1.10.2014 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Erst fressen, dann fortpflanzen
Den Fischen gehts zunächst ums Futter: Besiedeln Tierarten neue Lebensräume, passt sich ihr Körper zunächst an das Futtervorkommen an, hat ein Forscherteam unter Basler Leitung herausgefunden. Erst später entwickeln sich Farbmuster, um potenzielle Geschlechtspartner anzulocken.

Die Forscher um Walter Salzburger von der Universität Basel haben mit Modellen untersucht, wie sich bei 51 Buntbarsch-Arten im afrikanischen Tanganjikasee bestimmte Körpermerkmale an neue Lebensräume anpassen. Dazu vermassen sie die Körper-, Kiemen- und Kieferform, die Länge des Darms, das Gehirngewicht und die für die Partnersuche wichtige Färbung.

Fische passen sich an Futter an

Bisher habe man angenommen, dass die Anpassung zuerst an die grossen Lebensräume passiert, also Flach- oder Tiefwasser, Fels- oder Sandbereich, was meist zu einer Änderung der Körperform führt, erklärte Salzburger der Nachrichtenagentur APA.

Doch die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die ernährungsrelevanten Merkmale wie die Kieferform früher ändern, wie die Forscher in den «Proceedings B» der britischen Royal Society berichten. Damit passen sich die Fische an ihr Futter an, etwa Algen, die sie von Steinen abweiden, Insekten und Würmer, die sie aufpicken, und kleinere Fische, die sie jagen.

Keine stufenweise Entwicklung

Am wenigsten dringend für die Anpassung an neue Lebensumstände ist für die Buntbarsche offensichtlich eine neue Farbe, die der Kommunikation zwischen den Geschlechtern dient. Diese unterscheidet die Arten erst später, berichten die Wissenschaftler.

Die Resultate liefern neue Informationen dazu, wie neue Arten erstaunlich rasch aus einem oder wenigen Vorfahren entstehen können. Bei diesem «adaptive Radiation» genannten Prozess passen sich Individuen an neue ökologische Nischen an und fächern sich so in mehrere unterschiedliche Arten auf.

Auch eine weitere These dazu konnten die neuen Resultate nicht stützen, dass die adaptive Radiation stufenweise passiert. «Insgesamt fanden wir dafür keine starken Anhaltspunkte», schrieben die Forscher. An der Arbeit waren auch Forscher der ETH Zürich und der Universität Zürich sowie Kollegen aus Grossbritannien und Russland beteiligt.

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