11.10.2013 09:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Naturschutz
«Comeback» bedrohter Arten
Naturschutzbemühungen haben laut einem neuen Bericht zu einem «Comeback» gewisser bedrohter Tierarten geführt - auch in der Schweiz. Dennoch warnen Naturschützer vor zu grossem Optimismus: Bei Arten, deren Lebensraum schrumpft, seien viel weniger Fortschritte zu vermelden.

In Europa haben sich die Bestände etlicher fast ausgerotteter Arten erholt. Das ergab eine Studie der London Zoological Society, BirdLife International und des European Bird Census Council. Dies sei Naturschutzbemühungen durch Schutzgebiete und Jagdverbote zuzuschreiben. Doch viele Arten seien noch immer in Gefahr, warnte der letzte Woche in London veröffentlichte Bericht. 

Mehr Biber, Wanderfalken, Steinböcke und Co.

In der Schweiz gibt es laut der Studie wieder deutlich mehr Biber, Steinböcke und Wanderfalken. Auch Störche, Gämsen und Hirsche sind wieder in grösserer Zahl zu finden. Sechs Bartgeierjunge konnten in der Brutsaison 2013 in der Schweiz erfolgreich aufgezogen werden, 16 im ganzen Alpenraum, teilte die Schweizerische Vogelwarte erst am Mittwoch mit. 

Bedroht seien jedoch nach wie vor alle Arten, deren Lebensraum  sich im Landwirtschaftsgebiet befindet, erklärte BirdLife Schweiz  auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Studie, die letzte  Woche in London vorgestellt wurde, untersuchte die  Bestandsentwicklung von insgesamt 40 Arten von grösseren  Säugetieren und Vögeln. 

Erfolge in der Schweiz 

In vielen Fällen half der Mensch dem Erfolg nach: Biber, Luchs, Weissstorch, Bartgeier und Steinbock waren vor 50 bis 100 Jahren in der Schweiz ausgestorben und wurden wieder angesiedelt. Jetzt gibt es wieder geschätzte 1600 Biber, rund 300 Luchse, 198 Brutpaare des Storchs, neun des Bartgeiers und laut Bericht sogar 13'000 Steinböcke. 

Jagdverbote und der Schutz ihres Lebensraums brachten diesen Arten die Erholung - was die Rückkehr von Wolf und Bär in die Schweizer Alpen besonders deutlich macht. Anders beim Wanderfalken: Vor allem das Verbot bestimmter Umweltgifte ermöglichte sein Comeback. 1970 nistete noch ein einziges Brutpaar in der Schweiz, heute sind es etwa 300. 

Aktionsplan Biodiversität 

«Es ist sehr erfreulich, dass es einigen Arten wieder besser geht, aber das Problem ist, dass es vielen anderen Arten immer schlechter geht», erklärte Werner Müller von BirdLife Schweiz. Der Bericht erfasse nur zwei von 78 Arten auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Es kommen auch nur grosse und populäre Säugetiere und Vögel darin vor. 

«Die übrigen 97 Prozent weiterhin gefährdeten Arten brauchen verstärkte und komplexe Massnahmen für den Lebensraum, zum Beispiel im Kulturland», sagte er. Artenschutzbemühungen, Schutzgebiete und Einschränkung der Jagd genügten für den grössten Teil von ihnen nicht - sie benötigten grossflächige Massnahmen in ihrem Lebensraum. 

Dazu fehle in der Schweiz aber eine eigentliche ökologische Infrastruktur mit vernetzten Schutzgebieten. Dafür brauche es einen griffigen Biodiversitäts-Aktionsplan, mahnte Müller. Der Bundesrat hat 2012 eine Strategie Biodiversität Schweiz beschlossen, den Aktionsplan soll das Umweltbundesamt BAFU bis 2014 ausarbeiten.

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