7.07.2013 09:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/apa
Forschung
Kakadu kann höchst komplexe Schlösser knacken
Indonesische Goffini-Kakadus sind kluge Vögel: Sie benützen Werkzeuge oder schaffen es, für ihre Lieblingsspeise auf Nahrung zu verzichten, die sie bereits im Schnabel tragen. Nun zeigen österreichische Forscher, dass sie auch höchst komplexe Schlösser knacken können.

In der Studie hatten untrainierte Kakadus eine Nuss aus einer Box zu «befreien», die mit fünf verschiedenen Verschlussmechanismen gesichert war. Jedes einzelne Schloss blockierte das nächste in der Serie und erforderte zum Öffnen unterschiedliche motorische Handlungen - was ein sogenanntes «sequenzielles Problem» darstellt. 

Einer der Kakadus schaffte das sogar in weniger als zwei Stunden, wie die Kognitionsbiologen der Universität Wien im Fachjournal «PLoS ONE» berichten. Fünf weitere Vögel beherrschten das Öffnen, nachdem sie entweder einem anderen Kakadu dabei zugesehen oder zunächst jedes Schloss einzeln nacheinander gelöst hatten, schrieb die Uni Wien in einer Mitteilung. 

Bisher nur Schimpansen 

«Ausser im Fall von Werkzeugsets bei Schimpansen gab es bisher keine Berichte von Tieren, die so wie Pipin ohne Vorerfahrung ein fünfteiliges Problem lösen können, bei dem jeder Schritt unterschiedliche Handlungen erfordert», erklärte Mitautorin Alice Auersperg von der Uni Wien. 

Bei solchen «sequenziellen Problemen» führt die Lösung einer Aufgabe stets zu einem neuen Problem und das Ziel wird nur sukzessive erreicht. Solche Aufgaben gelten als kognitiv höchst anspruchsvoll, da sie die Fähigkeit erfordern, sich im Geist räumlich und zeitlich vom begehrten Zielobjekt zu entfernen. 

Entferntes Ziel erreichen 

Ein weiterer Schritt sollte zeigen, ob die Vögel verstehen, was sie machen. Also haben die Forscher einzelne Schlösser entfernt oder alle Schlösser durchmischt. Die Vögel hätten tatsächlich spontan und sinnvoll auf Änderungen in der Sequenz und Funktion der Schlösser reagiert, sagte Auersperg. 

Dies könne zwar nicht beweisen, dass die Vögel das Problem auf einer ähnlichen Ebene verstehen wie Menschen. Sie besässen aber eindeutig die Fähigkeit «ihr Lernen auf ein entferntes Ziel zu organisieren», erklärte Mitautor Alex Kacelnik von der Universität Oxford.

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