6.04.2016 06:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Pferdezucht
"Ich verkaufe kein dreijähriges Pferd unter 8500 Franken»
Auf dem Sagenhof werden nicht nur Zuchtpferde gehalten, sondern auch jedes Jahr zahlreiche Jungpferde aus der eigenen Nachzucht und von Privatpersonen ausgebildet und zu einem angemessenen Preis verkauft.

«Ich bin überzeugt, dass der Freiberger eine gute Zukunft hat, wenn man es raffiniert macht», sagt der passionierte Pferdezüchter Roland Kathriner aus Römerswil LU. Er muss es wissen, vor vier Jahren war er durch mehrere Schicksalsschläge gezwungen seine Betriebsstrukturen zu überdenken.

Schweren Herzens verkaufte der gelernte Bauer seine 25 Milchkühe. Als der heute  38-Jährige mit 19 Jahren den Betrieb übernommen hat, war dieser ein typischer Luzerner Betrieb mit Milchkühen, Schweinen und drei Pferden. Die Schweine sind schon länger verschwunden und mit dem Verkauf vor vier Jahren auch die Kühe.

40 Freiberger auf dem Hof

Nun wird der 13-ha-Betrieb (plus 1,5 ha Wald) von wiehernden Vierbeinern beherrscht. Auf dem Sagenhof, wie der Betrieb seit Grossvaterszeiten genannt wird, dreht sich alles um die Pferde. Der Betrieb wurde vollständig auf das Freibergerpferd ausgerichtet. «Pferde waren schon immer meine Leidenschaft», erzählt Kathriner.

In der Sekundarschule habe er sein erstes Pferd Leo selber ausgebildet. Der mittlerweile 26-jährige Wallach Leo wohnt noch immer auf dem Sagenhof. Bei bester Gesundheit steht er regelmässig im Einsatz. Den Sagenhof teilt er sich mit rund 40 anderen Freibergern.

Darunter auch den beiden Zuchthengsten Cosimo  und dessen Sohn Casim. Sechs Zuchtstuten sorgen regelmässig für Nachwuchs, bei den restlichen Pferden handelt es sich um Pensions-, Ausbildungs- und Aufzuchtpferde.

"Ich halte nichts von Schnellbleiche"

Eines der Standbeine bildet die Ausbildung von Jungpferden. Letztes Jahr hat das Sagenhof-Team, das sich aus Roland Kathriner und rund 10 Pferdebegeisterten zusammensetzt, insgesamt 15 Jungpferde ausgebildet und sie erfolgreich an verschiedenen Feldtests präsentiert.

«Die Ausbildung beruht auf Vertrauensbasis zwischen Mensch und Pferd», erklärt Kahriner. Tatsächlich suchen seine Tiere geradewegs den Kontakt zum Menschen, und der auf dem Strohbett liegende Wallach Eloy lässt sich im Beisein von seinem Meister auch von dem fremden Besuch im Stall nicht aus der Ruhe bringen. «Unter drei Monaten bieten wir keine Ausbildung an», sagt Katriner bestimmt. Von Schnellbleiche hält er nichts.

Keine «goldene Boxe»
Bei der Pferdeausbildung- und -haltung müsse vor allem die Betreuung und der Umgang mit den Tieren stimmen. «Pferde brauchen keine vergoldete Boxe, sondern einen respektvollen, aber bestimmten Umgang», sagt Kathriner.

Doch mit der Pferdezucht und Ausbildung sind die Rechnungen Ende Monat nicht bezahlt. Der Verkauf der Tiere spielt eine wichtige Rolle, wenn der Betrieb drehen soll und man davon leben will. Kathriner macht etwas, was leider in der Freibergerszene nicht weit verbreitet ist, er verlangt für seine Pferde einen angemessenen Preis.

Charakter hat einen Preis

«Ich verlange für ein dreijähriges Pferd mindestens 8500 Franken», so Kathriner. Diesen Preis dürfe man mit gutem Gewissen verlangen, aber das Pferd müsse natürlich auch etwas dafür können. «Gute Pferde kann man immer verkaufen», ist der Züchter überzeugt.

