7.01.2019 17:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Solothurn
Eklat: «Bauernfeind» muss gehen
Der Wildtierbiologe Darius Weber hat sein Mandat als Leiter des Projekts Wisent Thal verloren. Ihm zum Verhängnis wurden Aussagen in der "Basellandschaftlichen Zeitung", in denen er die Landwirtschaft heftig kritisierte. Das Projekt will im Solothurner Jura eine Wisent-Herde ansiedeln.

Die Ablösung von Weber sei die direkte Folge seiner Aussagen im Zeitungsartikel, erklärte der Vereinspräsident, CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, am Montag gegenüber dem Regionaljournal Aargau/Solothurn von SRF. Er habe viele erboste Reaktionen aus der Landwirtschaft erhalten, so Müller-Altermatt.

Landwirtschaft "extrem naturfeindlich"

Weber wurde in der Zeitung wie folgt zitiert: Die Schweizer Landwirtschaft sei "extrem naturfeindlich", auch im Vergleich zum übrigen Europa. Und weiter sagte er: Wahrscheinlich wäre es ökologischer, die Schweiz würde ihre Milchwirtschaft auslagern und Milch und Käse importieren statt massenweise Futtersoja aus Südamerika".

Für den Verein sei klar, dass die nachhaltig produzierende Landwirtschaft eine wichtige Funktion für unser Land habe und deshalb nicht unter der Anwesenheit des Wisents leiden dürfe, heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Das Projekt Wisent Thal sei ein wissenschaftliches Projekt im Dienste des Artenschutzes, welches keine politischen Stellungnahmen abgebe und selber auch keine politische Dimension aufweise.

 «Wir müssen allen Bedenkenträgern gegenüber dem Wisent-Projekt mit Objektivität begegnen», sagt Müller-Altermatt zur "Solothurner Zeitung". Das sei gegenüber der Landwirtschaft nicht möglich, wenn der Projektleiter als «Bauernfeind» gelte. Das Projekt Wisent Thal schöpfe seine Daseinsberechtigung aus der Fragestellung, ob Land-, Forstwirtschaft und Jagd mit der Anwesenheit des Wisents vereinbar seien. Nur wenn diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden könne, sei eine Auswilderung von Wisenten möglich.

Unpolitisches Urrind

Im Rahmen des Projektes Wisent Thal soll im Solothurner Jura eine Wisent-Herde mit 10 bis 25 Tieren zunächst auf einer eingezäunten Weide gehalten werden. Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren für diese erste Phase des Projekts. Später sollen die Tiere in die Freiheit entlassen werden. Während zehn Jahren soll überprüft werden, ob Wisente als Wildtiere im Jura leben können und ob sie tragbar sind. 

Nachfolger von Weber als Projektleiter wird Stefan Schneider, der Gemeindepräsident von Welschenrohr SO. «Das Wisent-Projekt ist ein Projekt aus dem Thal für das Thal, unterstützt durch die Standortgemeinde Welschenrohr», hält Schneider fest. Darius Weber lebt in Rodersdorf SO im Leimental. Sein Fachwissen wird in den kommenden Wochen an eine neue Projektleitung übergehen. Für das Projekt selber habe der personelle Wechsel keine Konsequenzen, teilte der Verein Wisent Thal mit.

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