26.03.2016 07:54
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Pferde
Ein Top-Pferd, das vermarktet werden muss
Konfetti wirbeln durch die Luft, die Guggenmusik schlägt ihre Trommeln. Mitten in diesem Fastnachtstumult stehen seelenruhig einige Pferde. Die Pferde tragen ihre stolzen Narren-Reiter zuverlässig und sicher durch den Umzug. Und es ist ganz schnell klar: Bei diesen Pferden kann es sich nur um Freiberger handeln.

Kaum einer anderen Pferderasse würde man so viel Rummel wie an einem Fasnachtsumzug zumuten können. Die Narrenzeit ist nun vorbei, und es wird Zeit, dem Frühling Platz zu machen. Mit dem Frühlingserwachen beginnt auf den Zuchtbetrieben die Fohlensaison.

Guter Charakter

Als Freiberger geboren, eilt ihnen der Ruf eines besonders charakterstarken Pferdes voraus. Ganz zu recht. Der Freiberger ist eine fast zwei Jahrhunderte alte Rasse und gilt als der letzte Vertreter des leichten Zugpferdes in Westeuropa. In dieser langen Entwicklungszeit hat sich einiges getan. Durch seine enge Zusammenarbeit mit dem Mensch als Zug- und Lasttier wurde er von Beginn an streng auf einen guten Charakter selektioniert.

Denn wer wollte schon einen bissigen, schlagenden Gaul um sich haben. Der Partner Pferd musste im Alltag willig, pflegeleicht und einfach sein. Diese Eigenschaften kommen ihm auch im 21. Jahrhundert zugute. Obwohl sich seine Rolle vom früheren Arbeits- zum heutigen Freizeitpartner komplett geändert hat. «Der Freiberger zeichnet sich neben seinem ausgesprochen guten Charakter durch seinen mittelrahmigen Körperbau, die Robustheit, Leichtfuttrigkeit, Frühreife und  Vielseitigkeit  aus», schwärmt  Stéphane Klopfenstein, Geschäftsführer des Schweizerischen Freibergerzuchtverbandes (SFV).

Vielseitigkeit

Gerade die Vielseitigkeit, gekoppelt mit sicheren und geschmeidigen Gangarten, macht den Freiberger zum idealen Fahr- und Reitpferd für die Freizeit. Das Freibergerpferd kann im Amateurbereich bei entsprechender Ausbildung fast grenzenlos genutzt und eingesetzt werden. Mehr dazu finden Sie auch auf der Doppelseite «Der Freiberger  – ein Pferd für alle Fälle» in diesem Dossier.

Ein Pferd mit so vielen guten Eigenschaften müsste den Züchtern ja quasi aus den Händen gerissen werden. Leider ist dem nicht überall so. «Selbst gute Pferde sind schwieriger zu verkaufen als noch vor einigen Jahren», sagt der Pferdezüchter Christian Aeschlimann aus Barbêreche FR. Als einen der Gründe nennt er die einfachen Importmöglichkeiten von ausländischen Pferden in die Schweiz. Anfänger würden oft junge, unausgebildete Pferde teuer in die Schweiz importieren.

Freiberger hat Zukunft

Seien diese Pferde in der Schweiz angekommen, müssen sie erst einmal ausgebildet werden und das kostet. Ein solcher Pferdekauf kann gut gehen. Häufig jedoch würden die Reitanfänger nach einiger Zeit enttäuscht aufgeben und ihr Importpferd verkaufen. Ohne Pferd und mit einem deutlich leichteren Portemonnaie stehen sie schlussendlich da. «Dabei haben wir in der Schweiz bereits eine Top-Pferderasse», so Aeschlimann.

Davon überzeugt ist auch Roland Kathriner aus dem luzernischen Römerswil. Genau wie Aeschlimann züchtet und verkauft er Freibergerpferde. «Ich bin überzeugt, dass der Freiberger eine gute Zukunft hat, wenn man es raffiniert macht», erklärt Kathriner. Dazu gehört vor allem eines: ein gutes Marketing. Denn wenn bereits ein Top-Produkt, das den Anforderungen entspricht, vorhanden ist, dann muss etwas bei der Vermarktung geschehen. Die beste Werbung ist und bleibt die Mund-Propaganda.

Nicht jeder Züchter ist ein Verkäufer

Was kann es Besseres geben als zufriedene Kunden, die nach aussen hin lobend und empfehlend über die eigene Pferdzucht berichten? Um zufriedene Kunden zu haben, gilt der altbewährte Satz: Der Kunde ist König. Und er will auch so behandelt werden. «Viele Kunden wollen das Pferd auf dem Betrieb sehen, bevor sie es kaufen», sagt Klopfenstein. Die Käufer müssen also vom Pferdezüchter entsprechend auch empfangen werden.

Nicht jedem liegt das, und nicht jeder Züchter ist auch ein Verkäufer. «Manchmal geht es einfacher, wenn man sein Pferd einem Kollegen auf den Betrieb gibt und dieser das Tier dann im Auftrag verkauft», weiss Kathriner. Er verkauft so regelmässig auch Tiere, die nicht aus seiner eigenen Zucht stammen.

Einmal Freiberger, immer Freiberger

Rund um den Pferdeverkauf finden Sie in diesem Dossier einige Tipps und Tricks von verschiedenen Züchtern und Verkäufern zusammengefasst. Das Thema Marketing ist somit aber noch lange nicht vom Tisch und muss unbedingt von jedem einzelnen Züchter für seine Zucht und für die Rasse Freibergerpferd angegangen werden. Und aus den Fohlen von heute werden schon bald die erfolgreichen Freizeitpferde von morgen. Jeder Freibergerbesitzer ist sich einig: Einmal Freiberger, immer Freiberger.

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