18.09.2014 11:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Vögel
Der gefiederte Förster ist ein Egoist
Der Tannenhäher versteckt Samen der Arve mit seinem Schnabel im Boden und trägt so zur Ausbreitung dieser Baumart bei. Doch anders als angenommen deponiert der Vogel die Samen meist an Stellen, die für die Keimung eher ungeeignet, für ihn jedoch günstig sind, wie deutsche und Schweizer Forscher herausgefunden haben.

Die Samen der Arve (Pinus cembra) sind für die Ausbreitung eigentlich ungünstig: Anders als die meisten anderen Nadelbaumsamen haben sie keine Flügel, sind schwerer und die Zapfen öffnen sich nicht von selber. Zum Glück gibt es den Tannenhäher, der auch «gefiederter Förster» genannt wird.

Samen länger verfügbar

Der Rabenvogel hackt mit seinem Schnabel die Zapfen auf, um an die Arvensamen zu gelangen. Er ernährt er sich fast ausschliesslich von diesen. Um die Samen das ganze Jahr verfügbar zu haben, versteckt er sie im Boden. Doch die Auswahl seiner Verstecke nützt ihm mehr als den Bäumen, berichten nun Forscher der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und deutsche Kollegen im «Journal of Animal Ecology».

«Während Arvensamen feuchten Boden und viel Licht brauchen, um aufzugehen, vergräbt der Tannenhäher sie vorzugsweise dort, wo der Boden trocken und das Kronendach relativ dicht ist», erklärte Hauptautorin Eike Lena Neuschulz vom LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) in Frankfurt am Main in einer Mitteilung der beiden Institute vom Donnerstag.

Für den Tannenhäher ergibt das Sinn: Wenn die Samen nicht keimen, sind sie länger als Nahrung verfügbar. «In Jahren mit geringer Zapfenproduktion müssen Tannenhäher auf früher angelegte Verstecke zurückgreifen können. In eher trockenen Böden bleiben die Samen vermutlich besser erhalten», sagte Felix Gugerli von der WSL.

Wurde fast ausgerottet

Der Tannenhäher wurde früher gejagt, weil vermutet wurde, dass er zu viele Arvensamen frass. Er war deshalb im Alpenraum stark gefährdet. Seit 1961 ist die Jagd auf ihn in der Schweiz verboten. Wegen seines exzellenten räumlichen Erinnerungsvermögens findet der Tannenhäher 80 Prozent der von ihm versteckten Samen wieder - sogar unter dem Schnee.

«Wenn die übrigen 20 Prozent aber an Standorten vergraben sind, wo sie schlecht keimen können, dürfte der Beitrag des Tannenhähers an der Verjüngung der Arvenbestände geringer sein als bisher angenommen», folgert Neuschulz.

Dennoch gebe es zahlreiche Büschel junger Arvenkeimlinge, die nur aus Hähersaat entstanden sein können, fügt WSL-Zoologe Kurt Bollmann hinzu. Ganz offensichtlich reicht die Anzahl der vom Tannenhäher nicht wiedergefundenen Samendepots aus, damit genügend Arven nachwachsen.

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