29.01.2014 11:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klimawandel
Klimawandel: Rentiere in Nordostamerika drohen auszusterben
Mit dem Klimawandel könnten Bestände des nordamerikanischen Karibus in den nächsten sechzig Jahren stark schrumpfen oder gar verschwinden. Darauf deutet eine neue Studie mit Schweizer Beteiligung hin. Den eurasischen Rentieren dürfte es etwas besser ergehen.

Das Team um Glenn Yannic von der Laval-Universität in Québec wollte herausfinden, wie Rentiere mit dem Klimawandel zurechtkommen werden. Denn dieser werde sich in den arktischen Regionen rascher und stärker auswirken. Schon jetzt seien zahlreiche Herden bedroht, schreiben die Forscher im Fachjournal «Nature Climate Change».

Von anderen Rentieren isoliert

Also haben Yannic und Kollegen, darunter der Evolutionsbiologe Antoine Guisan von der Universität Lausanne, die genetische Vielfalt der sich ausbreitenden Populationen seit der letzten Eiszeit vor 20'000 Jahren aufgezeichnet. Daraus wollen sie ableiten, wohin die Herden ziehen werden, wenn es wärmer wird, und wie vielfältig ihr Erbgut sein wird - Basis für die Anpassungsfähigkeit einer Art.

Die Daten des Erbguts von fast 1300 Rentieren rund um den Nordpol zeichnen ein düsteres Bild. Die eine Abstammungslinie, die kleiner ist und Herden von Neufundland bis in die inneren Ebenen von Kanada beinhaltet, könnte aus ihrem heutigen Verbreitungsgebiet weitgehend verschwinden.

Lebensraum schrumpft um 89 Prozent

Wende man ein «Business as usual»-Klimaszenario des Internationalen Klimarats an, schrumpft ihr Lebensraum in sechzig Jahren um 89 Prozent, schreiben die Wissenschaftler. Die Rentiere eurasischer Abstammung, die im ganzen nördlichen Eurasien bis nach Nordwestamerika und -kanada verbreitet sind, verlören zwar auch 60 Prozent ihres Lebensraums.

Sie könnten sich aber dank grösserer genetischer Vielfalt besser an die neue Situation anpassen. Die Resultate zeigten deutlich auf, dass die genetische Vielfalt der Tiere höher ist, wenn das Klima längere Zeit stabil bleibt, erklärten die Forscher. Wenn der Lebensraum schrumpft, schwindet auch diese genetische Lebensversicherung.

Klimawandel in Arktis stärker

Das Fazit sei klar, erklärte Mitautor Kris Hundertmark von der University of Alaska Fairbanks in einer Mitteilung: «Wenn man die genetische Vielfalt schützen will, muss man die klimatisch stabilen Regionen kennen.» Dies seien vor allem Alaska und die russische Arktis. Dank ihrer Befunde könnten sich Schutzbemühungen nun auf möglichst stabile Regionen konzentrieren.

Rentiere sind die letzten wilden Überlebenden der so genannten eiszeitlichen «Megafauna», die zum Beispiel Mammuts, Höhlenbären und Säbelzahntiger umfasste. Die Rentiere konnten überleben, weil sie an die extremen Bedingungen der Arktis angepasst waren, wo es wenige Menschen und Raubtiere gab.

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