4.08.2020 16:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Deutschland
D: Bauernverband wegen Wolf erbost
Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht die steigende Zahl der Wolfsrisse als «Alarmsignal». «Die Zahl der bei Wolfsangriffen getöteten und verletzten Weidetiere nimmt weiter dramatisch und exponentiell zu, 2019 erneut um 40 Prozent», sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken am Dienstag.

Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden 2019 bei 887 Wolfsübergriffen 2894 Nutztiere verwundet oder getötet. Darunter waren mehr als 2500 Schafe und Ziegen, aber auch Rinder und Pferde.

«Die ungebremste Ausbreitung der Wölfe in Deutschland ist für die Weidetierhaltung in den betroffenen Regionen verheerend», mahnt Krüsken. Anders als von Seiten des Naturschutzes behauptet, wachse nicht nur der Wolfsbestand in Deutschland exponentiell, sondern auch die Zahl der Wolfsrisse von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und landwirtschaftlichen Wildtieren und die daraus resultierenden Probleme für die Weidehaltung, so Krüsken weiter.

«Es ist nicht akzeptabel, dass diese vorhersehbare Entwicklung von Seiten des Naturschutzes mit Achselzucken hingenommen wird», kritisierte Krüsken. Er forderte einen Einstieg in die «ernsthafte Bestandsregulierung beim Wolf». Kritik äusserte er auch am DBBW-Schadensbericht. Dieser versuche, die Verantwortung für Wolfsrisse allein den Weidetierhaltern zuzuschieben und deren Schutzbemühungen als unzulänglich zu beschreiben.

«Hier werden Ursache und Wirkung verdreht. In der Praxis sehen wir einen Wettlauf zwischen Wölfen und Schutzmassnahmen. Auch vom Naturschutz als 'wolfssicher' eingestufte Einzäunungen werden regelmässig überwunden», so Krüsken. Herdenschutzmassnahmen allein könnten den Konflikt zwischen Wolf und Weidetierhaltung nicht lösen. «Eine Regulierung des Wolfsbestandes ist unverzichtbar. Bund und Länder dürfen nicht zulassen, dass die Probleme eines exponentiell zunehmenden Wolfsbestandes durch Untätigkeit nicht mehr beherrschbar werden», warnt der Generalsekretär.

Der Wolf war im 19. Jahrhundert in Deutschland ausgerottet worden. Um die Jahrtausendwende wanderte er von Osten kommend wieder ein. Mangels natürlicher Feinde hat sich die Zahl der Wölfe in den letzten 20 Jahren stark vermehrt. Gemäss einer Auswertung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) lebten im Beobachtungszeitraum 2018/19 105 Wolfsrudel, 25 Wolfspaare, sowie 13 sesshafte Einzelwölfe in Deutschland. Der Deutsche Jagdverband geht sogar von über 1300 Wölfen aus.

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