17.02.2016 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Kämpfende «Prinzessinnen» greifen Räuber an
Konkurrenzkämpfe zwischen den «Prinzessin vom Tanganjikasee» genannten Buntbarschen sind riskant: Sie lenken von herannahenden Raubfischen ab, wie Forschende beobachtet haben. Entdecken sie den Räuber daher zu spät, gehen sie gleich zum Angriff über.

Forschende der Universität Bern, der University of Liverpool und der australischen James Cook University haben das Kampfverhalten des Buntbarsches «Prinzessin vom Tanganjikasee» (Neolamprologus pulcher) untersucht. Dabei stellten sie fest, dass Konkurrenzkämpfe sie geradezu übermütig machen: Nähert sich dabei ein Raubfisch, greifen sie diesen an, auch wenn er um ein Vielfaches grösser ist.

Wie die Universität Bern am Dienstag mitteilte, wollten die Forschenden herausfinden, ob die Fische während Revierkämpfen noch ihre Umgebung im Auge behalten konnten. Dies sei überlebenswichtig, da sich jederzeit ein Räuber nähern könne.

Unaufmerksame Kämpfer

In Aquarienversuchen beobachteten die Wissenschaftler, dass Auseinandersetzungen mit Artgenossen tatsächlich von der Anwesenheit eines Räubers ablenkten. Waren die Buntbarsche allein, entdeckten sie den Raubfisch innert weniger Sekunden. Waren sie hingegen damit beschäftigt, ihr Territorium gegenüber Artgenossen zu verteidigen, entdeckten sie den Räuber erst viel später.

Auch die Reaktion auf den Räuber fiel in den beiden Fällen sehr unterschiedlich aus. Waren die Fische alleine, versteckten sie sich vor dem Raubfisch. Waren sie aber beim Kampf mit Artgenossen durch den Räuber überrascht worden, attackierten sie diesen anstatt in Deckung zu gehen.

Angriff als letzte Verteidigung

«Wenn die Fische den Räuber früh bemerken, ist es am besten, die Flucht zu ergreifen», sagte Barbara Taborsky von der Universität Bern in der Mitteilung. Entdeckten sie ihn jedoch später, sei eine Attacke des Räubers wahrscheinlich und aggressive Gegenwehr könne die Überlebenschance erhöhen. «Angriff als letzte Verteidigung, sozusagen.»

Die Theorie, dass die aggressive Gegenwehr gegen Raubfische die Unaufmerksamkeit bei Revierkämpfen kompensiere, müsse aber noch durch Studien in freier Wildbahn belegt werden, so die Studienautoren. Die Ergebnisse erscheinen im Fachjournal «Animal Behaviour».

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE