23.07.2016 12:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Freiberger
«Ich habe 20 weisse Freiberger-Zuchtstuten»
Sie sind selten anzutreffen und fallen mit ihrer exotischen Fellfarbe sofort auf. Gemeint sind die weiss geborenen Freiberger. Ja das gibt es, im Jura hat sich ein Landwirt auf die Zucht der weissen Freiberger spezialisiert.

Pferde üben seit jeher eine Faszination auf Menschen aus. Eine Faszination die im kleinen Dorf Rocourt, am äussersten Zipfel des Juras gelebt wird. «Helle Pferde haben mir schon immer sehr gut gefallen», erzählt Damien Vuillaume. «Es ist ein schönes Bild wenn man auf die Weide schaut und die farbigen Pferde sieht.»

20 Jahre Zuchtarbeit

Vor genau 20 Jahren hat Vuillaume nach langem Suchen endlich seine ersten zwei hellen Zuchtstuten gefunden und gekauft. Die weisse Licorne (Laurel/L’as de coeur) und die graue Jenny (Vulcain/Juchêne) bilden die Basis seiner Zucht.

Gemeinsam mit der etwas später dazu gestossenen Daisy (Libéral/Réza) hat der 40jährige Landwirt auf seinem Betrieb drei Zuchtlinien aufgebaut. Der Hengst L’As de Coeur der vor vier Jahren im Alter von 27 Jahren gestorben ist, hat die Zucht «du Coinat» massgeblich geprägt.

Nach jahrelanger Zuchtarbeit mit vielen Hürden ist es nun pünktlich zum 20. Jährigen Jubiläum der Coinat-Zucht soweit: 20 weisse und graue Freibergerzuchtstuten stehen heute im Stall von Vuillaume.

Mutation am KIT-Gen

«Genetische Untersuchungen von weissgeborenen Pferden haben gezeigt, dass bei einem ihrer Gene, dem KIT-Gen, eine Mutation aufgetreten ist», erklärt Tosso Leeb vom Institut für Genetik an der Vetsuisse-Fakultät in Bern.

Das KIT-Gen sei nämlich für die Bildung von Pigmentzellen aber auch für die Entwicklung von Stammzellen im Knochenmark und Spermien verantwortlich. Veränderungen bei diesem KIT-Gen können also dazu führen, dass Fohlen weiss oder teilweise weiss auf die Welt kommen.

«Ansonsten hat die Mutation aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit oder Fruchtbarkeit der weissgeborenen Pferde», veranschaulicht Leeb. Weissgeborene Pferde sind somit mischerbig für eine Mutation im KIT-Gen. Ihre Fellfarbe wird «Dominat Weiss» genannt.

6 helle Pferde pro Jahr

Wenn Vuillaume seine weissen Zuchtstuten mit einem farbigen Hengst decken lässt erhält er zu 50 Prozent ein dominat weisses Fohlen. Jährlich werden bei ihm rund 15 Freiberger geboren, davon seien 5-6 weiss gesprenkelt oder weiss berichtet der Züchter.

Die Frage drängt sich auf, weshalb nicht einfach ein weissgeborener Zuchthengst nachgezogen wird und dann bei den weissgeborenen Stuten eingesetzt wird? Dann müsste laut Vererbungsleere mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% ein dominat weisses Fohlen das Licht der Welt erblicken.

Nie zwei Weisse kreuzen

Und Vuillaume hätte seine spezielle Freibergerzucht wohl schneller vorantreiben können. «Man soll nie zwei dominat weisse Pferde miteinander verpaaren», betont Leeb. Bis heute sei kein dominat weisses Pferd welches reinerbig für die Mutation im KIT-Gen ist, gefunden werden.

Es wird vermutet, dass die reinerbigen Embryonen bereits in den ersten Wochen der Trächtigkeit im Mutterleib absterben. Mit dieser Thematik muss sich Vuillaume bei seine Zucht nicht beschäftigen.

«In der Schweiz gibt es keine gekörten weissgeborene Zuchthengste», sagt Stefan Rieder , Leiter  Forschung  am Schweizer Nationalgestüt. Zurzeit setzt der Jurassier bei seinen Zuchtstuten vor allem den Zuchthengst Lambswool ein.

