12.05.2014 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Pferdehaltung
«Gruppenställe haben viele Vorteile»
Der Schweizer Tierschutz (STS) möchte die artgerechte Pferdehaltung fördern. Dazu hat er ein Label entwickelt. Beni Strickler aus Neuheim hält die Vorschriften ein. Seine Pferde-Gruppenhaltung funktioniert gut.

In der Rindvieh-, der Schweine- und der Geflügelhaltung sind Labels nicht wegzudenken. Kaum bekannt ist, dass es auch für die Pferdehaltung seit 2011 ein Label gibt. Vergeben wird es vom Schweizer Tierschutz (STS). Mittlerweile können 20 Pferdebetriebe das Logo an ihrem Scheunentor anbringen.

Einer von ihnen ist Beni Strickler. Er hält in Neuheim ZG 28 Pferde, Esel und Ponys – davon 11 eigene – nach den Vorschriften des STS. Das heisst: Gruppenhaltung rund um die Uhr, permanenter Auslauf, mindestens einen Ruhe- und einen Fressbereich, im Sommer 26 und im Winter 13 Tage Weidegang und eine Gesamtfläche von 150m2 pro Tier. «In dieser Fläche ist auch die Weide eingeschlossen», relativiert er. «Die Vorschriften tönen nach viel, aber im Endeffekt haben Gruppenställe viele Vorteile. Sie sind oft billiger und arbeitswirtschaftlich sinnvoller als Ställe mit Boxen.»

Von der Boxe zur Gruppe

Strickler weiss, wovon er spricht. Schon sein Vater hatte Pferde. Erst waren es nur einige Boxen. «Seit der Aufgabe der Milchviehhaltung vor etwa zwölf Jahren setzen wir auf die Pferdepension», meint Strickler. «Seither haben wir mehrmals um- und ausgebaut.» Innenboxen – Aussenboxen – Boxen mit Auslauf – Gruppenhaltung: Auf dem Betrieb Neutal in Neuheim wurde den Pferden immer mehr Platz und mehr Sozialverhalten zugestanden. So, wie es der STS befürwortet.

Sandra Dürrenberger, beim STS für die Pferdehaltung zuständig: «Das Pferd ist ein Herden- und ein Bewegungstier. Mit dem Label möchten wir mehr Pferdehalter für die Bedürfnisse der Pferde sensibilisieren.» Dazu komme, dass der Betrieb das Logo zur Werbung und als Qualitätsnachweis nutzen könne – im immer härteren Konkurrenzkampf um Pensionäre kein unwichtiges Argument.»

Gute Stimmung im Stall

Strickler kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Seine Pensionsplätze sind alle besetzt. Dazu trägt neben dem recht günstigen Preis von 500 Franken pro Monat sicher auch die äusserst angenehme Stimmung im Stall bei. Wohlgemerkt: die Stimmung unter den Pferden. Trotz Grossgruppe sind keine Rangeleien im Gang. Die Tiere, vom Shetlandpony über den Esel bis zum Grosspferd, stehen einzeln oder in Gruppen und warten auf frisches Futter. Die ganz hungrigen tun sich an der Raufe am frischen Stroh gütlich.

Strickler füttert vier Mal pro Tag, zweimal Haylage aus dem Harvestore, zweimal Heu. Das STS-Label schreibt mindestens drei Fütterungen vor. Wer seinem Pferd Kraftfutter geben will, macht das ausserhalb der Gruppe, wenn er das Pferd zum Reiten rausnimmt.

Mehrere Liegeflächen

Im Stall haben die Pferde eine mit Sägemehl und Hobelspänen dick eingestreute grosse Liegefläche zur Verfügung, dazu mehrere eingestreute Nischen. Laut Dürrenberger müssen die Liegeflächen 10cm dick eingestreut werden. Wird eine Gummimatte unterlegt, reichen 5cm. «Dass die grosse Liegefläche nicht unterteilt ist, stört die Pferde nicht», hat Strickler beobachtet. Oft würden viele Tiere nahe beieinander liegen. «Es ist auch noch nie vorgekommen, dass wir ein Pferd nicht in die Gruppe integrieren konnten.»

Seine Stuten würden sogar in der Gruppe abfohlen, auch wenn das Label eine Separation 10 Tage vor bis 10 Tage nach der Geburt erlaube. «Die Fohlen finden sich in der Herde schnell zurecht, und die Pferde übernehmen auch einen Teil der Erziehungsaufgabe, die sonst der Mensch machen muss.»

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