22.11.2016 13:43
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Tiere
Fliegenlarven erledigen Nestputz
Bienenfresser sind bunte, ruffreudige Vögel, die aber auf Sauberkeit pfeifen. Kot und Futterreste der Jungen lassen sie einfach in den Bruthöhlen vergammeln. Das würde dem Nachwuchs schaden, wenn nicht Fliegenlarven die Reinigung übernähmen, fanden Wiener Forscher heraus.

In einem Vogelnest sind die Eltern keineswegs mit ihrem Nachwuchs alleine, zum Beispiel Bienenfresser teilen ihre Bruthöhle mit über hundert anderen Tierarten, berichten die Forscher um Herbert Hoi vom Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Schädliche Gase


Viele kleine wirbellose Tierchen - vornehmlich Insekten -, werden nämlich von den stabilen, geschützten Bedingungen im Nest und einem reichen Nahrungsangebot angelockt. Zu den Mitbewohnern der Bienenfresser gehören etwa verschiedene Arten der Fliegen-Gattung «Fannia». Auch sie legen ihre Eier im Nest und daraus schlüpfen Larven, die sich vom Unrat der Hausherren ernähren.

Die Wissenschaftler untersuchten nun, ob dies den Vögeln einen erkennbaren Vorteil bringt. Von der Eiablage bis zum Flüggewerden der Jungvögel sammeln sich nämlich am Boden der Bruthöhlen beträchtliche Mengen an Futterresten, Kot und Hautschuppen. Dadurch können Gase entstehen, die für die Gesundheit der Jungen nicht gerade förderlich sind. Die Vogelkundler gaben in manche Bienenfresser-Höhlen mehr Fliegenlarven, bei anderen nahmen sie welche heraus. Eine und zwei Wochen nach dem Schlüpfen wogen sie die Jungvögel aus solchen Nestern und sahen sich an, wie gross sie waren. 

Larven verbessern Bedingungen

«Die kleinen Bienenfresser sind mit einer Woche noch komplett nackt, etwa mit vierzehn Tagen bekommen sie die ersten Federn», erzählte Hoi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA. Flügge sind sie mit ungefähr drei Wochen.

In den Höhlen mit zusätzlichen Fliegenlarven waren die Jungvögel grösser und schwerer als in unveränderten Nestern, berichten die Forscher im Fachblatt «Journal of Ornithology». Wo sie wiederum die Anzahl der Fannia-Larven reduziert hatten, waren die Bienenfresserchen deutlich kleiner und leichter als ihre Altersgenossen in anderen Bruthöhlen.

Offensichtlich kann sich der Nachwuchs der nicht auf Reinlichkeit bedachten Bienenfresser erst durch die Aktivitäten der Insektenlarven gut entwickeln.

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