«Für einen Top-Charakter darf und muss etwas gezahlt werden, genau wie bei den Sportpferden für ihre Sportleistung.» Das Problem sei im Allgemeinen, dass man zu wenig mit seinen Pferden mache.

Gerade bei Jungpferden beobachte man häufig, dass viele Besitzer ihre Jungpferde nach dem Feldtest stehen lassen. Aber gerade junge Pferde müssen weiter gearbeitet werden. Im Stall und auf der Weide werden die Pferde nicht besser.

Ehrliche Selektion der Zuchttiere

«Entweder ist der Charakter da oder eben nicht.» Hier müssen die Züchter bei der Selektion der Zuchttiere selber ehrlich genug sein», betont Kathriner. Nicht nur die Hengstauswahl, sondern auch die Auswahl der geeigneten Zuchtstute sei entscheidend, wenn man später charakterstarke und gute Pferde haben will.

Für seine eigene Zucht hat Kathriner genaue Ziele: ein charakterstarkes Freizeitpferd mit Schick, mit einer guten Gesundheit, taktvollen Gängen und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.

Steht so ein Pferd nach einer soliden Ausbildung zum Verkauf, gibt es für Kathriner nur noch positive Verkaufsargumente. «Der Freiberger ist ein Pferd, mit dem man freizeitmässig uneingeschränkt alles machen kann. Mit einem Freiberger kann man im Sport seinen Ehrgeiz ausleben und gleichzeitig auf Ausritten die Ruhe geniessen.»

Pferde den Leuten zeigen

Es ist eine starke Rasse, die sich durch ein gesundes Exterieur und ihre Robustheit auszeichnet. Ausserdem seien nicht viele Pferderassen so durchforscht wie der Freiberger. Es gibt unzählige wissenschaftliche Arbeiten rund um das Freibergerpferd. Der Verkauf seiner Tiere geschieht mittlerweile zum grössten Teil über Mund-Propaganda. «Wir sind mit unseren Freibergern aktiv im Sport dabei und zeigen sie den Leuten», so Kathriner.

Egal ob in der Dressur, beim Springen, Fahren oder einfach bei einem gemütlichen Ausritt. «Wenn man mit seinem Pferd in die Öffentlichkeit geht und es den Leuten zeigt, dann muss der Auftritt auch sitzen.»

Ein gut gestyltes, sauberes Pferd, ein «nicht perfekter», aber ordentlicher Betrieb und anständige Kleidung für den Reiter, Fahrer oder eben Verkäufer seien Faktoren, die beim Pferdeverkauf viel zu wenig beachtet würden.

«Wow-Effekt» erzeugen

Auch von Medien wie einer eigenen Homepage oder Facebook zeigt sich Kathriner begeistert: «Man muss alles nutzen, was man zur Verfügung hat», erklärt er. «Aber man sollte sich vorher schon überlegen, was man ins Netz stellt», doppelt der Pferdezüchter nach.

Hierbei spricht er unter anderem die Verkaufsfotos an. Die Fotos müssen beim Kunden einen «Wow-Effekt» hervorrufen und das Verkaufspferd von seiner Sonntagsseite zeigen.

Freizeitmarkt erobern

Wenn man mit Medien wie dem Internet arbeite, dürfe man nicht faul sein und müsse die Seite immer topaktuell halten. Für Kathriner steht fest:  Der Freiberger hat nicht nur seine Berechtigung auch gerade auf Landwirtschaftsbetrieben, denn das Pferd belastet weder den Fleisch- noch den Milchmarkt, sondern hat eine rosige Zukunft.

«Das Pferd ist heute ein Luxusobjekt, für viele gar ein Kinderersatz. Es ist für Leute da, die sich erholen wollen, und genau diesen Freizeitmarkt muss man als Züchter erfassen.»

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