13.11.2013 06:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Pferdehaltung
Einfach misten mit dem Staubsauger
Im boomenden Wirtschaftskanton Aargau hat die Sport- und Freizeit-Pferdehaltung eine zunehmende Bedeutung. Darum war das grosse Interesse für den Pferdetag am Landwirtschaftszentrum Liebegg kein Zufall.

Die Studie «Avenches 2005» weist eine wachsende wirtschafts-, gesellschafts- und umweltpolitische Bedeutung der Pferde in der Schweiz nach.  Aus den früheren Zugtieren in der Landwirtschaft sind Sport- und Freizeitgefährten sowie Helfer in der Hippotherapie, Heilpädagogik und Rehabilitation geworden. Die Pferdezahl im Land hat die 100'000er-Grenze überschritten; sie dürfte nach der gerade abgelaufenen Registrierungspflicht noch erheblich höher sein. Die Pferdehaltung trägt 900 Mio. Franken zum Bruttosozialprodukt bei, das Investitionskapital geht in die Milliarden.

Jeder dritte hält Pferde

In diesem Trend liegt auch der Aargau. Jeder dritte Landwirtschaftsbetrieb besitzt wieder Pferde. Insgesamt sind 1500 Halter registriert, über 800 haben vier und mehr Tiere, die 400 grössten Betriebe erfüllen die Anforderungen zur gewerblichen Pferdehaltung. «Im boomenden Wirtschaftskantons Aargau wächst auch die Nachfrage nach Sport- und Freizeitmöglichkeiten mit Pferden», sagt Hansruedi Häfliger von der Fachstelle Tierhaltung an der Liebegg.

Dieses Interesse kam auch am Liebegger Pferdetag zum Ausdruck. Hundert Teilnehmer holten Informationen aus erster Hand über Fütterung und Gesundheit ab. Besonders sinn- und erkenntnisreich war das Referat «Hufschlag rund um die Welt» von Professor Ewald Isenbügel, Tierarzt, Forscher und Filmautor, über Verhalten, Haltung und Nutzung des Pferdes. Laut Isenbügel besitzen Pferde heute noch das gesamte Verhaltensrepertoire ihrer wilden Vorfahren.

Verkauf mit vier Jahren

Nach Fachvorträgen besichtigten die Tagungsbesucher die Pferdezuchtbetriebe Flurweid in Boswil und Rietenberg in Dintikon, wobei die Themen Fütterung und Entmistung sowie Hufgesundheit und Hufbeschlag im Vordergrund standen. Heidi Fischer Heck und Karl-Martin Heck erwarben vor fünf Jahren in Boswil einen auslaufenden Landwirtschaftsbetrieb und bauten ihn für die Freibergerzucht um. Heute halten sie 19 Pferde, darunter vier Zuchtstuten und zwei Wallache.

Die Aufzucht fremder Füllen ist bis auf ein letztes Tier der Zucht und Ausbildung eigener Pferde gewichen. «Wir setzen hohe Ansprüche und verkaufen unsere Fohlen erst vierjährig, wenn sie vielseitig ausgebildet sind, alle Gangarten beherrschen und draussen funktionieren», sagt Heidi Fischer. Die Qualität hat ihren Preis: ein Jungpferd wird um die 12'000 Franken kosten. Grösste Beachtung wird der artgerechten Haltung geschenkt. Der Betrieb verfügt über einen raffiniert unterteilbaren, videoüberwachten Laufstall, separate «Geburtsboxen», übersichtliche Fressstände und eine 4020m grosse Reithalle.

In den Gebäuden, im Laufhof und auf den Weiden fällt die Sauberkeit auf. Der Betrieb verfügt über eine ausgeklügelte Entmistungsanlage: In jeder Liegeboxe befindet sich ein abgedeckter Schacht, aus dem der eingeworfene Mist – schwupps – durch ein unterirdisches Absaugsystem nach draussen in eine geschlossene Mulde befördert wird. Das spart Muskelkraft, erlaubt schnelles Misten und bekämpft wirksam die Geruchs- und Fliegenplage. Auch auf der Weide werden die Rossäpfel mit dem fahrbaren Saubsauger «Elephant» aufgelesen.

14ha, 45 Sportpferde

Ortswechsel: Das vor fünf Jahren von Corinne Sélébam und Simon Alt gegründete Sportpferdezentrum Rietenberg hat sich bereits einen Namen für Schweizer Warmblut- Dressur- und Springpferde gemacht. Der Familienbetrieb verfügt über eine Nutzfläche von 14 Hektaren, knapp die Hälfte sind Weiden in sanfter Hanglage. Hier finden 45 Pferde in Gruppen und Herden artgerechte Bedingungen. Auffallend war, wie neugierig, aber ruhig, ja zutraulich die Tiere auf die fremden Besucher in den Ställen reagierten.

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