17.09.2014 12:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fische
«Gehörnte» Fische: Zwergenmännchen zeugen mehr Nachwuchs
Bei Fischen namens Schneckenbuntbarsche gibt es Riesenmännchen mit einem Harem und zwergenhafte Liebhaber, die zu deren Weibchen in die Brutkammern schlüpfen. Im direkten Duell zeugen die Knirpse sogar mehr Nachwuchs, haben Schweizer Forscher herausgefunden.

Trotz eines 40-fachen Grössenunterschieds und achtmal kleinerer Hodenmasse zeugen die Zwergenmännchen über drei Viertel der Jungfische, wie die Forscher um Michael Taborsky von der Universität Bern im Fachjournal «Proceedings of the Royal Society B» berichten.

Klein und wendig

Die Brutkammern der Schneckenbuntbarsche im afrikanischen Tanganjikasee sind von den Riesenmännchen gesammelte - und eigentlich streng bewachte - Schneckenhäuser. Weil die Zwergenmännchen aber klein genug sind, können sie an den Weibchen vorbeischlüpfen und sich in den Spitzen der Schneckenhäuser verstecken.

Dort haben sie einen privilegierten Platz: Sie können direkt neben dem Laich ejakulieren und nicht nur von aussen wie die Hausherren. Das macht die Befruchtung durch die Zwergmännchen offensichtlich viel effektiver. Die Riesenmännchen müssen aber so gross sein, damit sie überhaupt Schneckenhäuser zusammentragen können, wie Taborsky in einer früheren Arbeit gezeigt hatte.

Zwergwuchs auf Sex-Chromosom

Erwachsene Zwergenmännchen sind aber viel seltener als Riesenmännchen, die ein Nest verteidigen - sie machen nur etwa fünf bis zehn Prozent aller sich fortpflanzenden Männchen einer Kolonie aus, wie Taborsky der Nachrichtenagentur APA erklärte. So wird letztlich in einer Kolonie doch nur knapp jedes hundertste Ei von einem Zwergenmännchen befruchtet - obwohl diese im direkten Duell mehr Erfolg haben.

Die Forscher untersuchten ausserdem in Zuchtexperimenten die Vererbung der Körpergrösse. «Die Lösung ist frappierend einfach: die Steuerung des Wachstums der Männchen ist auf dem männlichen Geschlechtschromosom kodiert - Zwergmännchen zeugen nur Knirpse und Riesenmännchen nur Hünen», erklärte Taborsky.

Kein Mittelmass

Weil dieser Vererbungsmechanismus nur die Söhne betrifft, kann die Selektion ungehindert sehr kleine und sehr grosse Männchen hervorbringen, ohne dass die Grösse der Weibchen beeinträchtigt wird, erklärte er. «Derart geschlechtsspezifische Vererbung des Wachstums war bisher unbekannt», so der Verhaltensökologe.

Durch die Schneckenhäuser als Brutstätte würden bei den Männchen also riesige und winzige Exemplare von der Evolution bevorzugt, und mittelmässig gebaute Fische stark benachteiligt. Sie können weder mit den Riesenmännchen konkurrieren, noch in deren Harem eindringen und haben so geringe Chancen, sich fortzupflanzen.

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