erwin Ramsauer, der seit letztem Herbst vermisst wird. Es könnte sein, dass der Wolf die Rinder beim Sägistalsee auseinander getrieben hat und Ramsauer ihnen nachgestiegen ist. Knutti sagt: «Auf jeden Fall.»

21.13: Thomas Knutti präsentiert eine Lampe, erhältlich beim Zaunteam, die Wölfe fernhalten solle. Ob es wirklich funktioniere, sei nicht klar, aber es könne keine Idee sein. Ein Anwesender ergänzt dazu: Das kantonale Jagdinspektorat erstatte die Kosten, man soll noch morgen bestellen beim Zaunteam. Der Wolf im Raum Schallenberg müsse sofort abgeschossen werden.

21.15: Erwin Mani aus Weissenburg: «Meine Urgrossmutter wanderte aus Russland um 1870 aus. Als Kind waren sie dort mit Ross und Rennschlitten unterwegs. Sie wurden von einem Rudel Wolf verfolgt. Das Raubtier braucht Fleisch, wenn er Hunger hat. Eine Familie konnte nicht mehr fliehen. Ein Kind musste zurückgelassen werden, das wurde von den Wölfen zerfleischt wurde.» Knutti sagt: «Ich hoffe, dass es in der Schweiz nie so weit kommt, nie so weit kommen muss.» 

Vorstand

Thomas Knutti, Weissenburg i. S., Landwirt (Präsident)
Christian Ueltschi, Oberwil i. S., Landwirt und Gemeinderat (Vizepräsident)
Beatrice Gygax Frei, Tschingel, Vertreterin der Ziegenzucht (Sekretärin)
Jakob Rösti, Heimberg (Kassier) 

Hans Mani, Zweisimmen (Jäger) , Ruedi Fuchs, Brienz (Schafzüchter), Fritz von Känel, Aeschi (Verein Alpwirtschaft Bern), Ueli Müller, Steffisburg, Ramona Graber, Horrenbach (hilft in Administration), Paul Bähler, Uetendorf, Jürg Küng, Tägertschi (Bernischer Fleckviehzuchtverband), Andreas Moor, Hasliberg (Mutterkuhhalter), Heinz Berger, Heimenschwand (Jäger), Beat Gerber, Zollbrück (Ziegenzüchter), Fritz Marti, Hinterfultigen, Bruno Kunz, Därstetten (Bernischer Jagdverband)

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