23.04.2014 08:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fische
Gewitzter Fisch schlägt blitzschnell zu
20 Stundenkilometer schnell kann die Schnauze eines Fächerfisches auf seine Beute treffen. Die Räuber reissen ihren Kopf mit solcher Wucht hin und her, dass Sardinen kaum eine Chance bleibt, haben Forscher errechnet. Artgenossen bleiben weise auf Abstand.

Mit ihrer schwertartig verlängerten Schnauze pirschen sich die Fächerfische an Sardinenschwärme heran und schlagen dann zu - mit einer Beschleunigung, die zu den höchsten je bei Wasserwirbeltieren gemessenen zählt. Das ergaben Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras, berichten Forscher im Fachjournal «Proceedings B» der britischen Royal Society.

Die Wissenschaftler um Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin hatten vor der Küste Cancuns in Mexiko das Verhalten des Atlantischen Fächerfischs (Istiophorus albicans) untersucht. Die Tiere, auch Segelfische genannt, sind mit Marlinen und Schwertfischen verwandt, die ebenfalls eine verlängerte, spitz zulaufende Schnauze haben und extrem schnell schwimmen können. Typisch für Fächerfische ist eine übergrosse Rückenflosse.

Für Flucht zu spät

Die Aufnahmen zeigten, dass die Sardinen im Schwarm überraschenderweise gar nicht bemerken, dass ein von hinten heranpirschender Fächerfisch seine Schnauze - Rostrum genannt - zwischen sie geschoben hat. Schlägt der Räuber dann seinen Kopf hin und her, ist es für eine Flucht zu spät: Die Fische manövrierten viel langsamer als die Schnauze auf sie zu rase, schreiben die Forscher.

Für die Rostrumspitze errechneten sie eine mittlere Beschleunigung von 130 Metern pro Quadratsekunde. Ein Auto käme mit diesem Wert in viereinhalb Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Das Rostrum krache mit einer mittleren Geschwindigkeit von gut 20 Stundenkilometern auf die Beute, heisst es in den «Proceedings» weiter.

Zwei Strategien

Bei ihren Attacken verfolgen die Fächerfische dabei zwei Strategien. Sie greifen entweder gezielt eine Sardine an oder quirlen das Wasser inmitten eines Schwarms, um möglichst viele der Fische zu verletzen und anschliessend zu erbeuten. Bei keiner der beobachteten Jagden habe ein Fächerfisch seine Beute aufgespiesst, berichten die Forscher.

Fächerfische seien extrem schnelle Schwimmer, für den Beutefang spiele dies aber keine Rolle, so ein weiteres Ergebnis der Beobachtungen. Überraschend sei gewesen, dass in allen beobachteten Fällen stets nur ein Fächerfisch die Sardinen attackierte - selbst dann, wenn bis zu 40 der Räuber den Schwarm belauerten.

Signalgeber sei dafür vermutlich der Farbwechsel angreifender Fächerfische, schreiben die Forscher. Verletzungen von Artgenossen bei den rasanten Attacken würden so vermieden.

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