31.08.2017 15:31
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Schädling
Kirschessigfliege: Netze im Test
Die Rebbauern in Hallau SH sind alarmiert: 20 Grad und Regen, das bedeutet optimale Bedingungen für die Kirschessigfliege (KEF). Ein breit angelegtes Forschungsprojekt soll dabei helfen, den Schädling besser zu verstehen und damit effektiver bekämpfen zu können.

«Wir müssen wissen, wie die KEF funktioniert, denn wir müssen damit leben» erklärte Markus Hallauer, Präsident der Rebbaugenossenschaft Hallau/Oberhallau, am Donnerstag vor den Medien. Die KEF ist erst seit 2011 in der Schweiz, und es gibt noch viele offene Fragen. Die Fliege befällt Früchte im Beeren-, Obst- und Weinbau.

Hotspots identifizieren

Auf der Suche nach wirksamen Bekämpfungsstrategien ist das Hallauer KEF-Projekt so angelegt, dass es «von der KEF aus denkt», erklärte Projektleiter Markus Leumann. Wo gefällt es ihr, wie weit fliegt sie, wie lässt sie sich abhalten? Insgesamt umfasst das Projekt sechs verschiedene Module mit rund 20 Versuchen auf 150 Hektaren.

Der Anstoss ging von den Rebbauern aus. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und findet im Rahmen der von Agroscope geführten Task Force Kirschessigfliege statt. Bereits seit Anfang März läuft ein Monitoring, das als Frühwarnsystem dient. Einmal pro Woche werden KEF an zwei Standorten ausgezählt. Seit Montag sind sie auf den Trauben.

Barriere oder Schutznetze

Weil bekannt ist, dass sich KEF gerne in Hecken aufhalten, in denen etwa Brombeeren oder Holunder wachsen, wurden diese «Hotspot-Habitate» alle kartiert. Nadine Brinkmann von der Fachstelle Weinbau SH/TG hat diese flächendeckend erfasst, als Überblick und Grundlage für die Untersuchung. Netze haben sich als wirksame Massnahme gegen den Schädling erwiesen. In Hallau werden nun verschiedene Typen getestet. Neu kommen dabei nicht nur seitlich an den Reben angebrachte Netze zum Einsatz sondern auch ein Netz als Barriere.

Dieses vier Meter hohe und 100 Meter lange Netz hat eine Maschenweite von einem Millimeter und trennt eine Hecke vom angrenzenden Weinberg. Auf beiden Seiten werden Becherfallen aufgestellt, um die Zahl der KEF zu ermitteln. Damit wollen die Forscher herausfinden, ob der direkte Flug von einem Hotspot zu den Reben unterbunden werden kann. Getestet wird jedoch nicht nur die Auswirkung auf die KEF, sondern etwa auch auf Vögel oder auf das Landschaftsbild.

Flugdistanz messen

Ausserdem wollen die Forscher in enger Zusammenarbeit mit Agroscope klären, wie weit KEF überhaupt fliegen. Dazu werden diese beispielsweise in Gleitfallen gefangen, markiert, gezählt und freigesetzt. Später werden sie in Klebfallen wieder eingefangen. Zusätzlich werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit erfasst.

Weitere Versuche klären die Wirksamkeit verschiedener Fallentypen und in welchem Abstand diese aufgestellt werden sollten, um optimale Wirkung zu entfalten. Zusätzlich gibt es Versuche mit diversen Insektiziden auf unterschiedlichen Rebsorten.sda

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