9.12.2013 15:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Tiere
Europäische Hummeln erobern Südamerika
Europäische Hummeln sind als Bestäuberinnen in der Landwirtschaft in Chile eingeführt worden. Doch die staatenbildenden Insekten haben sich mittlerweile im ganzen südlichen Südamerika ausgebreitet - und führen zum Aussterben der heimischen Hummeln, wie Schweizer Forscher im «Journal of Animal Ecology» berichten.

Die Bienenvölker sind in der Krise. Doch da auch Erdhummeln (Bombus terrestris) fleissige Pollensammlerinnen sind, werden sie mittlerweile im grossen Massstab gezüchtet. Landwirte setzen sie zur Bestäubung von Obst- und Gemüsekulturen in- und ausserhalb von Gewächshäusern ein, wie die ETH Zürich am Montag mitteilte.

1998 entkamen einige Tiere

1998 wurden Erdhummeln zu diesem Zweck in wenigen Treibhäusern in Chile freigelassen. Doch einige Tiere entkamen. Von Chile aus bewegte sich die europäische Erdhummel der neuen Studie zufolge entlang der Anden mit durchschnittlich rund 200 Kilometer pro Jahr südwärts. «Wenn man bedenkt, dass sich Hummeln als Kolonien und nicht als Einzeltiere ansiedeln, dann ist dieses Wandertempo erstaunlich hoch», sagte Studienleiter Paul Schmid-Hempel, emeritierter Ökologie-Professor an der ETH Zürich, in der Mitteilung.

Die Erdhummel überwand rasch die Anden und erreichte 2011 die Atlantikküste Argentiniens und 2012 den Süden Patagoniens, wie Schmid-Hempel und seine Kollegen feststellten. «Es handelt sich um eines der spektakulärsten Beispiele einer durch den Menschen eingeleiteten Invasion einer fremden Art auf einem ganzen Kontinent», sagte der Ökologe.

Tödliche Reisebegleiter

Für die einheimischen Hummeln war die Invasion ein Desaster. Im südlichen Südamerika leben fünf von weltweit 250 Hummelarten. Dort, wo sich die Erdhummel ansiedelt, ist die auffällige orange Riesenhummel Bombus dahlbomii überraschend rasch ausgestorben.

Als Grund dafür vermuten die Forscher einen Parasiten, der in den Eingeweiden der Erdhummel lebt. Er führt bei den europäischen und südamerikanischen Hummeln zu Darminfektionen, verändert das Verhalten der Arbeiterinnen, erhöht ihre Sterblichkeit und unterbindet die Gründung neuer Kolonien.

Hummel könnte Gleichgewicht stören


In wenigen Jahren werden die Hummeln an der Magellanstrasse ankommen, ist Schmid-Hempel überzeugt. Von dort wäre es dann nur noch ein kleiner Sprung nach Feuerland und zu den berühmten Nationalparks in Südpatagonien. «Die europäische Hummel könnte das ökologische Gleichgewicht des südlichen Südamerikas empfindlich stören», sagte der Ökologe.

Dies wird sich bald zeigen: Die Erdhummel scheint durch nichts zu bremsen zu sein. Sie sei jetzt etabliert und wohl kaum mehr aus dem Ökosystem zu entfernen, erklärte Schmid-Hempel.

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