2.11.2016 16:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Vögel
D: Amselsterben wegen Virus
Ein aus Afrika stammendes Virus hat in diesem Jahr viele Vögel in Deutschland getötet. Die Gefahr ist noch nicht vorbei.

In Deutschland sind nach Einschätzung des Naturschutzbundes (NABU) in diesem Jahr ungewöhnlich viele Vögel am Usutu-Virus gestorben. Betroffen seien vor allem der Niederrhein und der Raum Aachen, sagte eine Sprecherin in Düsseldorf.

Über 1100 gemeldete Fälle

Ursprünglich stammt das Virus, das von Stechmücken übertragen wird, aus Südafrika. In Deutschland sei die Krankheit deshalb eigentlich auf die warme Jahreszeit beschränkt. Weil der Herbst ungewöhnlich mild ist, gebe es aber vor allem am Niederrhein noch recht häufig Mücken, die die Krankheit übertragen. Vor allem Amseln sterben durch das Usutu-Virus.

Der NABU hatte im Spätsommer dazu aufgerufen, kranke und tote Tiere zu melden und die Tierkörper anschliessend ins Labor zu schicken. Bundesweit seien so mehr als 1100 Usutu-Fälle gemeldet worden, sagte die Sprecherin. Besonders betroffen sei Nordrhein-Westfalen mit mehr als 500 bekannten Fällen.

Bewegungsstörungen und Apathie 

Vor fünf Jahren gab es in Deutschland durch das Virus erstmals ein Massensterben von Amseln und anderen Vogelarten wie Staren, Eisvögeln und Sperlingen, damals vor allem in Baden-Württemberg, dem Saarland und in Rheinland-Pfalz. Auch wenn die gemeldeten Tiere letztlich nur ein kleiner Ausschnitt aller erkrankten Vögel seien, deute vieles darauf hin, dass der Usutu-Ausbruch in diesem Jahr noch deutlich heftiger war als vor fünf Jahren, sagte die NABU-Sprecherin.

Bei Vögeln kann das Virus zu Bewegungsstörungen, Apathie und schliesslich zum Tod führen. Es ist durch Mücken auch auf den Menschen übertragbar. Nach Angaben des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin ist der Erreger für Menschen meist aber ungefährlich.

Keine Massensterben in der Schweiz

In der Schweiz war das Usutu-Virus erstmals vor zehn Jahren aufgetreten. Damals waren vermehrt tote Amseln und Haussperlinge aufgefunden worden. Im Jahr 2016 gab es in der Schweiz einzelne Vögel, die mit dem Usutu-Virus infiziert waren, wie am Mittwoch bei der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach zu erfahren war.

Ein Massensterben oder gehäufte Todesfälle wie in Deutschland sei aber nicht bekannt, sagte Livio Rey von der Vogelwarte auf Anfrage.

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