10.09.2013 07:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
EU sagt invasiven Pflanzen- und Tierarten den Kampf an
Biberratte oder Ambrosia: Den wirtschaftlichen Schaden durch invasive Pflanzen- und Tierarten wird auf rund 12 Mrd. Euro (rund 14,8 Mrd. Fr.) pro Jahr geschätzt. EU-Umweltkommissar Janez Potocnik hat daher am Montag in Brüssel Massnahmen zu deren Bekämpfung vorgestellt.

Aktuell gibt es in Europa mehr als 12'000 Arten, die gebietsfremd sind. Gemäss EU-Kommission handelt es sich «bei 15 Prozent davon um invasive Arten». Und ihre Zahl steig rasch, denn durch die Globalisierung fallen natürliche Schranken wie Meere oder Wüsten weg. Die Pflanzen und Tiere gelangen via Schiffe, Flugzeuge und Lastwagen nach Europa. 

Koordination angestrebt

Mit einem EU-weiten, koordinierten Vorgehen sollen nun laut Potocnik einerseits die Kosten bei der Bekämpfung invasiver Arten so tief wie möglich gehalten und «die Wirksamkeit einzelstaatlicher Massnahmen» erhöht werden. 

Denn die Bemühungen einzelner Staaten liefen ins Leere, «wenn die Massnahmen an den Landesgrenzen Halt machen». So wird laut EU-Kommission die Bekämpfung des Herkuleskrauts in Belgien zunichte gemacht, wenn die Pflanze immer wieder aus Frankreich eingeschleppte wird. Das Kraut kann Hautreizungen, Verbrennungen aber auch einen Kreislaufschock auslösen. 

Gemeinsame List «gefährlicher» Pflanzen und Tiere 

Im Mittelpunkt des Vorschlags der EU-Kommission steht eine EU-weit geltende Liste invasiver gebietsfremder Arten, die zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten erarbeitet werden soll. Die auf der Liste stehende Tiere und Pflanzen sollen nicht mehr in die EU eingeführt werden dürfen. Vorboten werden soll auch deren Erwerb, Verkauf, Verwendung sowie Freisetzung. 

Denn die eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten richten grossen wirtschaftlichen Schaden an. Die EU-Kommission beziffert diesen für Europa auf mindestens 12 Mrd. Euro pro Jahr. Dazu zählen Schäden an der Infrastruktur - etwa durch den japanischen Staudenknöterich, der Gebäude beschädigt - oder Ertragseinbussen in der Landwirtschaft. Beispielsweise frisst die aus Südamerika stammende Biberratte, die wegen ihres Pelzes nach  uropa importiert wurde, Feldfrüchten. 

Teilweise gesundheitsschädigend

Invasive Arten können jedoch auch für Menschen gesundheitsschädigend sein. Die «eingewanderte» asiatische Tigermücke ist in der Lage, durch ihren Stich das Dengue-Virus zu übertragen. Das draus resultierende Denguefieber kann für den Menschen tödlich enden. Die Pollen der Ambrosia - die Pflanze wurde aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt - gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern. 

Hinzu kommt, dass diese invasiven gebietsfremden Arten das lokale Ökosystem schädigen können, indem sie einheimischen Arten verdrängen, «die für die Erhaltung des Gleichgewichts unserer natürlichen Umwelt notwendig sind», sagte der EU-Umweltkommissar. 

EU-Staaten müssen schneller handeln 

Schnelles Handeln sei nun dringend notwendig, um den Verlust von Europas biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2020 zu stoppen, sagte Potocnik weiter. Die EU-Kommission möchte daher die EU-Mitgliedstaaten zudem dazu verpflichten, Kontrollen durchzuführen, um die absichtliche Einführung bedenklicher Arten einzudämmen. 

Stellen Staaten fest, dass sich eine Art von EU-weiter Bedeutung auf ihren Gebiet am Etablieren ist, sollen sie sofort Massnahmen zur deren Tilgung ergreifen. Hat sich eine invasive Art bereits ausgebreitet, müssen die Staaten dafür sorgen, dass die Schäden auf ein Mindestmass begrenzt werden. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verordnung muss noch von den EU-Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament gutgeheissen werden.

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