5.06.2020 08:12
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Afrika
Heuschrecken: Warnung vor Hungersnot
Wegen einer der schlimmsten Heuschreckenplagen seit 70 Jahren warnen Experten vor einer massiven Hungersnot in Ostafrika. Die Corona-Krise erschwere zudem eine Versorgung der bis zu fünf Millionen vom Hunger bedrohten Menschen, warnte die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) am Donnerstag in einer Studie.

Die Gemeinschaft einiger ostafrikanischer Staaten Igad teilte mit, schon vor der Covid-19-Pandemie sei die Versorgungslage bei 27,6 Millionen Bedürftigen prekär gewesen - nun drohe die Zahl noch zu steigen.

Die neue IRC-Studie warnt vor der vierten Generation der Wüstenheuschrecken, die bis zu 8000-fach grössere Schwärme bilden könnten als die jeweiligen Vorgänger, die sich seit Mitte 2019 in der Region ausgebreitet und immens grossen Schaden angerichtet haben. Am schlimmsten sei Somalia betroffen: «Ohne sofortige Hilfe können sich in Somalia voraussichtlich 3,5 Millionen Menschen nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen», betonen die Autoren der Studie.

Seit Monaten fallen Millionen von Wüstenheuschrecken über Teile Ostafrikas, Asiens und des Nahen Ostens her und zerstören Äcker und Weiden. Die Länder bekämpfen die Heuschrecken mit Insektiziden, doch der viele Regen in Ostafrika lässt die Insekten gedeihen. Viele Menschen dort haben wegen früherer Dürren und schwelender Konflikte eh nicht genug zu essen. Die Coronakrise hat die Lage verschärft.

Mehr tote Mütter befürchtet

Die Hilfsorganisation Care warnte, dass etwa in Somalia, dem Tschad, dem Südsudan oder dem Kongo Schwangere durch Einschränkungen in der medizinischen Grundversorgung und Hungerkrisen besonders leiden. Das könnte in der Region die Müttersterblichkeit anschwellen lassen.

Im westafrikanischen Sierra Leone, wo die Müttersterblichkeit weltweit am dritthöchsten ist, sterben pro 100'000 Geburten 1120 Frauen. Bei derselben Anzahl sind es in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik pro Jahr rund 5 tote Frauen. Kurzumfragen von Save the Children in Sambia, Somalia und Tansania ergaben zudem, dass viele Afrikaner nicht ausreichend über die Verbreitung des Virus und den Schutz vor einer Ansteckung informiert sind.


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