5.05.2013 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Pferde
Heimtier-Pferde sollen Direktzahlungen verlieren
Pferde, deren Fleisch nicht gegessen werden darf, leisten für das BLW keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Für zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe ist die Haltung von Pferden zum wichtigen Standbein geworden. Doch die wirtschaftliche Attraktivität könnte mit der Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) leiden. Nicht nur sollen bekanntlich die tierbezogenen RGVE- und TEP-Beiträge abgeschafft werden, die es heute auch für Tiere der Pferdegattung gibt. Vor allem auch sollen Pferde, die in der Tierverkehrsdatenbank als Heimtiere bezeichnet sind, nicht mehr als Nutztiere gelten.

Kein BTS und Raus mehr

Das heisst, dass es für diese Heimtiere keine Tierwohl-, Sömmerungs- und Alpungsbeiträge mehr gäbe. Auch würden die Heimtiere beim Mindesttierbesatz für die Versorgungssicherheitsbeiträge nicht angerechnet. Hat ein Betrieb also anteilsmässig viele Heimtiere auf dem Betrieb stehen, könnte es sein, dass er die geplanten 900 Fr./ha auf dem Dauergrünland nicht erhält. Und für die Heimtiere soll es auch keine Standardarbeitskräfte(SAK)-Faktoren mehr geben, was bei der Eintrittsschwelle von 0,25 SAK, bei der Gewerbegrenze und den Investitionshilfen Folgen haben könnte.

Ist keine Produktion

Heute werden laut BLW für Tiere der Pferdegattung rund 38 Mio. Fr. an Beiträgen ausgeschüttet, davon rund 15 Mio. Fr. an Heimtiere. Warum will das BLW den Haltern von Heimtier-Pferden die Direktzahlungen entziehen? Thomas Meier, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Agrarpolitik im BLW, erklärt die Überlegungen des Bundesamts. 

Laut Artikel 104 der Bundesverfassung sorge der Bund dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion die gewünschten Leistungen erbringen kann. Entscheidend sei das Wort «Produktion», die bei einem Heimtier, das nach der Schlachtung nicht der menschlichen Ernährung zugutekommt, sondern entsorgt wird, nicht gegeben sei.

Heimtier wegen Emotion

Ab Geburt gilt ein Tier der Pferdegattung als Nutztier, dessen Fleisch gegessen werden kann. Der Eigentümer des Pferdes entscheidet, ob sein Pferd ein Heimtier wird (siehe Kasten). Er tut dies in der Regel aus emotionalen Gründen. Dieser Status muss in der Tierverkehrsdatenbank und im Pferdepass eingetragen werden. Der Entscheid, das Tier als «Heimtier» einzutragen, kann nicht rückgängig gemacht werden. In der Tierarzneimittelverordnung steht ausdrücklich: «Der Verwendungszweck Heimtier kann nicht mehr geändert werden.» Es geht dabei um die Lebensmittelsicherheit von Fleisch.

SBV will sich wehren

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) will sich gegen die Verordnungsänderung zur Wehr setzen. Was die SAK-Faktoren betreffe, sei der Aufwand für die Investition und die Arbeit pro Pferdeplatz für den Betrieb gleich gross, ob es sich beim Pferd um ein Nutztier oder um ein Heimtier handle. Zudem, so schreibt der SBV im Entwurf seiner Stellungnahme zur Anhörung, werde die Einteilung eines Pferdes als Heimtier vom Tiereigentümer vorgenommen und könne deshalb vom Betriebsleiter, der ein solches Pferd in Pension hat, nicht beeinflusst werden. Auch könnte es zu einer Verschlechterung des Tierwohls kommen, wenn es für Heimtiere keine Tierwohlbeiträge gebe.

Heimtier

Ein als Heimtier bezeichnetes Tier darf bei seinem Abgang nicht in die Nahrungskette gelangen. Bei Krankheiten und Verletzungen kann das Tier mit allen dafür zur Verfügung stehenden Medikamenten behandelt werden. Die Führung eines Behandlungsjournals ist nicht nötig. Auch ein als Nutztier gemeldetes Pferd kann medikamentös eingeschläfert werden, allerdings ist das Tier dann nicht zum Verzehr freigegeben.  sal

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