13.08.2019 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: Bärengegner drohen mit Waffe
In Frankreich sorgen die verbliebenen Braunbären in den Pyrenäen weiterhin für Konflikte. Lokalpolitiker und Viehhalter aus dem Département Ariège forderten bei einer Protestaktion vor dem Amtssitz des regionalen Präfekten in Toulouse das Ende der staatlichen Bemühungen um den Erhalt der Bären.

Für diese gebe es keinen Platz mehr, erklärte der Präsident des Départementsrates, Henri Nayrou. Er rechnet damit, dass es früher oder später auch zu einem Angriff auf Menschen kommen wird. Auch einen illegalen Abschuss der Bären wollte Nayrou nicht ausschliessen. Der Präsident der örtlichen Landwirtschaftskammer, Philippe Lacube, forderte Gehör von der Regierung in Paris.

Im Ariège gebe es grosse Unterstützung für die Entfernung der Bären. Ein unmittelbares Gesprächsangebot des Präfekten Étienne Guyot schlugen die Protestler allerdings aus.

Mehr Entschädigung und Hilfe gefordert

Der Vertreter des Zentralstaates verwies auf das im Juni vorgestellte Positionspapier „Weidehaltung und Bären“. Der Staat hat sich darin unter anderem verpflichtet, weitere Bären nur noch als Ausgleich für unnatürliche Todesfälle anzusiedeln. Ferner sollen Vergämungsmassnahmen gestärkt und die Entschädigungen erhöht werden.

Ausserdem soll es mehr Hirten und zusätzliche Schutzhütten geben. Nach Angaben der Protestler wurden im laufenden Jahr bis zum 31. Juli bereits 638 Schafe durch Bären getötet.

Bär nicht immer Täter

Diese Zahl mutet angesichts einer Population von etwa 40 Bären in den gesamten Pyrenäen hoch an, könnte aber auch dadurch zustande kommen, dass verschreckte Herden auf der Flucht oftmals Abhänge hinunterstürzen.

Die Organisation Ferus, die sich dem Schutz grosser Raubtiere in Frankreich verschrieben hat, hält die Opferzahlen für unrealistisch. Alles deute darauf hin, dass die Viehhalter seit zwei Jahren versuchten, jedes verstorbene Nutztier den Bären anzulasten, um das Entschädigungssystem zu überlasten und Kompensationen zu kassieren. 

Konflikte schaukeln sich hoch

Laut Ferus belegen Zahlen aus der Landwirtschaft, dass es unabhängig von den Bären bei den Herden in den Pyrenäen eine „natürliche“ Verlustquote von etwa 5 % des Schafsbestandes gebe. Die offiziellen Zahlen der Präfektur sprechen der Organisation zufolge ausserdem eine andere Sprache: 2019 seien bislang 149 Tiere durch Bären zu Schaden gekommen, weitere Fälle würden noch untersucht.

In der Region und besonders im Ariège schwelt seit langem ein Konflikt um die örtliche Braunbärenpopulation. Bei der jüngsten Eskalation wurde ein Dienstfahrzeug des Nationalen Büros für Jagd und Wildtiere (ONCFS) in Brand gesteckt, während die Mitarbeiter mit der Erfassung eines Bärenrisses beschäftigt waren.

Bären nicht erwünscht

Die Behörde setzte daraufhin die Erfassung von Schadensmeldungen und somit auch deren Kompensation vorläufig aus. Ferus verwies in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen weiteren gesetzeswidrigen Aktionen der Bärengegner, die offenbar keinerlei rechtliche Konsequenzen fürchten müssten.

So wurden nach Angaben der Organisation 2017 Mitarbeiter des ONCFS mit dem Tode bedroht und bei Einsätzen vor Ort durch zahlreiche Schüsse eingeschüchtert. Im selben Jahr sei ein Video veröffentlicht worden, in dem maskierte und bewaffnete Männer zur Bärenjagd und zum aktiven Widerstand gegen den Staat aufriefen. 

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