23.07.2014 16:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Hunde
Illegale Hunde-Importe in die Schweiz nehmen zu
Immer mehr Schweizer Hundebesitzer kaufen ein Tier im Ausland. Ein Grund sind die vielen Angebote im Internet. Auch die illegalen Importe nehmen zu. Stammen solche Hunde und Welpen aus Tollwut-Risikoländern, müssen sie im schlimmsten Fall eingeschläfert werden.

Der Kanton St. Gallen machte kürzlich Zahlen publik: Ein Dutzend Fälle von illegalen Hundeimporten wurden dem Veterinärdienst seit Anfang Jahr durch Zoll, Polizei, Tierärzte oder Privatpersonen gemeldet. Es ging um rund 50 Tiere. Alle Fälle hatten Strafanzeigen und Meldungen an die Zollbehörden zur Folge.

Manche illegalen Hundeimporte würden nur durch Zufall entdeckt, sagt der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche. Etwa nach Beissvorfällen oder wenn ein Hund zu einem Tierarzt gebracht wird, kommen die Behörden der Sache auf die Spur.

Laut der Schweizer Heimtier-Datenbank ANIS (Animal Identity Service) wurden im vergangenen Jahr 22'600 Hunde aus dem Ausland in der Schweiz neu registriert. Das sind annähernd so viele wie die 26'000 in der Schweiz geborenen Hunde. Die Hundeeinfuhren stiegen um 2,6 Prozent. 2012 hatte die Zunahme gar 23 Prozent betragen.

Viele Fälle bleiben unentdeckt

Häufig stellen Zoll oder Behörden in Grenzkantonen wie St. Gallen fest, dass Hunde ohne die nötigen Papiere in die Schweiz gelangen. Viele Fälle, bei denen nicht alles korrekt läuft, dürften aber auch unentdeckt bleiben, vermutet Fritsche.

Der Kantonstierarzt schilderte der Nachrichtenagentur sda den Fall eines Ehepaars, das in Marokko einen neunwöchigen Welpen von der Strasse gegen Kleidung eintauschte. Es liess den Hund noch im Tollwut-Risikoland Marokko impfen - allerdings nicht fachgerecht und nicht den Vorschriften entsprechend.

Drei Wochen später brachte das Paar den Hund über Spanien und Frankreich in die Schweiz, ohne die Einfuhr dem Zoll in Genf zu melden. Kaum in der Schweiz, verletzte sich die Besitzerin beim Spielen mit dem Hund und musste zum Arzt gehen.

Dieser meldete den Vorfall dem Veterinärdienst des Kantons St. Gallen. Dort wurde der illegale Import festgestellte. Der junge Hund aus Marokko musste eingeschläfert werden, weil er aus einem Tollwut-Risikoland stammte und die nötigen Veterinärbescheinigungen fehlten.

Verlockende Internet-Angebote

Die Leute seien sich immer weniger bewusst, welche Risiken mit einem Hundekauf verbunden und welche Regeln zu beachten seien, sagt Fritsche. Zudem sei es sehr einfach, einen Hund übers Internet zu bestellen, statt ihn bei einem einheimischen Züchter zu kaufen.

Auf Internetseiten werden Welpen zu verlockend günstigen Preisen angeboten, wobei manchmal nur eine Handynummer als Kontakt dient. Gefragt sind Rassen, die in der Schweiz eher teuer sind, wie American Staffordshire, American Bulldog, Cane Corso oder Rottweiler. Vielfach ist die Herkunft der Tiere unbekannt.

Sie stammen nicht selten aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, der Türkei oder aus nordafrikanischen Ländern. Dort kommt die urbane Tollwut (Tollwut bei Haustieren) vor, weshalb für die Einfuhr in die Schweiz und die EU verschärfte Vorschriften gelten.Kofferraum- und Parkplatzverkäufer
Weil ein vorschriftsgemässer Import relativ aufwendig ist, versuchen Hundehalter oder Hundehändler immer wieder, Tiere illegal in die Schweiz zu schleusen. Zöllner entdeckten schon Welpen in ungeeigneten Transportboxen in Auto-Kofferräumen oder Gepäckabteilen von Reisecars.

Der St. Galler Veterinärdienst wurde auf einen Händler aufmerksam, der Welpen im Internet zum Kauf anbot. Eine Kontrolle am Wohnort des Händlers ergab, dass dieser die Tiere illegal aus Österreich importiert hatte. Eine Handelsbewilligung konnte er nicht vorweisen.
Weil die Welpen gesund waren, alle einen österreichischen Chip und einen Heimtierausweis hatten und nicht aus einem Tollwut-Risikoland stammten, liessen es die Behörden bei einer Strafanzeige gegen den Händler und einer Anzeige bei der Zollfahndung bewenden.

Chip, Tollwut-Impfung und Heimtierausweis

Fritsche empfiehlt Leuten, die einen Hund kaufen wollen, sich sorgfältig über Rassen und deren Eigenschaften zu informieren, aber auch über die geltenden Vorschriften. Hunde, die aus dem Ausland importiert werden, müssen mit einem Chip gekennzeichnet und gegen Tollwut geimpft sein. Zu jedem Tier gehört ein Heimtierausweis. Wird ein Hund aus einem Land ausserhalb der EU in die Schweiz gebracht, gelten noch strengere Vorschriften. Diese sind auf der Homepage des Bundesamts für Lebensmittelschutz und Veterinärwesen (BLV) - www.blv.admin.ch - dokumentiert.

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