2.07.2014 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Helfen, sonst droht Rauswurf
Afrikanische Buntbarsche bestrafen faule Helfer mit Bissen und Schwanzschlägen. Zu diesem Schluss kommen Berner Forscher nach einem Feldversuch, für den sie Helfer in einem Plastikzylinder in Zwangspause setzten. Absenzen werden gar mit dem Rauswurf aus dem Territorium bestraft.

Bei Buntbarschen der Art Neolamprologus pulcher, die im afrikanischen Tanganjikasee leben, hat sich ein «Zahlen-um-zu-bleiben»-System eingebürgert: Nicht-verwandte Tiere werden im Territorium der brütenden, dominanten Tiere toleriert, wenn sie bei der Brutpflege und der Verteidigung des Reviers helfen.

Vom Helfen abgehalten

Nun konnte das Team um Stefan Fischer von der Universität Bern erstmals zeigen, dass diese Helfer für Faulheit bestraft werden. Die Helfer wiederum versuchen ihre - im Experiment erzwungene - Absenz mit besonders unterwürfigem Verhalten und eifrigem Helfen zu kompensieren. Die Forscher berichten darüber im Fachjournal «Proceedings of the Royal Society B».

Fischer und seine Kollegen setzten für den Versuch im Süden des Sees in Sambia Helfer in eine zehn Zentimeter lange Plastikröhre, um sie für 24 Stunden vom Helfen abzuhalten. In einem weiteren Experiment entfernten sie die Helfer ganz. Dann liessen sie die Helfer zurück ins Brut-Territorium.

Es zeigte sich, dass sich die «säumigen» Helfer bei ihrer Rückkehr verstärkt für die Verteidigung des Territoriums einsetzten. Auch verhielten sie sich stärker unterwürfig, indem sie die Schwanzspitze senkten und damit zitterten. Trotzdem mussten sie mehr Bisse und Schwanzschläge der dominanten Tiere einstecken. Ganz abwesende Helfer wurden häufig aus dem Territorium verjagt.

Geklaute Befruchtungen

Dieses strenge Regime ist sinnvoll: Die Anwesenheit von nicht-verwandten Artgenossen in einem Territorium reduziert das Nahrungsangebot für die dominanten Tiere und deren Brut. Auch können sich Untergebene bei Paarungen dazwischen drängen und so Befruchtungen «klauen», oder sich eine Ecke des Reviers abzwacken. Ihre Anwesenheit muss sich also lohnen.

Allerdings funktioniert das System von Helfen und Bestrafen nur in kleinen Gruppen, wie sich zeigte. Denn die dominanten Tiere müssen einzelne Individuen erkennen und über deren Hilfeleistung Buch führen können - womit ein kleines Fischhirn bei grossen Gruppen überfordert ist.

Buntbarsche der Art Neolamprologus pulcher werden etwa sieben Zentimeter lang und sind beliebte Aquarienfische. Sie leben in sozialen Gruppen mit einem bis zu 25 Helfern unterschiedlichen Geschlechts und Verwandtschaftsgrads zusammen. Nur dominante Tiere brüten - sie können mit Helfern zusammen mehr Nachwuchs durchbringen.

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