17.10.2019 16:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Bern
Bern will wieder Bären züchten
Der Berner Tierpark Dählhölzli will wieder Bären züchten, nachdem frühere Versuche zum Teil dramatisch scheiterten. Zu diesem Zweck strebt er an, den Berner Bärenpark zu vergrössern und im Naturpark Gantrisch in den Berner Voralpen eine neue Anlage zu bauen.

Wie Vertreter von Stadt und Tierpark am Donnerstag in Bern vor den Medien bekanntgaben, soll der Bärenpark am Berner Aareufer auf seine ursprünglich vorgesehene Grösse ausgeweitet werden. Geplant waren zu Beginn 8400 Quadratmeter. Aus Kostengründen wurde die Anlage auf 6500 Quadratmeter - etwa die Grösse eines Fussballplatzes - verkleinert.

Züchten im Gantrischgebiet

Zudem soll ein etwa sieben Fussballplätze grosses Areal für Bären im Gantrischgebiet eingerichtet werden. Dies, damit für die Bärenzucht in Stadt und Kanton Bern sechs bis sieben Anlagen zur Verfügung stehen: Zwei Gehege im Bärenpark, zwei im sogenannten Bärenwald im Berner Tierpark Dählhölzli und zwei bis drei im Gantrischgebiet. Nach der ersten Evaluation verbleiben nun die drei möglichen Standorte in den Gemeinden Riggisberg, Rüeggisberg und Schwarzenburg. 

So viele Anlagen brauche es, damit Bern Bären artgerecht halten und den Menschen näher bringen könne, sagte Berns Tierparkdirektor Bernd Schildger laut Mitteilung vor den Medien. Kostenschätzungen gibt es für die Anlagen noch nicht, wie der Berner Gemeinderat Reto Nause am Donnerstag auf Anfrage sagte. Schildger hat wiederholt gesagt, dass zu einer artgerechten Haltung von Bären auch gehört, dass sie sich fortpflanzen können.

12 Junge pro Bär

Die durchschnittliche Lebensdauer eines Bären liegt bei 25 Jahren. Eine Bärin bringt in ihrem Leben rund zwölf Junge zur Welt, pro Wurf in der Regel zwei. "Um Bern zu ermöglichen, Bären über ihren gesamten Lebenszyklus artgemäss zu halten und den Menschen näher zu bringen, sind sechs bis sieben Anlagen notwendig", sagt Prof. Bernd Schildger, Direktor Tierpark Bern und international anerkannter Bärenexperte.

Gemeinsam mit der GantrischPlus AG wurde die Idee entwickelt, im Naturpark artgerechte Aussenanlagen mit einem Flächenbedarf von rund 50'000 m2 zu errichten. Damit sollen die Bären ein würdevolles Leben, der Tierpark Bern periodisch Jungtiere und der Naturpark Gantrisch einen neuen, wertschöpfungsgenerierenden Anziehungspunkt erhalten. Angestrebt werden moderate Besucherzahlen, insbesondere generiert durch angebotene Führungen, eine optimale Wegleitung und ausreichende Infrastrukturen für die Besucherbedürfnisse. Die Grundeigentümer und die lokale Bevölkerung sollen in geeigneter Form in das Konzept eingebunden werden. Auf Initiative des Kantons Bern und mit Unterstützung der Stadt Bern wurde die Idee seit Anfang Jahr in einem Projektteam, bestehend aus Vertretern von GantrischPlus (Projektleitung), Tierpark Bern sowie Fachpersonen aus den Bereichen Raumplanung und Umwelt konkretisiert.

Derzeit 3 Bären

Im Berner Bärenpark leben heute drei Bären. Kurz nach der Eröffnung des Bärenparks vor zehn Jahren wagten die Verantwortlichen das Experiment, Vater Finn und Mutter Björk mit den beiden Jungtieren Ursina und Berna zu vereinen. Wenn erwachsene Bären mit Jungtieren aufwachsen, besteht die Gefahr, dass der Vater diese angreift.

Dieses Experiment gelang teilweise: Heute leben Finn, Björk und Ursina immer noch im Bärenpark, während Berna weggegeben werden musste. Sie stritt sich ständig mit Mutter Björk. Vater Finn ist sterilisiert. Eine Fortpflanzung ist also nicht mehr möglich.

Bärenvater schüttelt Junges zu Tode

Dramatisch endete hingegen im Berner Bärenwald 2014 der Versuch, die Bären Misha und Masha mit zwei Jungtieren aufwachsen zu lassen. Misha und Masha waren ein Geschenk des damaligen russischen Staatspräsidenten Dimitri Medwedew an Bern.

Beim Spielen schüttelte Misha das Junge heftig und schleuderte es durch die Luft. Das überlebte der Kleinbär nicht. Wenige Tage später musste ein Tierarzt auch das zweite Jungtier einschläfern. Auch mit ihm war Misha rabiat umgegangen und Masha vernachlässigte ihre Mutterrolle, wie es damals hiess. Auch Misha ist heute sterilisiert.

Jubiläumsfest

Mit einem Fest und einer Vortragsreihe feiern Stadt Bern und Tierpark Dählhölzli am kommenden Samstag das zehnjährige Jubiläum des Bärenparks. Diesen besuchen heute pro Jahr 1,8 Mio. Besucher. Die Eröffnung im Jahr 2009 war überschattet von Kostenüberschreitungen wegen des aufwändigen Bauens am Aarehang. Das Projekt kostete die Steuerzahler 9 Millionen mehr als budgetiert.

Diese Kostenüberschreitungen wurden in Bern rasch vergessen, als Finn und Björk Nachwuchs bekamen und ganz Bern begeistert war. Zudem erwies sich der Berner Bärenpark als Touristenmagnet erster Güte.

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