60 Pferde auf dem Hof

Der Freibergerhengst steht zusammen mit dem Warmbluthengst Hermès d'Authieux auf dem Betrieb für den Deckeinsatz zur Verfügung. Neben den Freibergern werden auch Warmblutpferde gehalten.

«Mein Bruder hat sich dem Schweizer Warmblut verschrieben, deshalb haben wir noch 15 Warmblutpferde», erklärt Vuillaume. Im Winter leben insgesamt 40 Pferde auf dem Betrieb, im Sommer sind es dann mit den Fohlen an die 60 Tiere.

Kein Pferd für  Metzger

Die Familie Vuillaume organisiert auf ihrem Zuchtbetrieb jedes Jahr eine Fohlenschau (27. August  2016.) an der sie die eigenen Fohlen und die aus der Region von Experten bewertet werden. Etwa drei Viertel der Fohlen werden direkt nach dem Absetzten verkauft, oft ins naheliegende Ausland.

Der Rest nach dem Feldtest. Von seinen Freibergern geht keiner zum Metzger. Sein Kundensegment für die Freiberger sind Freizeitreiter. In 80 Prozent der Fälle werde der Freiberger als Familienpferd eingesetzt. Aus diesem Grund ist Vuillaume gegenüber der Idee der Fremdbluteinkreuzung eher kritisch.

«Der Freiberger darf nicht zu viel Blut haben.» Er müsse vom Wesen her ruhig, mit einem sicheren Charakter bleiben. Das Einkreuzen berge immer eine Gefahr mit negativen Auswirkungen auf den Charakter der Tiere.In der Schweiz seien es  auch viele junge Leute die bei ihm ein Freibergerpferd kaufen.

Zuchtziel Nr.1 Charakter

Als Züchter und Pferdeverkäufer sei es ihm deshalb besonders wichtig, dass die Pferde einen guten Charakter haben und fein im Mund seien (gute Rittigkeit).

Der gute Charakter ist das Zuchtziel Nummer eins der Coinat-Zucht. Dicht gefolgt von der Fellfarbe weiss oder grau, gekoppelt mit einem schönen und ausdruckstarken Kopf. Seine weissen und grauen Freiberger verkauft er zu einem doppelt so hohen Preis wie es in der Juragegend üblich ist.

Wir halten auch Kühe

Neben den Pferden hat auf dem 45ha-Betrieb 30 Mutterkühe. Es handelt sich Grösstenteils um Kreuzungstiere der  Rasse Angus und Vosgienne (eine bedrohte französische Rasse).

«Reine Angus geben nicht mehr genug Milch für ihre Kälber», begründet der 40jährige Betriebleiter das Einkreuzen. Die Kälber werden als Natura Veal verkauft. «Die Milchwirtschaft hat mich nicht nie angezogen.» Und heute wo der Milchmarkt mit Milch überläuft ist er froh um seine Entscheidung.

45ha arrondierte Fläche

Der Betrieb liegt in einer trockenen Lage, und so wird die 45ha grosse arrondierte Fläche als Weideland genutzt. Vuillaume führt den Betrieb im Nebenerwerbe und arbeitet als Mechaniker im Dorf. Auf dem Betrieb helfen ihm sein Vater und einer seiner beiden Brüder.

Sind weisse Freiberger etwa Albinos?

Weissgeborene Pferde:  Haben bereits bei der Geburt ein vollständig oder fast vollständig weisses Fell, braune oder blaue Augen und die Haut ist rosafarben. Es sind aber keine Albinos. Durch  eine Mutation am so genannten KIT-Gen wird die Bildung der Pigmentierung gehemmt.

Albinos: Sie werden weiss geboren. Einem Albino fehlen neben den Pigmenten in Fell und Haut auch die Pigmente in den Augen, welche dadurch immer rot sind.

Schimmel: Ein Schimmel ist ein vorzeitig ergrautes Pferd. Genetiker sprechen bei Schimmeln deshalb nicht von weissen, sondern von grauen Pferden. Ein Schimmel kommt immer farbig auf die Welt.  Das Fell wird erst mit einem höheren Lebensalter vollständig weiss. Die Haut bleibt beim Schimmel aber immer dunkel pigmentiert.

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