24.08.2018 15:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Erdmännchen können vertrauen
Als Erdmännchen lebt es sich gefährlich. Geht die Gruppe auf Nahrungssuche hält immer eines der Tiere Wache. Wie oft sich die anderen trotzdem auch selbst absichern, hängt von der Erfahrung des Wachtpostens ab, berichten Forscherinnen der Universität Zürich.

Wenn Erdmännchen im Freien nach Nahrung suchen, steht immer eines Wache und gibt regelmässig Laute von sich, quasi ein wiederholtes «Alles in Ordnung.» An den Lauten erkennen die anderen Gruppenmitglieder, wer gerade Wache hält und ob eine Gefahr droht. Dennoch schauen sie sich ab und zu auch selbst um, ob sich ein Feind nähert.

Je nachdem, welches Tier den Wachtposten spielt, reagieren die anderen Erdmännchen unterschiedlich auf die beruhigenden Zurufe. Welche Rolle dabei das Alter und die sozialen Beziehungen des Aufpassers spielen, haben Ramona Rauber und Marta Manser von der Universität Zürich untersucht.

Dafür zeichneten sie die Laute verschiedener Wachtposten aus neun Erdmännchen-Gruppen in der südlichen Kalahari-Wüste auf und spielten sie den Tieren fünf Minuten lang vor. Dabei beobachteten sie das Verhalten der Nahrungssuchenden, insbesondere wie oft sie sich vergewisserten, dass wirklich keine Gefahr droht.

Vertrauen in Profis und Geschwister

Dabei stellten sie fest, dass sich die Erdmännchen deutlich seltener umschauten, wenn sie Laute eines erfahrenen Wachtpostens hörten. Im Zuge des «Kalahari Meerkat Project» wurden die Gruppen schon länger beobachtet, so dass die Forscherinnen jedem Tier die Erfahrung als Wachtposten, aber auch sozialen Status, Alter und Geschlecht zuordnen konnten.

Geschwistern aus dem gleichen Wurf schienen die Tiere ebenfalls zu vertrauen. Aufmerksamer waren sie bei Artgenossen, die nicht so oft Wache hielten, also unerfahrener waren. Hierarchie, Alter oder Geschlecht des Aufpassers schienen jedoch keinen Einfluss auf das Verhalten der Tiere zu haben.

Gemeinsame Zeit hilft sozial näher zu stehen

Es müsse also einen Mechanismus geben, wie die Tiere nachverfolgen, wie oft ein Artgenosse Wache hält, schreiben die Forscherinnen im Fachartikel, der in «Scientific Reports» erscheint. Möglich sei, dass sie die individuellen Laute mit der Häufigkeit verknüpfen, wie oft ein Tier den Wachtposten spielt.

Dass die Erdmännchen auch Geschwistern mehr vertrauen, könnte darauf beruhen, dass sie mit diesen mehr Zeit verbracht haben und sich daher sozial näher stehen, vermuten Rauber und Manser.

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