5.04.2013 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/apa
Pferde
Europäische Pferdepopulation basiert auf nur wenigen Stammvätern
Die moderne europäische Pferdepopulation hat nur wenige Stammväter, haben Wiener Wissenschaftler nachgewiesen. Sie haben durch Untersuchung des Y-Chromosoms von mehr als 600 Hengsten aus 58 überwiegend europäischen Pferderassen einen neuen Stammbaum erstellt.

Dabei traten sechs gut unterscheidbare väterliche Abstammungslinien zutage, teilte die Veterinärmedizinische Universität Wien am Donnerstag mit.

Sechs unterschiedliche Linien

Bei Säugetieren wird das nur bei Männchen vorkommende Y-Chromosomen von den Vätern an die Söhne weitergegeben. Die Gene darauf variieren weniger stark als jene auf mütterlichen Chromosomen. Anhand von fünf Genomabschnitten fand das Team um Barbara Wallner nun sechs unterschiedliche Linien, sogenannte Haplotypen.

Der verbreitetste Haplotyp kommt in nahezu allen untersuchten Rassen verschiedenster Nutzungsrichtungen und geografischer Regionen vor, berichten die Forschenden im online-Fachjournal «PLoS One». Ein zweiter Haplotyp tritt ebenfalls häufig auf, aber nicht bei Zuchtlinien aus Nordeuropa und der iberischen Halbinsel.

Ein Dritter findet sich in fast allen untersuchten englischen Vollblutpferden und in sehr vielen Warmblütern. Die übrigen drei Haplotypen finden sich nur bei lokal begrenzten Linien aus dem europäischen Norden: bei Islandpferden, bei Fjordpferden aus Norwegen und bei Shetlandponys.

Zuchtbücher

Die Gendaten verglichen die Forschenden mit Zuchtbüchern, die teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. So konnten sie viele der heutigen männlichen Linien zu den Stammhengsten zurückverfolgen. So zeige sich etwa der enorme Einfluss der aus dem Nahen Osten importierten Araberhengste, erklärte Wallner.

Einen weiteren Haplotypen begründete eine Mutation im berühmten englischen Vollbluthengst «Eclipse 1764» oder einem direkten Nachkommen von ihm. «Nahezu alle englischen Vollblutpferde sowie die Hälfte der modernen Warmblutpferdezüchtungen tragen den Eclipse-Haplotyp», sagte Wallner.

Die geringe Vielfalt erklären die Forscher damit, dass die meisten Pferdezuchtlinien in den vergangenen 200 Jahren entstanden seien. Während dieser Zeit änderte sich die Verwendung der Tiere vom Arbeitstier und Armeepferd zum Sport- und Freizeittier. Dies geschah, indem nur wenige, streng ausgesuchte Hengste zur Zucht verwendet wurden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE